Deutsche Banker, sprecht deutsch?

Gerhard Polt, © imdb.com
Gerhard Polt, © imdb.com

Und weiter mit der samstäglichen Presseschau:
in der WirtschaftsWoche 04/2009 schreibt Dr. Ramthun in „Berlin intern“ (S. 9), eine wichtige Lehre aus der Finanzkrise sei, dass zu viel Englisch fatal sei. Die Finanzpakete seien „stets in englischer Fachsprache beschrieben, eng bedruckt auf Hunderte Seiten. Kein Wunder, dass kaum ein Aufsichtsrat einer Sparkasse oder Landesbank diese Beipackzettel je durchgelesen, geschweige denn verstanden hat.“

WIE BITTE?

Bei allem Verständnis und aller Sympathie für die Forderung nach deutschsprachigen „Beipackzetteln“, diese Aussage disqualifiziert den gesamten o.g. Personenkreis von ihrem Job.

Schon die ehemalige KfW-Vorstandssprecherin (und davor finanzpolitische Sprecherin der SPD) Ingrid Matthäus-Maier entschuldigte das Kontrollversagen bei Derivaten damit, dass der Vertrag mehr als 400 Seiten umfasste und auf Englisch war.

Nochmal: wie bitte?

Wenn der Vorstand einer international ausgerichteten Bank, die zu den größten europäischen Anleiheemittenten zählt, englisch verfasste Verträge nicht liest oder nicht versteht, ist das schon extrem bedenklich. Werden diese Verträge dann trotzdem unterzeichnet, ist das unfassbar.

Das Hauptproblem ist also nicht, ob deutsch oder englisch gesprochen wird, sondern dass Personen mit Aufgaben betraut werden, denen sie offensichtlich nicht gewachsen sind.

N.B.: dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass es sich bei Sparkassen, Landesbanken und der KfW um staatliche Institute handelt…..

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2 Gedanken zu “Deutsche Banker, sprecht deutsch?

  1. hihi

    Klar, man kann alles auf deutsch übersetzen. Wäre der Vertrag auf deutsch gewesen, hätte die KfW sich beschwert, dass da soviele deutsche Fachbegriffe drin stehen.

  2. Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es glatt witzig. Da werden Millionen verschoben, aber ein paar Euro für einen Englischkurs oder notfalls einen Übersetzer sind nicht da. Das Probier ich das nächste Mal wenn ich aus dem Vertrag mit der Telekom raus will – die AGB hatte mehr als eine halbe Seite, das überfordert mich … :)

    Gerhard Zirkel

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