Das Milliardenspiel

Das ZDF hat am 21.07.2009 die Frontal21 Dokumentation „Das Milliardenspiel“ gezeigt. In dem sehenswerten Beitrag werden die Ursachen der Finanzkrise hergeleitet. Er ist in der ZDF-Mediathek zu finden (ca. 45min).

Dem Format angepasst ist er sehr populärwissenschaftlich und stellt implizit Korrelationen her, die einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht standhalten. Dennoch bildet er eine gute Ergänzung zu den an dieser Stelle bereits erwähnten amerikanischen Beiträgen, die die Finanzkrise erläutern.

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Klage gegen Ratingagenturen

© Kladu bei www.pixelio.de
© Kladu bei http://www.pixelio.de

Das dürfte sehr interessant werden: die FTD berichtet, dass Calpers die drei großen Ratingagenturen verklagt.

Wegen zu positiver Bewertungen komplexer Finanzprodukte hat der größte US-Pensionsfonds S&P, Moody’s und Fitch verklagt. Calpers (California Public Employees‘ Retirement System) verwaltet ein Vermögen i.H.v. USD 173 Mrd. von mehr als 1,6 Mio. Kunden.

Der Vorwurf des Pensionsfonds: konzeptionell sei die Methodologie der Agenturen fehlerhaft und die Anwendung sei inkompetent.

Der Ausgang dieser Klage ist hochinteressant, da sich die Ratingagenturen bislang immer darauf berufen konnten, dass ihre Beurteilungen lediglich reine Meinungsäußerungen seien.

Für Deutschland ist der Prozess von Interesse, da es äußerst unwahrscheinlich ist, dass die Ratingmethodologie und deren Anwendung wesentlich von der US-amerikanischen Vorgehensweise abweicht.

Aufgrund der Basel II-Vorschriften wurden diese drei Agenturen in Deutschland von der BaFin überprüft und zur Eigenkapitalunterlegung zugelassen. Die umfangreichen Vorschriften zur Anerkennung externer Ratingagenturen finden sich in der Solvabilitätsverordnung (SolvV).

Aufgrund dieser offiziellen Einsetzung der Agenturen zu Regulierungszwecken besteht möglicherweise ein Haftungsrisiko für die BaFin und damit für die Bundesrepublik Deutschland. Schliesslich sollte ein Anleger davon ausgehen können, dass nach Prüfung und Zulassung durch die Aufsichtsbehörden die Methodologie und deren Anwendung durch die Ratingagenturen zu korrekten Ergebnissen führt!

Hätte ich als Fondsmanager in Deutschland einen Verlust in Milliardenhöhe zu verantworten, würde ich neben den Agenturen auch die Aufsichtsbehörden verklagen.

Politischer Kreditzwang

© Foto: ap (via handelsblatt.com)
© Foto: ap (via handelsblatt.com)

Das Handelsblatt erläutert in seiner heutigen Online-Ausgabe die möglichen – allerdings begrenzten – Maßnahmen der Regierung, um Banken zur Kreditvergabe zu zwingen. Union und SPD befürchten einen Anstieg der Firmenpleiten und damit höhere Arbeitslosenzahlen im Herbst. Und da ist bekanntlich Wahl.

Banken sollten zur Erholung der Wirtschaft beitragen, in dem sie nicht zu risikoscheu bei der Kreditvergabe sind. Gleichzeitig will Peer Steinbrück die Eigenkapitalvorschriften für Banken (Basel II) reformieren, d.h. lockern.

Anders formuliert: die Politik befürchtet Firmenpleiten, will aber gleichzeitig die Banken zu einer riskanteren Kreditvergabe zwingen und die Bindungswirkung des Eigenkapitals aufweichen.

In einem worst-case Szenario führt das dann dazu, dass zunächst (bis zur Wahl?) die Firmenpleiten hoffentlich ausbleiben. Danach fallen die erzwungenen Kredite aus, die mit weniger Eigenkapital unterlegt werden mussten. Dies ist dann zwar erstmal das Problem der kreditgebenden Bank, aufgrund der durch die Finanzkrise angespannten Eigenkapitalsituation der Banken kann dies aber sehr schnell wieder das Problem der Steuerzahler werden. Die drohende Erhöhung der Arbeitslosigkeit, deren Kosten den Kreditausfällen gegenübergestellt werden müssten, wurde nur temporär verhindert – bis nach der Wahl. Anschließend zahlt der Steuerzahler für die Arbeitslosigkeit und die Kreditausfälle.

Kein wirklich gutes Geschäft.

Weiterhin schreibt das Handelsblatt, dass Wissenschaftler seit langem dafür eintreten, dass sich Banken Eigenkapital beschaffen.

Das ist prinzipiell richtig, jedoch in Zeiten der Finanzkrise schwierig und teuer – unter Marktbedingungen.

Laut dem Vorsitzenden des wissenschaftlichen Beirats des Finanzministeriums, Clemens Fuest (SPD), hätte der Staat die Banken per Staatsbeteiligung dazu zwingen müssen.

Am Ende wird es vermutlich darauf hinauslaufen, dass der Steuerzahler belastet wird. Sei es durch steigende Arbeitslosigkeit und/oder die Kreditausfälle privater oder zwangsverstaatlichter Banken.

Freerisk

Ein sehr spannendes Projekt – Freerisk. (gefunden bei @computerwoche)

„Freerisk is a project with the goal of making freely available the data, algorithms and tools necessary to perform risk modeling. We believe that risk management is too important to society to be an arcane subject or competitive advantage.“

Rating mittels Crowdsourcing – dazu ein interessantes Video:

Bundesbank fordert geringeren Einfluss der Ratingagenturen

© www.bundesbank.de
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Die FAZ berichtet heute, dass die Bundesbank auf einer Tagung zur Bankenaufsicht einen geringeren Einfluss der externen Ratingagenturen auf die Kapitalanforderungen fordert. Insbesondere für Verbriefungen und strukturierte Produkte sollte den großen amerikanischen Agenturen keine bevorzugte Stellung mehr eingeräumt werden. Obwohl die Kreditinstitute die Wertpapiere auch mit eigenen Verfahren bewerten, müssen sie zur Ermittlung der aufsichtlichen Risikogewichtung externe Ratings verwenden.

Aufgrund des fehlenden Vertrauens in die Beurteilungen der externen Agenturen wird vorgeschlagen, übergangsweise eine Standardrisikogewichtung für Verbriefungen einzuführen. Damit soll die prozyklische Wirkung der Basel II-Regeln verringert werden, da die Eigenkapitalanforderungen der Banken in diesem Fall durch eine Ratingherabstufung nicht mehr beeinflusst werden.

Da die Bundesbank den Ratingagenturen explizit das Vertrauen abspricht und implizit die bankinternen Verfahren für zumindest gleichwertig befindet, stellt sich die Frage, warum sich der Vorschlag lediglich auf Verbriefungen bezieht.

Es existiert schliesslich ein Modell, das die Kreditinstitute bei Bonitätsbewertungen aufsichtlich auf eine Stufe mit den Ratingagenturen stellt.

>> Modell zur Förderung des Wettbewerbs und der Transparenz auf dem Ratingmarkt