Obamas Bankenreform – Back to Glass-Steagall

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Gastbeitrag von Michael Multhaupt:

Einen interessanten Artikel konnte man in der gestrigen Financial Times Deutschland (FTD) lesen.

US-Präsident Barack Obama hat in den vergangenen Tagen Reformpläne vorgestellt, die möglicherweise die Bankenlandschaft in den USA verändern werden. Aufgrund der Reformpläne bietet die Citigroup schon jetzt (!) Teilbereiche (Beteiligungen, Immobilien- sowie die Hedgefondssparte) zum Verkauf an.

Bedingt durch die Reformansätze Obamas soll zukünftig das Verbot des Eigenhandels und die Unterhaltung von Private-Equity- und Hedge-Fonds per Gesetz beschlossen werden. Desweiteren soll auch das Verbot der Investitionen in die Fonds gesetzlich normiert werden. Nach Ansicht Obamas ist diese „Art“ von Geschäften zu riskant. Sollte die Reform als Gesetz beschlossen werden, wird dies auf eine Neuauflage des Glass-Steagall-Acts hinauslaufen. Dieser wurde 1999 durch Präsident Bill Clinton aufgehoben. Somit könnte ab Mitte des Jahres wieder in den USA das Trennbankensystem Einzug halten.

Hintergrund:
Der Glass-Steagall-Act ist die Bezeichnung von zwei Bundesgesetzen der USA, die nach dem US-Senator Carter Glass und dem Abgeordneten des US-Repräsentantenhauses Henry B. Steagall benannt wurden. Das erste Gesetz von 1932 diente der Eindämmung der Deflation während der Großen Depression. Diese galt als Ursprung des schwarzen Freitages im Oktober 1929 und somit als Auslöser der damaligen Weltwirtschaftskrise.

Trennbankensystem:
Das zweite Gesetz wurde ein Jahr später (1933) erlassen. Inhalt des Gesetzes war die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken (Trennbankensystem). Das Gesetz sollte verhindern, dass die Banken zuerst als Geschäftsbank fungierten und eine Kreditvergabe in Unternehmen vornehmen und dann, bei unvorhergesehenen Risiken, nochmals Kredite  investieren, um die eigene Kreditvergabe zu schützen. Diese Kredite wurden aus den Einlagen von Privatpersonen und kleineren Unternehmen finanziert. Dieses Vorgehen barg die Gefahr, dass bei Totalausfall des Schuldners (Unternehmen), die Einlagen der Privatpersonen und kleineren Unternehmen von den Banken nicht mehr zurückgezahlt werden konnten. Folglich konnten  Liquiditätsprobleme bei der kreditgebenden Bank, den kleineren Unternehmen und auch den Privatpersonen auftreten.

Einlagensicherung:
Zudem wurde erreicht, dass eine Einlagenversicherung abschlossen wurde. Analog dazu gibt es in Deutschland z.B. den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken. Dadurch sind die Guthaben jedes einzelnen Kunden bei den privaten Banken prozentual in Abhängigkeit vom haftenden Eigenkapital des jeweiligen Institutes gesichert. Geschützt werden dabei u.a. Sicht-, Termin- und Spareinlagen. Nicht geschützt sind u.a. Inhaberschuldverschreibungen (Bundesanleihen) sowie Inhabereinlagenzertifikate. Entsprechende Einlagensicherungssysteme existieren auch für den Sparkassen- und Genossenschaftssektor.

Kritik:
Es ist fraglich, ob durch die Wiedereinführung des Trennbankensystems Bankinsolvenzen verhindert werden können. Denn die Insolvenz von z.B. Lehman Brothers (reine Investmentbank) wurde nicht verhindert. Viele Experten sind der Meinung, dass eine  bessere Überwachung und striktere Kapitalanforderungen bei den Universalbanken die bessere Lösung sind.

Ein kurzer Beitrag mit Kritik an dem Vorschlag wurde vor einigen Tagen von Andreas Buschmeier veröffentlicht.

8 Gedanken zu “Obamas Bankenreform – Back to Glass-Steagall

  1. Mir scheint das Trennbankensystem bei derzeitiger Vernetzung der Banken untereinander nicht sonderlich effektiv. Die Einlagensicherung scheint mir zudem zwar etwas zu sein was für die USA bei den ganzen Bankinsolvenzen die Kleinanleger schützt (durchaus ein must have). Ich kann jedoch nicht erkennen wie das einen werthaltigen Beitrag zur Stabilisierung im Sinne einer Krisenvermeidung leisten soll. Also: es ist ein Mittel um in der nächsten Krise Anleger zu schützen…. allerdings erst wenn die Krise bereits eingetreten ist.

    Man wird bei den Maßnahmen das Gefühl des Fatalismus nicht los. Man scheint sich damit abzufinden das es die nächste Krise geben wird und will lediglich etwas dagegen tun. Und zwar nicht sonderlich viel sondern eher etwas, was eher nicht wirklich weh´ macht oder tiefer geht. Alles erscheint sehr oberflächlich (und zudem typisch und rein monetaristisch gedacht; ein Fluch der modernen Makroökonomie).

    Grüße
    ALOA

  2. Offensichtlich hat das Trennbankensystem nicht dazu geführt, dass die Risiken verringert wurden. In meinem Beitrag habe ich auch darauf hingewiesen, dass das Universalbankensystem durchaus zu einer besseren Diversifizierung der Risiken und Erträge beitragen kann.

    Einlagensicherungssysteme sind zwar einerseits für die Anleger gut und wichtig. Andererseits können damit für das Bankmanagement falsche Verhaltensanreize gesetzt werden. Die Absicherung der Einlagen kann zu einer erhöhten Risikobereitschaft seitens der Bank führen, da der Staat bzw. die Versicherung für Verluste geradesteht.

    Auf Seiten der Politik befürchte ich weniger Fatalismus als vielmehr Populismus. So machen sich strenge Worte und Taten gegenüber den bösen Bonusbankern bei Wahlen sicher gut. Ob sie die Risiken einer neuen Krise tatsächlich verringern ist umstritten.

  3. Populismus ist sicher auch dabei („wir tun was“). Als zweites „Standbein“ sehe ich dabei jedoch den Blick auf sog. „too big to fail“-Banken. Aber das bedeutet doch letztlich das man Banken insolvenzreif machen/lassen können aber am eigentlichen Grund für die Insolvenzen nichts ändern will.

    Oder anders: Keine Großbanken mehr weil man kleine Banken bei der nächsten Krise in die Pleite laufen lassen kann.
    Da nehme ich mir daher den Krugman für den Kommentar (the big zero) und setze Obama mit auf die Liste:
    http://tinyurl.com/yj7kals

    Interessanter wäre für mich die Überlegung einer Erhöhung der zu hinterlegenden Mindestreserven. Damit hätte man womöglich ein Mittel der Risikovermeidung während das bisherige lediglich zur Krisenbewältigung passt.

    Jedoch… was will man erwarten. Herr Asmussen hat doch auch schon verlauten lassen das die Krise noch nicht vorbei aber die Systemkrise beendet sei. Buiseness as usual also. Und so werte ich auch Obamas Plan.

    Grüße
    ALOA

  4. aber am eigentlichen Grund für die Insolvenzen nichts ändern will.

    Entschuldigung. Das muss natürlich lauten ..an den eigentlichen Gründen für die Krise nichts ändern will.

    Grüße
    ALOA

  5. Lange Rede kurzer Sinn!!! WAS WILL MAN DENN SONST Machen???
    Kritik üben ist ja das Einfachste, wenn man meckern will!!! Weder
    Basis 3 noch Transaktionssteuer werden helfen und die
    Casino-Wirtschaft geht hurtig weiter!!!Nachdem was damals Franklin
    Roosevelt mit der sogenannten „Brandmauer“ vollzogen hat, soll in
    der heutigen Zeit nicht mehr up to date sein? Sind wir Menschen
    heute anders gestrickt? oder glaubt man durch unsere
    Computer-Wirtschaft könnte man die Krise besser in Griff bekommen.
    Alle diejenigen Politiker die heute lieber wie morgen das
    Glass-Steagall-Gesetz in die „Mottenkiste“ versenken möchten,werden
    früher oder später eines Besseren belehrt werden!!! Es grüßt die
    Zukunft!

  6. Lange Rede kurzer Sinn!!! WAS WILL MAN DENN SONST Machen???
    Kritik üben ist ja das Einfachste, wenn man meckern will!!! Weder
    Basis 3 noch Transaktionssteuer werden helfen und die
    Casino-Wirtschaft geht hurtig weiter!!!Nachdem was damals Franklin
    Roosevelt mit der sogenannten „Brandmauer“ vollzogen hat, soll in
    der heutigen Zeit nicht mehr up to date sein? Sind wir Menschen
    heute anders gestrickt? oder glaubt man durch unsere
    Computer-Wirtschaft könnte man die Krise besser in Griff bekommen.
    Alle diejenigen Politiker die heute lieber wie morgen das
    Glass-Steagall-Gesetz in die „Mottenkiste“ versenken möchten,werden
    früher oder später eines Besseren belehrt werden!!! Es grüßt die
    Zukunft!

    aloa5 : Populismus
    ist sicher auch dabei („wir tun was“). Als zweites „Standbein“ sehe
    ich dabei jedoch den Blick auf sog. „too big to fail“-Banken. Aber
    das bedeutet doch letztlich das man Banken insolvenzreif
    machen/lassen können aber am eigentlichen Grund für die Insolvenzen
    nichts ändern will. Oder anders: Keine Großbanken mehr weil man
    kleine Banken bei der nächsten Krise in die Pleite laufen lassen
    kann. Da nehme ich mir daher den Krugman für den Kommentar (the big
    zero) und setze Obama mit auf die Liste: http://tinyurl.com/yj7kals
    Interessanter wäre für mich die Überlegung einer Erhöhung der zu
    hinterlegenden Mindestreserven. Damit hätte man womöglich ein
    Mittel der Risikovermeidung während das
    bisherige lediglich zur Krisenbewältigung passt. Jedoch… was will
    man erwarten. Herr Asmussen hat doch auch schon verlauten lassen
    das die Krise noch nicht vorbei aber die Systemkrise beendet sei.
    Buiseness as usual also. Und so werte ich auch Obamas Plan. Grüße
    ALOA

  7. @Sünneke Franz-Josef

    Hallo Herr Sünneke,

    ich stimme Ihrem Kommentar zu und frage mich gleichzeitig, ob wir miteinander verwandt sind. Sie heißen genau so wie mein Vater der inzwischen jedoch in Asien wohnt.

    Es grüßt Sie
    Frank Oliver Sünneke

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