Fonds lohnen sich?

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Das Handelsblatt titelt „Welche Fonds sich langfristig lohnen“ – und dieser Beitrag kann nicht unkommentiert bleiben.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat zusammen mit dem Institut für Vermögensaufbau (IVA) knapp 2.400 Investmentfonds untersucht. Damit wollen sie Privatanleger beim Vermögensaufbau unterstützen. An dieser Stelle werde ich keine Best-of-Liste übernehmen. Wer nach meinen Hinweisen tatsächlich daran Interesse hat, findet sie unter dem Handelsblatt-Link. Einige Aussagen des Artikels sind es jedoch wert, hier zitiert zu werden.

Die Ergebnisse sprechen für die sorgfältige Auswahl der Fonds. Auf Sicht von zehn Jahren erzielte laut DSW nur etwas mehr als jeder fünfte Fonds mehr Rendite als der vergleichbare Index. Wer also in einen dieser 431 Fonds investierte, machte ein gutes Geschäft. „Einem Großteil der Produkte gelingt es leider nicht, die hohen Erwartungen langfristig zu erfüllen“.

Bei dieser Untersuchung sind die „hohen Erwartungen“ also eine Rendite in Höhe der Benchmark – was den meisten Fonds misslingt. Will ein Privatanleger also z.B. in deutsche Aktien investieren, schaffen es nur wenige Fonds, den DAX zu schlagen.

Keine neue Erkenntnis – kann aber nicht oft genug wiederholt werden.

Irritiert hat mich der erste Satz: dieses miserable Ergebnis erzielten sorgfältig ausgewählte Fonds?! Sind das schon die Besten? Wurden nur aktiv gemanagte Fonds betrachtet, oder sind auch passiv gemanagte Indextracker dabei? Neben der Frage nach den Kosten des Fondsmanagements würde das erklären, dass einige Fonds immerhin in die Nähe der Benchmark kommen – wenn sie sie nachbilden.

Schön ist auch ein weiterer Absatz, den ich hier zitieren möchte:

Vorwürfe, dass Fondsmanager vor allem Geld kosten, aber kaum Mehrwert bringen, weist der Testleiter aber zurück. „Die meisten langfristig agierenden Fonds liegen mit ihrer Rendite nach Kosten immerhin in der Nähe der Benchmark“, sagt Beck. Selbst mit durchschnittlichen Fonds würden Anleger deutlich besser fahren als mit vielen anderen Anlageprodukten. Zahlreiche Fondsmanager erzielen langfristig positive Renditen.

Die meisten Fonds liegen nach Kosten „in der Nähe der Benchmark“? Ein toller Erfolg! Und „zahlreiche Fondsmanager“ erzielen doch tatsächlich positive Renditen. Ich komme aus dem Jubeln kaum heraus!(Anmerkung: positive Renditen finde ich ausschliesslich dann erwähnenswert, wenn der Markt/die Benchmark sich negativ entwickelt hat.) Und selbst durchschnittliche Fonds sind besser als viele andere Anlageprodukte? Welche? Das Sparbuch? Lebensversicherungen? Geschenkt!

Abschliessend empfehlen die Studienleiter dem Privatanleger Aktienfonds oder ETFs (Exchange-Traded Funds). Ich unterstelle, dass die Autoren mit ETFs passiv gemanagte Indexfonds meinen, da auch viele aktiv gemanagte Fonds an der Börse gehandelt werden und sonst diese Unterscheidung im Artikel keinen Sinn machen würde. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass es zum Teil enorme Kostendifferenzen zwischen aktiv und passiv gemanagten Fonds gibt. Und wie der Handelsblatt-Beitrag deutlich macht, ist das Fondsmanagement in den meisten Fällen das Geld nicht wert.

Was man der Studie nicht vorwerfen kann, aber dennoch als Problem bekannt sein sollte: Banken empfehlen in der Regel Investmentfonds ihres eigenen Verbundes, „unabhängige“ Vermittler empfehlen im Zweifel die Produkte, für die sie die höchste Verkaufsprovision erhalten.

Die eigentliche Empfehlung, die sich aus dieser Untersuchung ergibt, ist doch:

langfristige, gut diversifizierte Anlage in Indexfonds/ETFs, die möglichst geringe Gebühren verlangen sollten.

Die noch günstigere Alternative – Indexzertifikate – kann ich seit Ausbruch der Finanzkrise und der Pleite von Lehman heute nicht mehr uneingeschränkt empfehlen. Die Erfahrung aus 2008 lehrt, dass das Emittentenrisiko nur schwer eingeschätzt werden kann.

NACHTRAG: gerade sehe ich, dass auch der Spiegel Online einen Artikel zu der Untersuchung geschrieben hat – hier klingt das dann doch etwas anders als beim Handelsblatt…. Titel: „Studie entlarvt Fondsmanager als Geldvernichter“.

NACHTRAG 2 – wieder von Spiegel online: „Fondsmanager produzieren extrem teure, heisse Luft.“ Nach einer Studie würden 1,3 Billionen Dollar durch die Geldindustrie vernichtet.

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