The best is yet to come

Heute berichtet Spiegel-Online darüber, dass die Bilanzen der „führenden deutschen Finanzkonzerne“ noch mit „faulen Wertpapieren“ i.H.v. bis zu EUR 300 Mrd. belastet sind.
(http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,601800,00.html)

Laut einer Umfrage von BaFin und Bundesbank sind davon lediglich 25% abgeschrieben. Und das Finanzministerium schätzt die Gesamtsumme aller Risikopapiere des deutschen Bankensektors auf bis zu eine Billion Euro.

Aufgrund der schieren Größenordnung kommt man selbst als (auch weiterhin) überzeugter Marktwirtschaftler ins Grübeln. Zusätzlich erlebt Keynes gerade wieder einmal eine Renaissance, was den Neoklassiker irritiert.

Da die Konjunkturpakete weitestgehend beschlossen sind, erhält Deutschland automatisch in der nahen Zukunft die empirischen Daten über Erfolg oder Misserfolg dieser staatlichen Konjunktursteuerung. In der heutigen Situation kann man nur hoffen, dass sie sich nicht als Strohfeuer erweist und über die ihr immanente Wettbewerbsverzerrung weiteren Schaden anrichtet.

Die Frage der Wirtschaftsordnung, die eigentlich spätestens nach 1989 empirisch entschieden war, wird in der Öffentlichkeit nun wieder diskutiert.
Dennoch ist eine staatliche (Kredit-)Wirtschaft keine tragfähige Lösung – trotz der finanziellen Größenordnung des Missmanagements. Vielmehr stellt sich die Frage, wie kompetent die Aufseher ihre durchaus vorhandenen Möglichkeiten zur Kontrolle genutzt haben. Werden die gleichen Institutionen qua Leitungsfunktion automatisch bessere Manager?

Sicherlich müssen die Regeln auf den internationalen Finanzmärkten überprüft werden. Dazu zählt insbesondere die Arbeit der Ratingagenturen und die Haftungsfrage hinsichtlich ihrer Bonitätsurteile. Auch die Frage des Entlohnungssystems im Bankbereich und der Einfluss des Risikomanagements innerhalb der Institute muss geklärt werden. Und die Frage nach der Wirksamkeit von Eigenkapitalvorschriften, die Anreizstrukturen, die daraus entstehen, ob der VaR-Ansatz ein gutes Risikomaß ergibt, und und und.

Diese Fragen wurden in der Wissenschaft zum Teil bereits gestellt und beantwortet. Auch die Historie zeigt, dass sich gewisse Verhaltensmuster wiederholen. Neben der Weltwirtschaftskrise ist hier die Krise der Savings- & Loan Associations in den 80er Jahren in den USA zu nennen. Völlig überrascht von den negativen externen Effekten dürften zumindest die Experten also nicht sein.

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