Geplante Neufassung der MaRisk

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Im Februar 2009 hat die BaFin einen Entwurf zur Neufassung der MaRisk veröffentlicht und die Verbände um eine Stellungnahme bis zum 23.03. gebeten.

In dieser Neufassung wird die ausschliessliche Verwendung externer Quellen im Rahmen der Kreditentscheidung ersatzlos gestrichen. In BTO 1.2 soll mit einer neuen Tz. 4 folgende Vorschrift eingefügt werden: „Die Verwendung externer Bonitätseinschätzungen enthebt das Institut nicht von seiner Verpflichtung, sich ein eigenes Urteil über das Adressenausfallrisiko zu bilden.“

Auf den ersten Blick scheint dies selbstverständlich, es konterkariert jedoch den Standardansatz (KSA) nach Basel II. Dieser bestimmt die Höhe der Eigenkapitalunterlegung für jeden einzelnen Kredit in Abhängigkeit des externen Ratings des jeweiligen Kreditnehmers. Ursprünglich sollte der Standardansatz die einzige Möglichkeit zur Bestimmung der Eigenkapitalunterlegung sein. Nach verschiedenen Interventionen wurde als Alternative die Möglichkeit bankinterner Ratings zur Bestimmung der Eigenkapitalunterlegung eingefügt (IRBA).

Das Vertrauen in die Urteile der externen Ratingagenturen ist nicht erst seit Ausbruch der Finanzkrise getrübt. Bereits seit Jahren gab es gravierende Fehleinschätzungen auf Seiten der Agenturen. Diese geplante Neufassung der MaRisk entzieht den externen Ratings nun endgültig das Vertrauen im Hinblick auf die Kreditvergabeentscheidung der Banken.

Auch dies mag prima facie gerechtfertigt sein. Doch insbesondere zwei Fragen wirft dieses Vorgehen auf:

1. Wie wird zukünftig die Eigenkapitalunterlegung geregelt? Entweder wird der KSA obsolet, oder die Banken haben ein Wahlrecht, ob sie ihr internes Rating oder ein ggf. vorhandenes externes Rating als Grundlage zur Berechnung der Eigenkapitalunterlegung heranziehen. (In der Neufassung der MaRisk wird nicht explizit der IRBA genannt, die geplante Änderung führt jedoch zwangsläufig zu einem von der BaFin anerkannten internem Rating. Sonst ergibt diese Änderung keinen Sinn. Wie sonst soll eine gute Qualität der kreditinstitutseigenen Bonitätseinschätzung gewährleistet werden?). Im Ergebnis werden die Kreditinstitute natürlich das Ratingergebnis zur Eigenkapitalunterlegung wählen, welches die geringere Eigenkapitalanforderung bedingt. Das kann von der Aufsichtsbehörde nicht gewollt sein.

2. Was bedeutet diese implizite (negative) Einschätzung der Qualität von externen Ratings durch die Aufsichtsbehörde für die Kapitalmärkte? Investoren, die Unternehmensanleihen kaufen, haben i.d.R. nicht die Möglichkeit, den Emittenten einer ausführlichen Bonitätseinschätzung zu unterziehen. Alle Investoren sind also weiterhin abhängig von dem Urteil der Ratingagenturen. Für eine Kreditvergabeentscheidung der Banken scheint dieses Urteil jedoch nicht auszureichen. Kann es dann für die Kapitalmarktteilnehmer ausreichen?

Diese zwei Punkte sprechen, neben verschiedenen anderen Argumenten, vielmehr dafür, die Qualität und Glaubwürdigkeit externer Ratings zu verbessern. Und dies kann lediglich über mehr Wettbewerb und eine höhere Transparenz auf dem Ratingmarkt erreicht werden. Dazu existieren bereits verschiedene Ansätze, u.a. das „Modell zur Förderung des Wettbewerbs und der Transparenz auf dem Ratingmarkt […]“ vom Autor dieses Blogs.

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2 Gedanken zu “Geplante Neufassung der MaRisk

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