Hinrichs wechselt von S&P zu Scope

Ex S&P Deutschland Chef Torsten Hinrichs wird Geschäftsführer der kleinen Scope Ratings. http://m.faz.net/aktuell/finanzen/cfo/ex-s-p-chef-hinrichs-uebernimmt-bei-scope-ratings-13122791.html

Russisch-chinesische Ratingagentur

Die Financial Times und das Manager Magazin berichteten am 03. Juni darüber, dass Russland und China sich geeinigt hätten, eine gemeinsame Ratingagentur zu gründen. Damit solle die Vormachtstellung der USA auf dem Weltratingmarkt aufgebrochen werden.

Wesentliche Aufgabe dieser Agentur seien “apolitische” Ratings. Sagt der russische Finanzminister während seiner China-Reise. Sicher hat es überhaupt nichts damit zu tun, dass Standard & Poor’s die Bonität Russlands nach der Besetzung der Krim heruntergestuft hat.

Genauere Aussagen zur Struktur der Ratingagentur und ein Zeithorizont wurden nicht bekannt gegeben. Wahrscheinlich ist jedoch die Einbindung der chinesischen Agentur Dagong und einer staatlich unterstützten Institution auf russischer Seite. Diese wenigen Informationen klingen doch schon sehr “apolitisch”.

Dagaong existiert seit ca. 20 Jahren und trat vor allem dadurch in Erscheinung, dass sie (korrekterweise?) die USA sehr früh nach Ausbruch der Finanzkrise herabstuften. S&P benötigte für diese Einschätzung deutlich länger.

Die Pläne für eine europäische Ratingagentur wurden wohl endgültig begraben – zumindest habe ich in der letzten Zeit nichts mehr darüber gelesen.

Prinzipiell halte ich Konkurrenz weiterhin für das richtige Vorgehen, um das Oligopol zu durchbrechen. Allerdings habe ich hinsichtlich der Objektivität und (politischen) Unabhängigkeit bei dem russisch-chinesischen Joint-Venture meine Bedenken.

Capital Requirements

Nach längerer Zeit mal wieder ein Beitrag von mir an dieser Stelle. Allerdings nur ein Link…aber ein guter.

A New Idea on Bank Capital
Ritzholtz

Who said Kreditklemme?

Die Frankfurter Rundschau berichtet, dass es für deutsche Unternehmen einfach und billig wie nie sei, Kredite bei Banken aufzunehmen. Sie beruft sich dabei auf eine Untersuchung des Ifo-Instituts, an dem 4.000 Unternehmen teilnahmen.

Lediglich 19,2% der Firmen beklagten eine restriktive Kreditvergabe – dies sei ein historischer Tiefststand. Den leichtesten Zugang zu Bankkrediten erhielten nach dieser Studie große Industriebetriebe, in der Baubranche gibt es die meisten Klagen über restriktive Kreditvergabe. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn erkennt daher ein sehr gutes Finanzierungsumfeld für deutsche Unternehmen.

In den Krisenländern ist der Kreditzugang für Firmen wesentlich schlechter. Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage und eigenen Problemen der Banken halten sich Kreditinstitute bei Unternehmenskrediten zurück. Die EZB überlege daher, nur noch Banken günstig zu refinanzieren, “die den Unternehmen in ihren Ländern auch mehr Kredite geben”.

Über diese Idee der EZB kann man trefflich streiten: ist es Aufgabe einer Zentralbank, in die Geschäftspraktiken der Banken so direkt Einfluss zu nehmen?

Rating der EU hat sich verschlechtert

Standard & Poor’s hat der Europäischen Union die Rating-Bestnote AAA entzogen und die EU auf AA+ gesetzt. Nachdem in den letzten Monaten bereits die Ratings einiger EU-Länder von S&P herabgestuft wurden, ist der Downgrade der EU insgesamt wenig überraschend.

S&P vertritt die Auffassung, dass die Kreditwürdigkeit der 28 EU-Mitgliedsstaaten abgenommen und der Zusammenhalt der Länder sich verringert habe. EU-Währungskommissar Rehn wies dies mit dem Argument zurück, dass bislang alle Länder ihren Verpflichtungen – selbst zum Höhepunkt der Krise – nachgekommen seien.

Nach Berechnungen von S&P ist die EU mit ca. 56 Mrd. Euro Anleihevolumen jedoch nur ein kleiner Player.

Rating der Ratingagenturen

Wenig überraschendes hat eine Marktanalyse der ESMA (European Securities and Markets Authority) ergeben – das Oligopol der drei großen Ratingagenturen scheint weiterhin nicht gefährdet. Die Marktanteile der nach der EU-Verordnung registrierten Agenturen zeigen die noch immer marktbeherrschende Stellung von Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch mit zusammen 87% Marktanteil (vgl. >>Die Bank).

Die deutsche Feri EuroRating Services AG erreicht einen respektablen siebten Platz – mit einem Marktanteil von 0,81%.
(Das Ranking mit den genauen Werten aller registrierten Agenturen findet sich z.B. bei >>Den Nutzen von Ratings erschliessen )

Völlig altruistisch bin ich noch immer der Auffassung, dass mein Modell kreditinstitutseigener Ratingagenturen zu einem Aufbrechen des Oligopols führen könnte und über den höheren Wettbewerb zu besseren, kostengünstigeren und transparenteren Ratings. (Wer noch ein Weihnachtsgeschenk sucht: hier der Link zum Long-Read des Modells (Amazon))

Weitere Veröffentlichung

Beck_FremdfinanzierungUnd wenn ich schonmal am Schreiben bin:

in dem Buch “Fremdfinanzierung für den Mittelstand” von Bösl/Schimpfky/von Beauvais (Hrsg.) bin ich mit einem Beitrag über Rating und Covenants vertreten (zusammen mit Oliver Everling).

>> Amazon-Link

Thematisch passt das ganz gut zu meinem letzten Blogbeitrag – wenn denn die Banken sich wieder mehr auf das Kreditgeschäft konzentrieren wollen. In meinem Buchbeitrag beschreibe ich neben den (bekannten?) Ratinganforderungen auch die fast immer in Kreditverträgen enthaltenen Covenants. Das Buch ist praxisorientiert und soll Unternehmern und Beratern einen Überblick über die relevanten Finanzierungsformen geben.

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