Europäische Ratingagentur

© Fräschu Heggli

Bereits im November 2009 hatte ich Kontakt zum Vorsitzenden des Finanzausschusses des Bundestages, Dr. Volker Wissing (FDP). Freundlicherweise hat er auf abgeordnetenwatch.de meine Frage bezüglich der im Koalitionsvertrag erwähnten Europäischen Ratingagentur beantwortet.

Die wesentliche Frage nach der Rechtsform dieser zu gründenden Agentur – staatlich oder privatwirtschaftlich – wurde leider nicht beantwortet. Konkrete Vorschläge zur Ausgestaltung seien von Seiten der Europäischen Union noch nicht vorhanden.

Auf die weitere Entwicklung bin ich sehr gespannt und werde natürlich an dieser Stelle darüber berichten.

VWL in der Krise

Nach der Eigenwerbung der vergangenen Posts sollen an dieser Stelle auch kritische Stimmen erwähnt werden. Das Handelsblatt berichtet über die Ökonomentagung der American Economic Association. Viele hochrangige Vertreter übten harte Selbstkritik an der VWL im Hinblick auf die Finanzkrise.

Insbesondere die (neoklassische) Makroökonomie müsse sich inhaltlich und methodisch komplett neu erfinden, um sich der Realität anzunähern. Die unterstellte Effizienz der Märkte, die rationale Erwartungsbildung und die inhärente Tendenz zur Stabilität stehen besonders in der Kritik. Zukünftig sollte die VWL enger mit Psychologen, Soziologen und Neurowissenschaftlern zusammenarbeiten, da sich Menschen eben häufig nicht rational verhalten.

Für meine eigenen Veranstaltungen kann ich sagen, dass die (realitätsnähere) neoinstitutionalistische Theorie immer ein wesentlicher Bestandteil war. Auch die Ansätze der Behavioral Finance unterrichte ich seit einigen Jahren. Es existieren zur Neoklassik demnach alternative Erklärungsmodelle, die auch seit vielen Jahren an deutschen Hochschulen gelehrt werden. Insofern ist die Kritik des „Tunnelblicks“ m.E. nicht vollständig gerechtfertigt.

Als Folge der Finanzkrise behandele ich seit 2008 sehr ausführlich das Thema Risiko. Neben den grundlegenden Definitionen gehe ich dabei auf die verschiedenen Formen der Unsicherheit und auch des Unwissens ein.

Fairerweise muss man allerdings sagen, dass man nicht ein gesamtes Modell kritisieren kann, wenn es auf nicht zutreffenden Annahmen beruht. Sollten – wie im Falle der Finanzkrise – wesentliche Tatsachen der Realität annahmegemäß ausgeschlossen worden sein, so muss man die Annahmen des Modells kritisieren, sie aufheben, oder ein neues Modell entwickeln. Unter den gegebenen Prämissen sind die bisherigen Modelle konsistent. Ob man tatsächlich die komplexe Realität modelltheoretisch darstellen kann, sei dahingestellt. Daher darf man nicht vergessen, dass die Modelle nicht die Realität sind, sondern nur Ansätze zur Erklärung ökonomischer Phänomene.

Rating und Mittelstand

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Und wieder ein Hinweis auf das Handelsblatt: unter dem Titel „Banken lassen Mittelständler abblitzen“ behandelt ein Beitrag die Ratingproblematik im Hinblick auf mittelständische Unternehmen und wirbt implizit für meine Beratungsleistung.

Kurz und prägnant leitet der Autor die Zusammenhänge von Eigenkapitalvorschriften, Kreditrating und deren mögliche Auswirkungen auf Mittelständler her.

Viele Unternehmen widmen dem Rating zu wenig Aufmerksamkeit und kennen weder ihr Rating noch die einzelnen Ratingfaktoren.

Aufgrund gesetzlicher Forderungen sind die Banken gezwungen, anhand der Ratingeinstufung ihrer Kreditkunden Konditionen und Kreditlinien festzulegen. Daher können in der momentanen Krise die Liquiditäts- und Handlungsspielräume der Unternehmen dramatisch eingeschränkt werden. Auch für mittelständische Unternehmen ist die aktive Steuerung des Kreditratings ein wesentliches Instrument der strategischen Führung.

Der Artikel endet mit dieser Problembeschreibung und Lösungshinweisen. Explizit will ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass Mittelständler durchaus externe Beratung als Hilfe in Anspruch nehmen sollten. Aufgrund der aktuell krisenbedingten, laufenden Anpassungen des Bankrisikomanagements wird es schwer, neben dem Kerngeschäft des Unternehmens auch diese Anforderungen ständig im Auge zu behalten. Die Kosten für eine externe Beratung werden ggf. durch geringere Zinslasten kompensiert. Möglicherweise führt eine Optimierung der Finanzkommunikation auch zu alternativen Finanzierungsquellen.

Macht der Ratingagenturen

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Im Handelsblatt findet sich ein guter Artikel über die von den Aufsehern zementierte Macht der Ratingagenturen. In den Kommentaren entwickelt sich eine Diskussion, an der ich mich beteiligt habe.

Die Autorin Osman kommentiert die Macht und Regulierung der Ratingagenturen. Ihrer Ansicht nach hat sich trotz Finanzkrise daran nichts geändert, obwohl Ratingagenturen eine wesentliche Mitschuld an der Finanzkrise tragen.