Zurück zur Finanzintermediation?

Heute hat das Handelsblatt den in meinem Post (https://buschmeier.wordpress.com/2009/01/04/re-in-den-fangen-des-monsters/) erwähnten Fragenkatalog der Printausgabe teilweise online gestellt (http://www.handelsblatt.com/homepage/teil_4/).

Dabei wird auch die Frage nach den Geschäftsmodellen der Banken gestellt und beantwortet. Neben der Tatsache, dass aufgrund der Finanzkrise der ABS-Markt zusammengebrochen ist, schreibt das Handelsblatt:
„Auch über die richtige Form der Finanzierung wird gestritten. „In“ ist es, sich zumindest zum Teil über Spareinlagen zu finanzieren. Als „out“ gelten Geschäftsmodelle, bei denen sich Banken ganz auf den Kapitalmarkt verlassen.“

Aus Sicht der Banken war es sicherlich immer „in“, die Refinanzierung über Spareinlagen zu erhalten. Hier ließen sich enorme Zinsmargen realisieren. Durch den gestiegenen Informationsgrad der Anleger konnten die Banken in den letzten Jahren Sparbücher nur sehr schwer verkaufen. Wenn es ihnen doch gelang, wurde ihnen von verschiedensten Kritikern vorgeworfen, den Kunden zu niedrige Zinsen zu zahlen und gleichzeitig hohe Zinsen am Kapitalmarkt zu realisieren.

Wie sich die Zeiten ändern!

Aus theoretischer Sicht ist besonders der „out“-Punkt interessant. Kommt es tatsächlich zu einer (Rück-)Entwicklung hin zur Vertiefung der Finanzintermediation? Sorgt die Finanzkrise für einen „Rückschritt“, nachdem die letzten Jahrzehnte durch Disintermediation und Verbriefung geprägt waren? Übersteigen die Nachteile der direkten Begegnung von Kreditnehmer und Kreditgeber auf dem hoch entwickelten Kapitalmarkt tatsächlich die Vorteile?

Spannend ist in diesem Zusammenhang auch die Frage, was eine solche Entwicklung für die Eigenkapitalanforderungen der Kreditinstitute bedeutet.

Die momentane Situation macht es für Banken unmöglich, ihre Aktiva am Kapitalmarkt zu platzieren und damit ihr Eigenkapital zu entlasten. Gleichzeitig können sich Unternehmen nur schwer und zu hohen Zinssätzen über den Kapitalmarkt finanzieren, sie sind also auf Bankkredite zu einer Anschlussfinanzierung angewiesen. Diese Kredite müssen mit (nicht vorhandenem) Eigenkapital unterlegt werden. Und es gibt Bestrebungen, die Eigenkapitalunterlegung der Kredite von derzeit ca. 8% auf bis zu 20% zu erhöhen.

Wenn man diese Tendenzen zusammenfasst, steht der Wirtschaft tatsächlich das Schlimmste noch bevor.

Ist es in einer solchen Situation nicht effizienter, geeignete Regelungen zu finden, um die Marktmechanismen zu verbessern? In erster Linie zählt dazu eine valide Einschätzung der Bonität von Kreditnehmern. Also Ratings, denen die Marktteilnehmer (wieder) vertrauen können.

Oder um es mit der Deutschen Bank zu sagen: „Vertrauen ist der Anfang von allem“.

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