Ist der Begriff “Bad Bank” eigentlich eine Tautologie?

Um Missverständnisse zu vermeiden: der Titel stellt eine offene Frage dar.

Und zur Vereinfachung der Suche:

Tautologie (Wikipedia)

Bad Bank (Wikipedia)

Deutsche Banker, sprecht deutsch?

Gerhard Polt, © imdb.com

Gerhard Polt, © imdb.com

Und weiter mit der samstäglichen Presseschau:
in der WirtschaftsWoche 04/2009 schreibt Dr. Ramthun in „Berlin intern“ (S. 9), eine wichtige Lehre aus der Finanzkrise sei, dass zu viel Englisch fatal sei. Die Finanzpakete seien „stets in englischer Fachsprache beschrieben, eng bedruckt auf Hunderte Seiten. Kein Wunder, dass kaum ein Aufsichtsrat einer Sparkasse oder Landesbank diese Beipackzettel je durchgelesen, geschweige denn verstanden hat.“

WIE BITTE?

Bei allem Verständnis und aller Sympathie für die Forderung nach deutschsprachigen „Beipackzetteln“, diese Aussage disqualifiziert den gesamten o.g. Personenkreis von ihrem Job.

Schon die ehemalige KfW-Vorstandssprecherin (und davor finanzpolitische Sprecherin der SPD) Ingrid Matthäus-Maier entschuldigte das Kontrollversagen bei Derivaten damit, dass der Vertrag mehr als 400 Seiten umfasste und auf Englisch war.

Nochmal: wie bitte?

Wenn der Vorstand einer international ausgerichteten Bank, die zu den größten europäischen Anleiheemittenten zählt, englisch verfasste Verträge nicht liest oder nicht versteht, ist das schon extrem bedenklich. Werden diese Verträge dann trotzdem unterzeichnet, ist das unfassbar.

Das Hauptproblem ist also nicht, ob deutsch oder englisch gesprochen wird, sondern dass Personen mit Aufgaben betraut werden, denen sie offensichtlich nicht gewachsen sind.

N.B.: dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass es sich bei Sparkassen, Landesbanken und der KfW um staatliche Institute handelt…..

The best is yet to come

Heute berichtet Spiegel-Online darüber, dass die Bilanzen der “führenden deutschen Finanzkonzerne” noch mit “faulen Wertpapieren” i.H.v. bis zu EUR 300 Mrd. belastet sind.
(
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,601800,00.html
)

Laut einer Umfrage von BaFin und Bundesbank sind davon lediglich 25% abgeschrieben. Und das Finanzministerium schätzt die Gesamtsumme aller Risikopapiere des deutschen Bankensektors auf bis zu eine Billion Euro.

Aufgrund der schieren Größenordnung kommt man selbst als (auch weiterhin) überzeugter Marktwirtschaftler ins Grübeln. Zusätzlich erlebt Keynes gerade wieder einmal eine Renaissance, was den Neoklassiker irritiert.

Da die Konjunkturpakete weitestgehend beschlossen sind, erhält Deutschland automatisch in der nahen Zukunft die empirischen Daten über Erfolg oder Misserfolg dieser staatlichen Konjunktursteuerung. In der heutigen Situation kann man nur hoffen, dass sie sich nicht als Strohfeuer erweist und über die ihr immanente Wettbewerbsverzerrung weiteren Schaden anrichtet.

Die Frage der Wirtschaftsordnung, die eigentlich spätestens nach 1989 empirisch entschieden war, wird in der Öffentlichkeit nun wieder diskutiert.
Dennoch ist eine staatliche (Kredit-)Wirtschaft keine tragfähige Lösung – trotz der finanziellen Größenordnung des Missmanagements. Vielmehr stellt sich die Frage, wie kompetent die Aufseher ihre durchaus vorhandenen Möglichkeiten zur Kontrolle genutzt haben. Werden die gleichen Institutionen qua Leitungsfunktion automatisch bessere Manager?

Sicherlich müssen die Regeln auf den internationalen Finanzmärkten überprüft werden. Dazu zählt insbesondere die Arbeit der Ratingagenturen und die Haftungsfrage hinsichtlich ihrer Bonitätsurteile. Auch die Frage des Entlohnungssystems im Bankbereich und der Einfluss des Risikomanagements innerhalb der Institute muss geklärt werden. Und die Frage nach der Wirksamkeit von Eigenkapitalvorschriften, die Anreizstrukturen, die daraus entstehen, ob der VaR-Ansatz ein gutes Risikomaß ergibt, und und und.

Diese Fragen wurden in der Wissenschaft zum Teil bereits gestellt und beantwortet. Auch die Historie zeigt, dass sich gewisse Verhaltensmuster wiederholen. Neben der Weltwirtschaftskrise ist hier die Krise der Savings- & Loan Associations in den 80er Jahren in den USA zu nennen. Völlig überrascht von den negativen externen Effekten dürften zumindest die Experten also nicht sein.

Staatliche Kreditwirtschaft?

Nachdem ich bereits über Twitter den VEB Commerzbank und vermutlich bald den VEB Hypo Real Estate erwähnt habe, folgt hier noch ein kurzer Blogeintrag zu diesem Thema.

Vorab ein kurzes Selbstzitat vom 04.01.2009: “Es bleibt zu hoffen, dass die Finanzkrise nicht dazu führt, dass aus der Kreditwirtschaft eine Staatswirtschaft gemacht wird.”

Soviel dazu.

Während sich gerade im letzten Quartal 2008 langsam die Erkenntnis durchgesetzt hatte, dass ein bis drei Landesbanken völlig ausreichend sind, steigt die Bundesregierung jetzt ganz groß in das Bankgeschäft ein. Bei der Commerzbank mit 25%+1 und damit der Sperrminorität, bei der Hypo Real Estate werden es wohl aufgrund des hohen Finanzbedarfs über 50% werden. Bei der Deutschen Bank/Post/Postbank (?) ist der Staat mittelbar auch beteiligt und die “Deutsche Bank” wird vielleicht wirklich zu einer deutschen Bank.

Als Zielsetzung – zunächst für die Commerzbank – wurde von Regierungsseite bereits eine erleichterte Kreditvergabe postuliert.
Es gibt Stimmen, die eine zu laxe Kreditvergabe (in Amerika) als einen Auslöser der aktuellen Finanzkrise nennen. Für die Bundesrepublik gilt eine solche Korrelation sicherlich nicht.
Ausserdem unterliegen die Institute nun der kompetenten Überwachung durch die Politik. Wie z.B. auch die SachsenLB, KfW und IKB.

Ombudsmann für S&P

Gerade in den breaking news: die Ratingagentur Standard & Poor’s hat einen Ombudsmann eingestellt.

http://www.handelsblatt.com/finanzen/breakingviews/wachhund-mit-biss-gesucht;2122292

Sinnvoll oder reine PR?

Und er lebt doch noch

Nachdem das Handelsblatt gestern die Nutzung des Anleihemarktes seitens der Banken bereits abgeschrieben hatte, berichtet die gleiche Quelle heute davon, dass die ersten Kreditinstitute Bondemissionen platzieren. Zum Teil ohne staatliche Garantie.

http://www.handelsblatt.com/finanzen/anleihen/kreditmaerkte-das-comeback-der-banken;2122145

Der Bund hatte jedoch mit Nachfrageproblemen bei der ersten Auktion dieses Jahres zu kämpfen.

http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=newsarchive&sid=ahKgmYUHo5hE

Zurück zur Finanzintermediation?

Heute hat das Handelsblatt den in meinem Post (
http://buschmeier.wordpress.com/2009/01/04/re-in-den-fangen-des-monsters/
) erwähnten Fragenkatalog der Printausgabe teilweise online gestellt (
http://www.handelsblatt.com/homepage/teil_4/
).

Dabei wird auch die Frage nach den Geschäftsmodellen der Banken gestellt und beantwortet. Neben der Tatsache, dass aufgrund der Finanzkrise der ABS-Markt zusammengebrochen ist, schreibt das Handelsblatt:
“Auch über die richtige Form der Finanzierung wird gestritten. „In“ ist es, sich zumindest zum Teil über Spareinlagen zu finanzieren. Als „out“ gelten Geschäftsmodelle, bei denen sich Banken ganz auf den Kapitalmarkt verlassen.”

Aus Sicht der Banken war es sicherlich immer “in”, die Refinanzierung über Spareinlagen zu erhalten. Hier ließen sich enorme Zinsmargen realisieren. Durch den gestiegenen Informationsgrad der Anleger konnten die Banken in den letzten Jahren Sparbücher nur sehr schwer verkaufen. Wenn es ihnen doch gelang, wurde ihnen von verschiedensten Kritikern vorgeworfen, den Kunden zu niedrige Zinsen zu zahlen und gleichzeitig hohe Zinsen am Kapitalmarkt zu realisieren.

Wie sich die Zeiten ändern!

Aus theoretischer Sicht ist besonders der “out”-Punkt interessant. Kommt es tatsächlich zu einer (Rück-)Entwicklung hin zur Vertiefung der Finanzintermediation? Sorgt die Finanzkrise für einen “Rückschritt”, nachdem die letzten Jahrzehnte durch Disintermediation und Verbriefung geprägt waren? Übersteigen die Nachteile der direkten Begegnung von Kreditnehmer und Kreditgeber auf dem hoch entwickelten Kapitalmarkt tatsächlich die Vorteile?

Spannend ist in diesem Zusammenhang auch die Frage, was eine solche Entwicklung für die Eigenkapitalanforderungen der Kreditinstitute bedeutet.

Die momentane Situation macht es für Banken unmöglich, ihre Aktiva am Kapitalmarkt zu platzieren und damit ihr Eigenkapital zu entlasten. Gleichzeitig können sich Unternehmen nur schwer und zu hohen Zinssätzen über den Kapitalmarkt finanzieren, sie sind also auf Bankkredite zu einer Anschlussfinanzierung angewiesen. Diese Kredite müssen mit (nicht vorhandenem) Eigenkapital unterlegt werden. Und es gibt Bestrebungen, die Eigenkapitalunterlegung der Kredite von derzeit ca. 8% auf bis zu 20% zu erhöhen.

Wenn man diese Tendenzen zusammenfasst, steht der Wirtschaft tatsächlich das Schlimmste noch bevor.

Ist es in einer solchen Situation nicht effizienter, geeignete Regelungen zu finden, um die Marktmechanismen zu verbessern? In erster Linie zählt dazu eine valide Einschätzung der Bonität von Kreditnehmern. Also Ratings, denen die Marktteilnehmer (wieder) vertrauen können.

Oder um es mit der Deutschen Bank zu sagen: “Vertrauen ist der Anfang von allem”.

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