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Bewegt er sich doch….?

…. der Ratingmarkt?

Auf Twitter wurde ich heute von @AnleihenFinder auf eine Neuemission hingewiesen. Die Laurél GmbH begibt eine Anleihe mit 5-jähriger Laufzeit und einem Kupon i.H.v. 7,125%. Das Maximalvolumen beträgt 20 Mio. Euro, die Stückelung 1.000 Euro. So weit, so gut verzinst.

Interessant ist der Hinweis, dass Laurél “nach eigenen Angaben” ein BBB Rating der Creditreform Rating besitzt. Diese Aussage kann ich nach der Recherche auf den Creditreform-Seiten bestätigen. Es handelt sich dabei um ein Emittenten-Rating, kein Emissions-Rating. Die exakte Ratingskala der Creditreform konnte ich auf die Schnelle nicht finden, lediglich den Hinweis:

Im abschließenden Ratingurteil werden sämtliche Informationen zu einem Wert verdichtet und auf einer international verständlichen Ratingskala von AAA bis D abgebildet. So symbolisiert etwa die Note “AAA” die bestmögliche Bonität.

Die Skalierung scheint also analog zu denen der großen Drei (S&P, Moody’s und Fitch) zu sein und Laurél ist damit im Investment Grade. Diese großen Drei spielen allerdings nach Aussage der Anleihen Finder GmbH auf dem Markt für Mittelstandsanleihen keine Rolle. Die Creditreform sei in diesem Segment der Marktführer.

Und das würde bedeuten, dass doch Bewegung in den Ratingmarkt gekommen ist – wenn auch (zunächst?) nur in einem kleinen Marktsegment. Eine gute Nachricht für alle, die wie ich die oligopolistische Marktform als suboptimal erachten.

Allerdings will ich nicht verschweigen, dass der Markt für Mittelstandsanleihen in der letzten Zeit einige Ausfälle erlebt hat. Man muss abwarten, ob sich die Ratings der Creditreform ex post als korrekt erweisen.
Und natürlich muss ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass mein Modell mit den Ratingagenturen der Kreditinstitutsgruppen gerade auch im Mittelstand eine gute Alternative darstellt – sowohl zu den großen Drei als auch zu dem “Marktführer Creditreform”.

Jürgen Trittin – Finanzminister?

Der Grünen-Fraktionschef Trittin hat der “Welt am Sonntag” ein Interview gegeben, über das ich bei Twitter schon gemeckert habe. Hier kommt die etwas ausführlichere Blogerklärung für das Gemecker.

Zunächst geht es im Interview um Steinbrücks Nominierung, eine “gerechte” Welt, die europäische Bankenaufsicht und natürlich “die oberen zehn Prozent”. Und damit sind wir ganz schnell bei der Steuerpolitik allgemein und der Vermögensteuer im Besonderen. Dazu sagt Trittin:

Es geht nicht um den Mittelstand, sondern um die reichsten der Reichen, nicht mal ein Prozent der Bevölkerung. Und die können sich das ganz einfach leisten.

Gut, dass er das so genau weiß. Ab welchem Vermögen man zu den reichsten der Reichen gehört folgt zwei Sätze später:

Erklären Sie mir doch mal, warum jemand mit einer Million Euro an persönlichem Privatvermögen nicht über zehn Jahre pro Jahr 15.000 Euro erwirtschaften kann. Wer das nicht hinkriegt, muss ziemlich schlecht wirtschaften.

Und in diesem Satz steckt mehr drin, als ich in 140 Zeichen bei Twitter verarbeiten konnte. Also: ab 1 Mio. Euro Privatvermögen zahlt man 15.000 Euro jährlich. Das entspricht einer Vermögensteuer von 1,5%.

Zunächst einmal ärgert mich, dass ein Berufspolitiker, vermutlich ohne Berufserfahrung in der Wirtschaft (laut Wikipedia ist er Dipl.-Sozialwirt und war wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni Göttingen), behauptet, man könne locker 1,5% jährlichen Gewinn (!) erwirtschaften. Ansonsten wäre man blöd. Zum Vergleich: die Umlaufrendite beträgt zur Zeit 1,2% p.a. Und soweit ich mich erinnere gehört Trittin zu dem Kreis von Politikern, die diese entsetzliche “Gier” verurteilen. Und 25% Eigenkapitalrendite ist ja auch Teufelszeug. Laut Trittin bewegen wir uns also in einem Korridor von ungefähr 1,5% jährlicher Rendite für die Unfähigen und 25% für die Gierigen. Wo sind die Kleinsparer, die auf der Suche nach besserer Rendite z.B. Tagesgelder bei isländischen Banken angelegt haben, einzuordnen? Insgesamt geht Trittins Tendenz also zu Mindest- und Maximalrenditen, die von den Politikern bestimmt werden. Nur die Bundesanleihen sollten vermutlich möglichst zinslos sein, oder? Das kennen wir von der LINKEN, die auch einen Korridor zwischen Mindest- und Maximaleinkommen einrichten wollen. Muss ich explizit sagen, dass ich das für beide Fälle anders sehe?

Kommen wir aber zurück zu den 1,5% Vermögensteuer auf die 1 Mio. Euro Privatvermögen. Ich habe oben bereits die Umlaufrendite von z.Zt. 1,2% erwähnt. Bundesanleihen wurden allerdings auch schon mit negativer Rendite gesichtet. Ganz so einfach scheint es also nicht zu sein, jährlich 15.000 Euro mit 1 Mio. sicher zu erwirtschaften. Zusätzlich wird von der Politik die Inflationsrate gern mal “vergessen”. Aktuell liegt sie bei rd. 2,6%. Das bedeutet, dass man – vor Steuern – bei einer Rendite von < 2,6% real Geld verliert. Die 1 Mio. ist also nach einem Jahr, trotz Verzinsung, real weniger wert. Mit der Vermögensteuer muss man also 4,1% jährliche Rendite erwirtschaften, um sein Vermögen von 1 Mio. zumindest zu erhalten. Oh. Moment. Es kommt ja noch eine weitere Steuer hinzu: die Kapitalertragsteuer. Die beträgt z.Zt. 25% (zzgl. Soli), die SPD unter Steinbrück will sie auf 32% erhöhen. Wenn ich mich recht erinnere, wollen die Grünen sie abschaffen und Kapitalerträge (wieder) mit dem “normalen” Steuertarif von z.Zt. bis zu 45% besteuern. Oh. Nochmal Moment: der Höchststeuersatz soll ja auch angehoben werden. Auf mindestens 49%.

Wenn wir das Ganze mal approximativ zusammenfassen, benötigt man nach Steuern dann eine Rendite von > 8%, um sein Vermögen überhaupt halten zu können. Und da kommen wir der teuflischen Gier-Grenze doch schon wieder gefährlich nahe, oder? (Zumindest ist nach aktueller politischer Einschätzung eine Verzinsung von Staatsanleihen von > 6% für EU-Staaten nicht tragbar)

Was wir noch nicht geklärt haben ist, wo diese 1 Mio. Privatvermögen überhaupt herkommt. Selbst wenn sie vom Himmel gefallen ist, müsste man sie ja eigentlich beim Fundbüro abgeben. Also hat man sie entweder erarbeitet, geerbt/geschenkt bekommen, oder im Lotto gewonnen. Je nach Art und Weise des Geldzuflusses kommen wieder unterschiedliche Steuern in Betracht.

Bei einer Erbschaft/Schenkung von 1 Mio. – gern auch mal als “leistungsloses Einkommen” bezeichnet – wird Erbschaftsteuer/Schenkungsteuer fällig. Je nach Verwandtschaftsgrad momentan bis zu 30%. Man muss also knapp 1,5 Mio. erben, um anschliessend 1 Mio. Vermögen zu besitzen. (Erbt man mehr als 6 Mio. Euro, liegt der Steuersatz bei bis zu 50%). Die Grünen wollen aber die Erbschaftsteuer erhöhen, keine Sorge.

Der Lottogewinn/Spielbank ist meines Wissens die einzige Weg, ohne Steuerzahlung an 1 Mio. zu kommen (Raub, Prostitution oder Drogengeschäfte will ich mal nicht berücksichtigen). Gewinnt man 1 Mio. Euro, so hat man auch 1 Mio. Euro Privatvermögen. Ist das eigentlich nicht auch ein “leistungsloses Einkommen” – vergleichbar mit der Erbschaft/Schenkung? Und wenn wir denn beim deutschen Steuerdschungel überhaupt von einem “System” reden wollen: da passt doch die Systematik nicht, oder? Sind hier mitlesende Steueranwälte, die mich aufklären können? Ein Schelm, der Böses dabei denkt, dass der Staat bei Spielbanken und beim Lotto seine Finger gaanz tief drinstecken hat.

Bleibt noch der übliche Weg, an Geld zu kommen: Arbeit. Da Grüne und SPD auch die Einkommensteuersätze erhöhen wollen, können wir davon ausgehen, dass man bis zu 2 Mio. Euro pro Jahr verdienen muss, um 1 Mio. anschliessend übrig zu haben. Und wenn man nichts isst, trinkt, wohnt, atmet – hat man das als Privatvermögen. Um davon die Vermögensteuer zu bezahlen. Es soll ja Leute geben, die für Vorträge so gefragt sind, dass sie diese Summe quasi als Nebeneinkünfte verdienen….

Das alles klingt nach einem super Plan!

N.B.: ich bin weder Steuer- noch Anlageberater. Bitte fällen Sie keine Vermögensentscheidungen aufgrund dieses Blogposts. Bei der Steuergesetzgebung in Deutschland kann niemand eine Haftung übernehmen. Nicht einmal diejenigen, die die Steuergesetze beschliessen. Dazu noch ein Zitat von Trittin:

Welt am Sonntag: Wie viele Unternehmer werden unter Rot-Grün Deutschland verlassen?

Trittin: Die werden alle hierbleiben. Wir werden den Stichtag für die Steuer nämlich rückwirkend festlegen. Es nützt dann nichts, abzuhauen.

Und alle so: yeah!

Triple R – Rendite, Risiko, Rating (#fiblo12)

Nachdem das Projekt #fiblo12 zuletzt ein wenig ins Stocken geriet, möchte ich einen aktuellen Handelsblatt-Artikel zum Anlass nehmen, um den ersten Blogpost zum Zusammenhang von Rendite und Risiko zu schreiben.

Unter der Überschrift “Achtung, Minusgeschäft” berichtet das Handelsblatt über den relativ jungen Markt für Mittelstandsanleihen. Dieser steht, nach Aussage nicht namentlich genannter Banker, kurz vor einem Desaster. Erste Unternehmen aus diesem Segment stehen vor der Insolvenz wegen drohender Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung. Genannt werden vom Handelsblatt Solarwatt und BKN Biostrom. Bereits insolvent ist der Windanlagenbauer Siag.

Aus Sicht (solventer) mittelständischer Unternehmen ist dieser Marktzustand sehr bedauerlich, da eine gute Alternative zur Finanzierung über Bankkredite vermutlich vollständig wegbrechen wird.
Aus Sicht der Käufer dieser Mittelstandsanleihen ist die Entwicklung dramatisch, weil sie erst nach Abschluss des Insolvenzverfahrens eine Zuteilung vom Liquidationserlös erhalten. Und der wird vermutlich nur einen Bruchteil ihrer Investition betragen.

Die Frage, warum Anleger überhaupt in eine solch riskante Assetklasse investieren, wird vom Handelsblatt beantwortet:
Die Anleger lassen sich meist von den hohen Zinscoupons anlocken. Viele Anleihen versprechen einen jährlichen Zins von sieben Prozent und mehr. Das Risiko, dass das Unternehmen die nächsten Jahre möglicherweise nicht überlebt, scheint vielen Anleger nicht bewusst.

Und damit bin ich auch schon bei der Überschrift meines Posts – dem Zusammenhang von Rendite und Risiko.
Eine höhere Rendite geht immer, immer, immer einher mit höherem Risiko.
Wenn man als Vergleichsmaßstab für Anleihen die Umlaufrendite, also die (zur Zeit noch relativ) sichere Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe heranzieht, stellt man eine Differenz von beinahe 6% fest. Die im Artikel genannten 7% der Mittelstandsanleihen versus z.Zt. 1,25% Umlaufrendite.
Fragt sich eigentlich keiner der Anleger vor dem Kauf, woher diese Differenz kommt? Wie schnell kann sich Geschichte eigentlich wiederholen? Gab es da nicht erst vor kurzer Zeit eine Geschichte mit einer isländischen Bank, bei der auch deutsche Anleger wegen ein wenig höherer (Festgeld)Zinsen um ihr Geld gebangt haben?
Kann die finanzielle Grundbildung wirklich so gering und das Gedächtnis so schlecht sein?

Sicherheitshalber wiederhole ich es noch mal:
wenn es innerhalb einer Anlageklasse (z.B. Anleihen) zu größeren Renditedifferenzen kommt, ist davon auszugehen, dass die höhere Rendite mit einem höheren Risiko verbunden ist. Und auch wenn die Informationseffizienz des Kapitalmarktes umstritten ist – dieser Zusammenhang ist unumstritten.
Warum sollte ein Unternehmen bereit sein, mehr Zinsen an seine Investoren zu zahlen, als beispielsweise Deutschland?
Weil Anleger das höhere Risiko in Form einer höheren Rendite abgegolten bekommen wollen – eine Art Risikoprämie (um es nicht zu verkomplizieren lasse ich die Liquiditätstheorien mal aussen vor).

Und wie kann nun ein Anleger das Risiko seines Investments einschätzen?
Einen ersten Hinweis gibt die Rendite. Dies setzt jedoch eine hohe Informationseffizienz des Kapitalmarktes voraus, die umstritten ist.
(Nach der wissenschaftlichen Klassifizierung von Eugene Fama wäre dies die semi-strong-form efficiency)

Hauptsächlich werden jedoch Ratings zur Einschätzung des Risikos herangezogen. Die einzige Aufgabe von Ratingagenturen ist es, eine Aussage zur Ausfallwahrscheinlichkeit eines Investments zu treffen. Sie schätzen also die Bonität eines Schuldners ein und vergeben relativ einheitliche Noten in Form von Buchstaben bzw. Buchstaben-Zahlen-Kombinationen. Und aus dieser Formulierung geht bereits hervor, dass Ratingagenturen das Risiko eben nicht mit vollkommener Sicherheit kennen, sondern nur Wahrscheinlichkeiten über den Ausfall schätzen. Das machen sie mal besser, oft aber auch schlechter. Dies zeigt die jüngste Vergangenheit und wird auch im Handelsblatt-Artikel erwähnt. So lagen die Ratings der nun insolventen Unternehmen bei BB bzw. BBB, was laut Handelsblatt einer Ausfallwahrscheinlichkeit von neun bzw. zwei Prozent entspricht. Diese Ratings wurden nicht von den großen Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch erstellt, sondern von Creditreform und Euler Hermes. Der Grund dafür liegt in den wesentlich kostengünstigeren Ratings dieser kleinen Agenturen. Das emittierende Unternehmen zahlt für die Einschätzung seiner Bonität durch die Agenturen und mittelständische Unternehmen können oder wollen die hohen Ratinggebühren der großen drei nicht bezahlen. Für ein Erstrating können da schonmal 80.000 bis 150.000 Euro fällig werden.

Damit ergibt sich als zweite Erkenntnis, neben höhere Rendite = höheres Risiko, dass auch Ratings keine sichere Aussage über die Bonität eines Schuldners treffen können.

Was bleibt ist meine Hoffnung auf den gesunden Menschenverstand und dass die Gier – auch der Kleinanleger – nicht das Hirn frisst.

Dies soll nun der Auftaktpost der #fiblo12-Reihe sein. An vielen Stellen kann man noch detaillierter die wissenschaftlichen und praktischen Grundlagen beschreiben, ich wollte aber nur die meiner Meinung nach wesentlichen Dinge im Risiko-Rendite-Zusammenhang beschreiben.
Ich freue mich auf Kommentare und weitere Posts bei den anderen Wirtschaftsbloggern.

Finanzkommunikation

Meine hauptsächliche Beratungsleistung – Finanzkommunikation – erfreut sich zunehmender Beachtung. Nachdem ich in diesem Bereich seit einigen Jahren beratend tätig bin und bereits vor über einem Jahr im IHK-Magazin “Wirtschaft Nordhessen” einen entsprechenden Beitrag beisteuern konnte, veröffentlich nun die Financial Times Deutschland ein “Spezial Finanzkommunikation“. In verschiedenen Beiträgen werden Hinweise gegeben, wie Unternehmen die Kommunikation mit ihren Kapitalgebern verbessern können.

Ebenfalls zu diesem Thema fand vor einigen Tagen eine Veranstaltung in Kassel statt, initiiert von der Industrie- und Handelskammer. Auch hier wiesen verschiedene Experten auf die Wichtigkeit des Dialogs zwischen Unternehmen und Kreditgebern hin. Zu Gast waren u.a. der “Kreditmediator Deutschland” Hans-Joachim Metternich, der Geschäftsführer des Instituts für Kredit und Finanzwirtschaft der Ruhr-Universität Bochum, Prof. Stefan Stein und der Vorsitzende des Bundesverbandes der Kreditmediatoren, Rainer Langen.

Man kann nicht oft genug darauf hinweisen, dass eine gute, kontinuierliche Finanzkommunikation den Unternehmen Geld sparen kann. Diese Ersparnis überkompensiert die Kosten, die sich bei einer qualifizierten Beratung ergeben.

Restriktive Kreditvergabe

Während ich mich hier in Grundsatzdiskussionen vertiefe, hat Dirk Elsner vom BlickLog einen schönen, praxisrelevanten Beitrag verfasst.

In “Finanzierung und restriktive Beleihungswerte” berichtet er über das extrem risikoaverse Verhalten der Banken. In seinem Beispiel kritisiert Elsner den Beleihungswert von Sicherheiten i.H.v 40%. In diesem Fall handelt es sich um die Vorfinanzierung marktgängiger Produkte für einen mittelständischen Großhändler.

Aus meiner Sicht macht dieses Beispiel wieder einmal deutlich, vor welchem Dilemma Banken und Bankaufsicht stehen. Einerseits ist eine wesentliche Aufgabe der Banken die Kreditversorgung der Wirtschaft. Andererseits verleihen Banken nicht ihr eigenes Geld, sondern das ihrer Anleger. Dementsprechend muss Vorsorge getroffen werden, damit die Institute kein zu hohes Risiko eingehen.

Um Risiken für den Bankanleger zu verringern schreiben die Baseler Vorschriften eine risikoadjustierte Unterlegung aller Kredite mit Eigenkapital vor. Je höher das Kreditrisiko ist, desto höher ist die Eigenkapitalunterlegungspflicht. Das Eigenkapital erfüllt damit zwei Aufgaben: es induziert eine Selbstbindung der Banken und dient als Risikopuffer.

Ohne an dieser Stelle genauer auf die Einzelheiten einzugehen, muss jeder Kredit mit ca. 8% Eigenkapital unterlegt werden. D.h. für einen Kredit i.H.v. 1.000.000 Euro muss die Bank 80.000 Euro Eigenkapital vorhalten. Durch Sicherheiten lässt sich die Höhe der Eigenkapitalanforderung verringern.

In der letzten Zeit werden die rd. 8% Eigenkapitalunterlegung häufig als zu niedrig betrachtet. Viele Politiker und Wissenschaftler vertreten die Meinung, dass 12% -15% eher angemessen seien. Die wichtigste Frage, die sich der Bankaufsicht in diesem Zusammenhang stellt, ist: was ist die “richtige” Höhe der Eigenkapitalunterlegung?

Es besteht ein trade-off zwischen der Sicherheit für die Bankanleger und der Kreditvergabe an Unternehmen. Je höher die Eigenkapitalanforderungen sind, desto “sicherer” sind die Einlagen der Anleger. Gleichzeitig wird es jedoch teurer und schwieriger für Unternehmen, Kredite zu erhalten.

Vorschläge zur Lösung dieses Problems lese ich gern in den Kommentaren.

Bankengespräche und Finanzierung

Zum Wochenende möchte ich heute einmal explizit auf einen Blogbeitrag von Dirk Elsners BlickLog hinweisen.

Er hat die Folien zu seinem Vortrag über Bankengespräche und Finanzierung zum Download bereitgestellt. Für interessierte Unternehmen und Unternehmer ist diese stichwortartige Zusammenstellung sicher aufschlussreich.

Und hier der Link: Bei den Wirtschaftsjunioren Hamburg: Bankengespräche und Finanzierung

Haftung für Ratings

Auf der Internetseite von Oliver Everling findet sich eine interessante Vorstellung des Buches von Thomas Mühl: “Haftung für fehlerhafte Ratings – Grundlagen, Beweisführung, Prozesstaktik”.

Nach Mühl befindet sich das Rating in einer Grauzone zwischen Tatsachenbehauptung und grundrechtlich geschützter Meinungsäusserung. Die bestehende Unsicherheit aufgrund der zahlreichen Einflussgrößen werde durch die fehlende Normierung der Ratingskalen noch vergrößert.

Die im Zuge der Finanzkrise in Kraft getretenen Gesetze und Verordnungen setzen zwar Verfahrens- und Verhaltensstandards, die Haftungsfrage werde jedoch nicht geregelt.

Interessant ist Mühls Einschätzung, dass Banken für Ihre internen Unternehmensratings nicht haften, sofern sie die Ergebnisse nicht offenlegen. Etwa ein Drittel aller bankinternen Ratings sei fehlerhaft. Meist werde das Risiko zu Ungunsten des Unternehmens als zu hoch eingeschätzt. Daraus ergeben sich zu hohe Zinsbelastungen und Kosten für die Kunden.

Sparkassen und Genossenschaftsbanken mit gefährlicher Strategie?

© handelsblatt.com

Das Handelsblatt berichtet in einem Artikel darüber, dass insbesondere Sparkassen und Genossenschaftsbanken ein gefährliches Spiel zu ihrer Refinanzierung betreiben. Aufgrund der Niedrigzinspolitik der EZB können die Kreditinstitute sehr günstig kurzfristige Einlagen annehmen, die sie dann mit einem Zinsaufschlag als langfristige Kredite weitergeben.

Das Handelsblatt schreibt: “Das Prinzip: Die Banken leihen sich von ihren Kunden per Tages- oder Festgeld kurzfristig Geld, das sie langfristig zu höheren Zinssätzen an Häuslebauer oder Mittelständler verleihen. Diese Strategie wird Fristentransformation genannt. Sie ist der Haupttreiber für die derzeitigen Gewinne der kleinen Institute – und sie funktioniert nur, solange die kurzfristigen Zinsen so viel niedriger wie die langfristigen Zinsen bleiben”. (Liebes Handelsblatt, sollte es nicht heissen: “viel niedriger als die langfristigen Zinsen”?)

Fristentransformation ist keine “Strategie”, sondern eine der Hauptaufgaben von Banken. Dieses Geschäft betreiben insbesondere Sparkassen und Genossenschaftsbanken seit ihrer Gründung. Lediglich Privatbankiers haben anfangs ihr eigenes Geld verliehen. Und nur durch Ausübung ihrer Transformationsaufgaben haben Finanzintermediäre überhaupt eine Existenzberechtigung.

Das vom Handelsblatt beschriebene Geschäft funktioniert nicht nur bei großen Zinsdifferenzen, sondern immer dann, wenn der Sollzins über dem Habenzins (aus Kundensicht) liegt. Es ist allerdings richtig, dass bei größeren Zinsdifferenzen die Marge für die Banken größer ausfällt und damit ggf. der Gewinn.

Die der Fristentransformation immanente Gefahr ist jedoch korrekt beschrieben und man muss nicht weit in die Vergangenheit zurückgehen, um die entsprechende Krise zu finden. In den 1980er Jahren gingen viele Savings & Loan Associations in den USA Pleite, weil sie langfristige Kredite kurzfristig refinanziert hatten und dann die Zinsen stiegen. Die Institute sollten also gewarnt sein.

In der Praxis ist der Ablauf wie folgt: Kreditinstitute nehmen kurzfristige Einlagen ihrer Kunden an und zahlen dafür z.B. 1,5% Zinsen p.a. Aus diesen vielen, betragsmäßig kleinen Anlagen vergeben sie langfristige, große Kredite, die z.B. 3,5% Zinsen für die Bank erwirtschaften (damit ist auch die zweite Transformationsaufgabe der Banken erklärt: Losgrößentransformation bedeutet, dass aus vielen kleinen Einlagen große Kredite vergeben werden). Die Zinsmarge des Instituts liegt in diesem Beispiel (c.p.) bei 2%. Steigen nun die Zinsen, müssen die Banken ihren Kunden einen höheren Zinssatz zahlen, um Gelder zu attrahieren. Gleichzeitig können aber die langfristigen Kreditzinsen nicht nach oben angepasst werden. Im schlimmsten Fall steigen die Zinssätze über die im Beispiel genannten 3,5%, was die Banken in die Verlustzone treibt.

Die am Schluss des Artikels genannten Liquiditätskennziffern und die dahinter stehenden Liquiditätstheorien sind einen eigenen Blogbeitrag wert, der bald folgt.

Mittelstand ringt um bessere Ratings bei Banken

© handelsblatt.com

Gastbeitrag von Michael Multhaupt:

In der Onlineausgabe des Handelsblatt vom 30. April 2010 wird berichtet, dass das Bewertungssystem (internes Rating) der Banken die mittelständischen Unternehmen bei der Kreditvergabe überfordern. In dem Beitrag wird von einem IT-Unternehmer berichtet, der dank seiner Controllerin die Ratingnoten unter Bezugnahme der Bewertungskriterien analysieren konnte und somit eine bessere Ratingnote bei seiner Bank durchsetzte.

Ausschlaggebend ist, dass eine gute Ratingnote – nicht nur für Griechenland – für viele Unternehmen überlebenswichtig ist. Durch das Rating wird seitens der Banken beurteilt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Kunde sowohl den Kredit als auch die Zinsen zurückzahlen kann. Ist die Bonität schlecht, ergeben sich daraus teure Kreditkonditionen. Es ist wichtig festzuhalten, dass in der jetzigen Zeit (Wirtschaftskrise! – Ausmaß unbekannt) die kreditgebenden Institute teilweise allzu hohe Risiken scheuen und die Kreditnehmer noch stärker als in den vergangenen Jahren kontrollieren. Dies gilt sowohl vor als auch nach der Kreditvergabe.

Laut Handelsblatt sind Branchen wie die Automobilbranche, die Maschinenbauer und die metallverarbeitende Industrie besonders betroffen und deren Reserven aufgezehrt. Gemäß einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) wurde festgestellt, dass bei jedem viertem Unternehmen, die Kreditkonditionen schlechter seien als 2009. Etwa 100 000 Firmen (3 %) bekommen aufgrund der schlechten Bewertung kein Geld mehr. Es wird seitens der Banken mehr Sicherheiten und Transparenz verlangt. Festzuhalten bleibt auch, dass nach einer Umfrage des Mannheimer Instituts für Mittelstandsforschung die Bewertungen für 2010 schlechter ausfallen werden, da die Ratings sich auch auf das Krisenjahr 2009 beziehen und die Zahlen des vorangegangenen Jahres einen erheblichen Einfluss haben.

Nach Aussage von Johann Eekhoff, Präsident des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM), sind “[...]die Risiken von Krediten heute eindeutig höher als zuvor“. Untermauert wurde diese Aussage durch Norbert Winkeljohann, der bestätigte, dass viele Banken einen Wertberichtigungsbedarf in ihren eigenen Bilanzen spüren. Daraus folgt, dass in Zukunft weniger Risiken eingegangen werden, wenn die Banken einerseits Wertberichtungen vornehmen müssen und andererseits die Unternehmen ihr Eigenkapital aufgezehrt haben. Somit muss in Zukunft die Kreditwürdigkeit stärker als in der Vergangenheit bewiesen werden.

Weiterführend stellt der Bericht dar, dass von vielen Unternehmen die Bedeutung von Ratings noch nicht erkannt wurde und viele Unternehmen die Ratings nicht durchschauen und ihre Bewertung noch nicht einmal kennen. In dem vorangegangen Blogbeitrag “Externes Rating für bessere Kreditkonditionen” wurde auf die wichtigsten Kriterien quantitativer und qualitativer Art hingewiesen. Zu beachten ist auch, dass die quantitativen Faktoren eine stärke Gewichtung haben als die qualitativen Gegebenheiten. Die ist vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen zu beachten. Die wichtigsten Kriterien beim Rating sind die Liquidität bzw. der Cash-Flow, da Liquiditätsprobleme meist zu einer Insolvenz führen.

Es bleibt festzuhalten, dass es wichtig ist, gegenüber den Banken mit offenen Karten zu spielen und die Probleme nicht zu verstecken, sondern diese gegenüber den Banken offen zu kommunizieren, da diese zeitverschoben unter Umständen dann doch sichtbar werden und es dann zu spät sein kann.

Externes Rating für bessere Kreditkonditionen – Rewe unterzieht sich Rating

Gastbeitrag von Michael Multhaupt

© www.standardandpoors.comIn einem Beitrag der Financial Times Deutschland wird berichtet, dass das Handelsunternehmen Rewe im März 2010 erstmals von der Ratingagentur Standard & Poor’s bewertet wurde. Die Initiative für dieses externe Rating ging von Rewe aus. Der Handelskonzern will damit erreichen, dass eine Refinanzierung zu besseren Konditionen stattfindet.

Nicht nur Rewe unterzieht sich neuerdings einer externen Bonitätsbeurteilung um bessere Kreditkonditionen zu bekommen, sondern jedes kapitalmarktorientierte Unternehmen muss sich Ratings unterziehen. Die Kapitalmarktteilnehmer erhalten durch das Rating eine Aussage zur Ausfallwahrscheinlichkeit der Schuldner.

Mittelständische Unternehmen benötigen zwar keine Ratingagenturen um sich Liquidität zu beschaffen, da diese meist nicht kapitalmarktorientiert sind, aber bei anstehenden Kreditverhandlungen werden die Unternehmen aufgrund ihrer Unternehmensdaten von den Banken bewertet und somit einem bankinternen Rating unterzogen.

Aufgrund der erwarteten steigenden Insolvenzen in diesem Jahr und der immer noch existierenden Gefahr einer „Kreditklemme“ kann man davon ausgehen, dass die Kreditinstitute sehr vorsichtig sein werden, demnächst Kreditentscheidungen allzu schnell zu treffen. Zu beobachten ist, dass die Informationsanforderungen der kreditgebenden Banken an die mittelständischen Unternehmen vom Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise vielfach gestiegen sind.

Mittelständische Unternehmen sollten sich darüber bewusst sein, dass heutzutage für Kreditentscheidungen gilt:

„Bessere Informationen für die Bank führen zu besseren Kreditkonditionen für das Unternehmen!“

Des Weiteren ist zu beobachten, dass sich Unternehmen nicht bewusst sind, wie ein Rating (Bewertung des Unternehmens) auf die Kreditvergabe wirkt. Nachfolgend informiert buschmeier-consulting in Grundzügen über das Rating und der damit verbundenen Anforderungen, die ein Unternehmen vor Kreditvergabe zu berücksichtigen hat, damit bessere Kreditkonditionen verwirklicht werden können.

Definition:
Das Rating ist eine Bewertungsmethode, mit der die Bonität (Kreditwürdigkeit) eines Schuldners bewertet wird und ist die Voraussetzung für die Kreditgewährung seitens der Banken. Das ist in Basel II und den Mindestanforderungen an das Risikomanagement der Kreditinstitute (MaRisk) vorgeschrieben. Von den Banken (Hausbank) wird die Bonität meist durch eigene Methoden bewertet. Diese Methode nennt man bankinternes Rating. Das interne Bankrating versucht durch Erfahrungswerte (Vergangenheit) und durch mögliche Zukunftsprognosen die Ausfallwahrscheinlichkeit des beantragten Kredites zu ermitteln.

Wenn die Ausfallwahrscheinlichkeit für die Bank sehr gering ist, wirkt sich dies grundsätzlich positiv auf die Kreditkonditionen  und somit auf die Liquidität  des Unternehmens aus. Indirekt kann sich dies durch den geringeren Zinsaufwand auf die Stärkung des Eigenkapitals auswirken. Ist die Ausfallwahrscheinlichkeit hoch, so muss das Unternehmen mit hohen Kreditkosten kalkulieren bzw. mit der Ablehnung des Kreditantrages rechnen.

Um ein Unternehmen zu bewerten, bedient sich das kreditgebende Institut folgender Bewertungskriterien:

Quantitative Faktoren:
Bei der quantitativen Bewertung werden die wirtschaftlichen Verhältnisse des Unternehmens beurteilt. Hierbei gelten als Kriterien die harten Faktoren. Diese können hierbei die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage, die Bilanzentwicklung der letzten Jahre sowie Bilanzkennzahlen (Eigenkapital- und Fremdkapitalquote sowie Liquiditätskennzahlen) sein.

Praxistipp:
Für anstehende Kreditgespräche in diesem Jahr ist es wichtig, dass Jahresabschlüsse von 2009 vorgelegt werden. Betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWA´s) reichen unter Umständen nicht aus, da diese von mittelständischen Unternehmen teilweise nicht aussagefähig sind und für eine Kreditentscheidung nicht ausreichend sein könnten. Desweiteren gibt es zwischen den BWA`s und dem festgestellten Jahresabschluss Informationsdefizite, da Spielräume in der Bewertung von beispielsweise Kundenforderungen, Waren im Umlaufvermögen, halbfertige und fertige Arbeiten sowie Abschreibungen (pro rata temporis) und Rückstellungen nicht oder nur teilweise berücksichtigt werden

Qualitative Faktoren:
Bei den qualitativen Faktoren werden Kriterien bewertet, die schwer zu „fassen“ sind, aber dennoch eine Auswirkung auf das Rating haben können. Grundsätzlich werden hierbei die  weichen Faktoren wie die Unternehmensführung und Nachfolgeplanung, die Organisations- und Prozessstrukturen, die Qualifikation der Mitarbeiter, sowie das Controlling und Risikomanagement berücksichtigt. Die Außenwirkung zu Geschäftspartnern, Banken und Kunden sind nicht zu unterschätzen und werden als allgemeine Erfahrungs- und Umweltfaktoren mit in das Rating einbezogen.

buschmeier-consulting hat sich zur Aufgabe gemacht Unternehmen in finanzwirtschaftlichen- und bankrechtlichen Fragen zu beraten und somit auf das Bankrating vorzubereiten.

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