Steuern und Jürgen Trittin

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Nachdem der Grünen-Politiker Jürgen Trittin in den letzten Tagen mehrfach in verschiedenen Talkshows seine Vorstellung einer Manager-Boni-Begrenzung ausgeführt hat, will ich zu seinen Aussagen hier kurz Stellung nehmen.
Die Grünen möchten, dass die steuerliche Absetzbarkeit von Managerboni auf 1 Mio. Euro und die Gehälter auf 500.000 Euro p.a. begrenzt werden. Trittin wird nicht müde zu wiederholen, dass die Boni nicht von den Steuerzahlern subventioniert werden sollten.
Damit vertritt Trittin eine interessante Sicht der Besteuerung. Er suggeriert, dass der Steuerzahler die Boni finanziert bzw. dem Staat Steuereinnahmen verloren gehen.
Ist es nicht vielmehr so, dass diese Zahlungen von den Managern mit ihrem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert werden müssen? Und sollte man nicht annehmen, dass dieser nach den Reformen der letzten Jahre über dem Satz der Unternehmenssteuern liegt? Damit sind die Staatseinnnahmen definitiv höher als bei einer Einstellung der Boni z.B. in die Rückstellungen.
Die Grünen-Forderung führt zu nichts anderem als zu einer Doppelbesteuerung. Zunächst darf das Unternehmen die Kosten nicht absetzen und versteuert somit Ausgaben (ist zwar unverständlich, aber keine neue Idee…teilweise müssen Mietausgaben bereits heute versteuert werden). Anschliessend muss der Manager den Betrag nochmals mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern.
Na gut, solange eine Forderung populistisch genug ist, muss sie nicht unbedingt einen Sinn ergeben.
Extrinsische Motivation
Der heutige Blogbeitrag hat nur am Rande mit Banking zu tun. Dennoch – oder gerade deshalb – wird hier ein Video (s.u.) verlinkt, das das Thema Motivation behandelt.
Die Rechtfertigung für diesen Beitrag in einem BankingBlog liefert die momentane Diskussion über Bonuszahlungen an Banker. Ausserdem finde ich das Video und TED empfehlenswert.
(An invitation for the next Conference would be appreciated :) )
Nach dem Betrachten des 18 minütigen Videos kommt man möglicherweise zu einer neuen Einschätzung von Bonuszahlungen im Allgemeinen. Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass die traditionellen “Belohnungen”, wie z.B. Boni, weniger effektiv sind, als gemeinhin angenommen.
Das Video enthält den Mitschnitt eines Vortrages des Autors Dan Pink bei TEDtalks.
Dan Pink hat u.a. das sehr empfehlenswerte Buch “A Whole New Mind” verfasst und war Al Gores Redenschreiber. In dem Video wird deutlich, dass er auch selbst ein hervorragender Redner ist. Eine Kurzbiografie findet sich hier.
TED (Technology, Entertainment, Design) unterstützt “ideas worth spreading” und veranstaltet einmal jährlich die TED Conference, bei der tolle Redner ihre Ideen vorstellen. Neben Dan Pinks Vortrag finden sich auf der Seite sehr viele, höchst interessante Redebeiträge (Hans Rosling ist super, auch Bill Gates und und und). TED ist definitiv eine Bookmark-Empfehlung. Eine TED iPhone-App existiert selbstverständlich auch.
Politischer Kreditzwang

© Foto: ap (via handelsblatt.com)
Das Handelsblatt erläutert in seiner heutigen Online-Ausgabe die möglichen – allerdings begrenzten – Maßnahmen der Regierung, um Banken zur Kreditvergabe zu zwingen. Union und SPD befürchten einen Anstieg der Firmenpleiten und damit höhere Arbeitslosenzahlen im Herbst. Und da ist bekanntlich Wahl.
Banken sollten zur Erholung der Wirtschaft beitragen, in dem sie nicht zu risikoscheu bei der Kreditvergabe sind. Gleichzeitig will Peer Steinbrück die Eigenkapitalvorschriften für Banken (Basel II) reformieren, d.h. lockern.
Anders formuliert: die Politik befürchtet Firmenpleiten, will aber gleichzeitig die Banken zu einer riskanteren Kreditvergabe zwingen und die Bindungswirkung des Eigenkapitals aufweichen.
In einem worst-case Szenario führt das dann dazu, dass zunächst (bis zur Wahl?) die Firmenpleiten hoffentlich ausbleiben. Danach fallen die erzwungenen Kredite aus, die mit weniger Eigenkapital unterlegt werden mussten. Dies ist dann zwar erstmal das Problem der kreditgebenden Bank, aufgrund der durch die Finanzkrise angespannten Eigenkapitalsituation der Banken kann dies aber sehr schnell wieder das Problem der Steuerzahler werden. Die drohende Erhöhung der Arbeitslosigkeit, deren Kosten den Kreditausfällen gegenübergestellt werden müssten, wurde nur temporär verhindert – bis nach der Wahl. Anschließend zahlt der Steuerzahler für die Arbeitslosigkeit und die Kreditausfälle.
Kein wirklich gutes Geschäft.
Weiterhin schreibt das Handelsblatt, dass Wissenschaftler seit langem dafür eintreten, dass sich Banken Eigenkapital beschaffen.
Das ist prinzipiell richtig, jedoch in Zeiten der Finanzkrise schwierig und teuer – unter Marktbedingungen.
Laut dem Vorsitzenden des wissenschaftlichen Beirats des Finanzministeriums, Clemens Fuest (SPD), hätte der Staat die Banken per Staatsbeteiligung dazu zwingen müssen.
Am Ende wird es vermutlich darauf hinauslaufen, dass der Steuerzahler belastet wird. Sei es durch steigende Arbeitslosigkeit und/oder die Kreditausfälle privater oder zwangsverstaatlichter Banken.



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