Europäische Ratingagentur Part 5

Gerne und häufig verlinke ich an dieser Stelle auf das Handelsblatt. Auch in diesem Beitrag.
Der Titel: „Angriffe auf Ratingagenturen – ‚Sie treiben Volkswirtschaften in die Krise‘

Das Titelzitat ist von Brüderle, dafür kann das Handelsblatt nichts. Ein Minister sollte jedoch wissen, dass Ratingagenturen die Volkswirtschaften nicht in die Krise treiben. Das schaffen die Länder schon ganz alleine. Ratingagenturen können lediglich auf Länderkrisen aufmerksam machen. Das allerdings so prominent, dass vorliegende Probleme verschärft werden. Und an dieser Machtposition der Agenturen ist die Politik nicht ganz unschuldig.

Nun fordert die FDP-Bundestagsfraktion eine neue europäische Ratingagentur. Am 17.06.2011. Kennt die FDP-Fraktion den Koalitionsvertrag der aktuellen Regierung, der sie angehört? Da steht das auch schon drin. Leider bleibt die konkrete Ausgestaltung dieser geforderten Agentur wieder einmal unklar.

Im nächsten Absatz geht es dann durcheinander – ich nehme an, das Handelsblatt gibt Minister Brüderle wieder, daher kurzes ökonomisches Durchzählen für Politiker:
Monopol = 1
Duopol = 2
Oligopol = wenige.
„Monopolstellung der angelsächsischen Institute“ geht also nicht. Im folgenden Satz ist dann auch von einem „engen Oligopol“ die Rede. Und dies sei – wegen der sich verschärfenden Griechenland-Krise – marktwirtschaftlich nicht mehr länger vertretbar. Ach so, wegen Griechenland jetzt nicht mehr? Ökonomisch ist ein Oligopol eigentlich immer suboptimal, dazu benötigt man keine Krise. Und mit einer einzigen europäischen Ratingagentur zusätzlich wird dann aus dem „engen Oligopol“ – ja was denn? Sicher kein – äh – breites (?) Oligopol. Und schon gar keine vollkommene Konkurrenz.

Anschliessend kritisiert Brüderle „scharf“ die aktuelle Abstufung Griechenlands durch die Agenturen. Ist die Ratingagentur Brüderle eigentlich bei der BaFin registriert?

„Auch wenn das Land nicht hinreichend wettbewerbsfähig sei, dürfe es jetzt nicht verramscht werden.“
Heisst das jetzt übersetzt: das Rating ist zwar richtig, aber es passt uns gerade nicht?
Liebe Ratingagenturen, bitte macht es bei europäischen Ländern wie bis 2008 und bewertet erstmal zu gut. Später, wenn die Pleite völlig offensichtlich ist, könnt ihr ja downgraden. Und wir Politiker können dann wieder meckern, dass die Agenturen nicht auf die Gefahren hingewiesen haben.
Ach und wenn das so nicht klappt, dann gründen wir unsere eigene Ratingagentur. Die bewertet dann so wie wir wollen.

Anschliessend weist der Handelsblatt-Artikel darauf hin, dass die SEC (US-Börsenaufsicht) zivilrechtliche Betrugsklagen gegen die Agenturen erwägt.
In amerikanischem Zivilrecht kenne ich mich nicht aus, aber ich befürchte, dass der Nachweis eines Betrugs schwierig werden könnte.

Wenn man unterstellt, dass Betrug vorliegt und dieser auch bewiesen werden kann: wie bitteschön kann denn dann ein Urteil lauten?
Wie viele Milliarden Strafe können es denn werden? Lag der Betrug durch die Agenturen nur bei den Derivaten vor, oder auch beim aktuellen Griechenland-Rating? Können Moody’s und S&P alleine die EU retten?
Gehen wir mal vom Extremfall aus: die Agenturen werden mit ihrem gesamten Vermögen haftbar gemacht und damit zerschlagen. Aufgelöst.
Was kommt danach? Niemand wird bei einer potentiell uferlosen Haftung dann zukünftig eine Bonitätseinschätzung veröffentlichen – keine Ratingagentur, keine Presse.
Wer sorgt dann für einen Abbau der Informationsasymmetrie? Wie sollen Anleger das Risiko ihrer Anlagen einschätzen?

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