Weinkenner, Kunstkenner, Ratingagenturen

In der FAZ ist ein interessanter Beitrag erschienen, in dem das Ratinggeschäft mit dem von Kunstexperten und Weinkennern verglichen wird [gab es nicht einen ähnlichen Vergleich vor Kurzem beim weissgarnix-Blog?]. Leider gibt es bei der FAZ keine Kommentarfunktion. Daher hier einige kurze Hinweise.
Ohne dem werten Kollegen Krahnen zu nahe treten zu wollen:
1. zu dem Modell einer monopolistischen Ratingagentur hat bereits vor einigen Jahren Xavier Freixas ein Paper veröffentlicht. Als Ergebnis wird dargestellt, dass eine einzige, monopolistische Ratingagentur optimal sein kann. Bei diesem Monopol wird die Gefahr von Gefälligkeitsratings, um Kunden nicht zu verlieren, völlig eliminiert.
[Nachtrag Quelle: Bolton, Patrick/Freixas, Xavier/Shapiro, Joel (2009): The Credit Ratings Game, NBER
Working Paper No. 14712.]
2. bei der Bewertung der auch den Agenturen neuen Derivaten lag der Fehler ja wohl eher bei der gleichzeitigen Beratung und Benotung durch die Ratingagenturen. Die Kunden mussten also nicht “tricksen” – die Agenturen haben ihnen gegen Bezahlung gesagt, wie die Portfolios zusammengestellt werden müssen, um ein möglichst gutes Rating zu erhalten.
Ich teile jedoch Krahnens Meinung, dass eine völlige Transparenz der Ratingmethoden gegenüber der Öffentlichkeit nicht unbedingt notwendig ist.

[Edit: gerade gesehen, dass es doch eine Kommentarfunktion gibt. Bin aber kein registrierter Benutzer und hatte das hier ohnehin geschrieben]

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  1. Es wäre schon mal ein großer Schritt nach vorne, wenn Rating-Agenturen Ausfallwahrscheinlichkeiten veröffentlichen müssten.

    Auch fände ich ein zentrales Rating-Register nicht schlecht in dem alle veröffentlichten Ratings registriert werden müssen. Will man heute die Qualität der bisherigen Vorhersagen der Agenturen überprüfen, so muss kann man sich die historischen Ratings nur von den Agenturen selbst besorgen. Nach meiner persönlichen Erfahrung ändern zu mindestens manche der Agenturen gerne auch mal die Einschätzung rückwirkend.

  2. Statt mit diesen merkwürdigen Kunstmarkt-Beispielen zu argumentieren, hätte ein Verweis auf das empirische Paper “How did increased competition affect credit ratings?” von Bo Becker und Todd Milbourn dem FAS-Text gutgetan.
    http://www.hbs.edu/research/pdf/09-051.pdf

    Ich habe darüber im vergangenen Oktober im Handelsblatt berichtet:
    http://www.handelsblatt.com/politik/oekonomie/nachrichten/die-inflation-der-guten-noten/3565702.html

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