Anlegerschutz

© Kladu bei http://www.pixelio.de

In der WirtschaftsWoche Nr. 3 vom 18.01.2010 findet sich unter dem Titel „Achtung, Anlegerschutz!“ ein sehr interessanter Beitrag (online leider nur als Premium-Content). Der Artikel behandelt die seit 01.01.2010 vorgeschriebene detaillierte Protokollierung der Beratungsgespräche im Anlagegeschäft der Banken. Mit dem Gesetz soll erreicht werden, dass Bankkunden besser vor Falschberatung geschützt sind. Verschiedene Kritikpunkte werden von den Wiwo-Autoren zu Recht vorgebracht, so z.B. die Tatsache, dass dieses Gesetz nur für die vom Gesetzgeber als „Wertpapiere“ eingestuften Anlageprodukte gilt. Riskante Schiffs- oder US-Immobilienfonds fallen nicht in diese Kategorie. Und als besonderes Bonbon: für freie Vermittler von Finanzvertrieben gilt die Protokollpflicht nicht. Die Strukturvertriebe werden sich freuen.

Hauptgrund für diesen Blogpost ist jedoch die Aussage eines Rechtsanwalts. Er wird zitiert mit den Worten:

Viele Berater werden äußerst zurückhaltend agieren und im Zweifel lieber risikolose Standardprodukte empfehlen, statt offen zu reden und auch mal einen Geheimtipp anzupreisen.

Mal einen Geheimtipp anpreisen?

Hoffen wir für seine Mandaten, dass er kein Fachanwalt für den Finanzbereich ist. Ansonsten empfehle ich nochmals die Lektüre des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG). Sofern dieser „Geheimtipp“ auf Insiderwissen beruht, sollte der Handel damit bzw. die Weitergabe dieses Wissens vermieden werden. Aber vielleicht ist er Anwalt für Strafrecht.

Möglicherweise beruhen die „Geheimtipps“ nicht auf Insiderwissen. Dann hat der Bankberater aber sehr großes Vertrauen in seine Glaskugel. Und altruistisch ist er auch, wenn er lieber weiter bei der Bank oder Sparkasse Geheimtipps empfiehlt – statt selbst damit zu handeln und sich von dem Gewinn eine kleine Insel zu kaufen, z.B. Australien.

Glaubt – außer dem zitierten Anwalt – tatsächlich jemand, dass der freundliche junge Mann mit der Mickey-Maus-Krawatte ernsthaft über gewinnbringendes Geheimwissen verfügt? Und dieses dann völlig uneigennützig an seine Kunden weitergibt?

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