Weitere Ideen zu Ratingagenturen

Und weiter gehts mit zusätzlichen Ideen und neuen Teilnehmern an der Debatte über Ratingagenturen. Der Direktor des HamburgischenWeltWirtschaftsInstituts (HWWI) Thomas Straubhaar und Unternehmerfamilien melden sich jetzt zu Wort. Übrigens ganz im Gegensatz zu Roland Berger, die es noch immer nicht geschafft haben, auf meine Mail-Anfrage zu antworten. Das macht diese Beratung und ihre in der Pressemitteilung geäußerte Bitte um Beteiligung der Öffentlichkeit sehr glaubwürdig.

Zunächst möchte ich auf den recht guten Artikel von Thomas Straubhaar hinweisen, der vor Kurzem in der NZZ erschienen ist. Auch er betont die Bewertungsprobleme und die Prognoseunsicherheit bei Ratings. Es sei klüger, „durch wettbewerbs- und kartellrechtliche Verfahren dafür zu sorgen, dass die Rating-Agenturen untereinander in einem harten Konkurrenzkampf stehen.“
Auch ich bin der Meinung, dass der Marktmechanismus wieder in Kraft gesetzt werden muss. Dies ist jedoch aufgrund des Oligopols auf dem Ratingmarkt nicht möglich. Straubhaar weist zu Recht auf die hohem Markteintrittsbarrieren hin. Es folgt eine Darstellung der bekannten Probleme – issuer pays model, gleichzeitige Beratung und Bewertung, regulatorisch induzierte Macht der Agenturen etc.
Straubhaars Lösungsansätze sind auch schon bekannt: höhere Transparenz und Haftung der Agenturen bei „nachweislichen Fehlern“. Agenturen sollten dann privatrechtlich verklagt werden können und Schadensersatzpflichtig werden. Hier macht er es sich etwas einfach: wem gegenüber soll es eine Haftung geben? Gegenüber dem Auftraggeber des Ratings? Hier liegt zumindest eine Vertragsbeziehung vor. Und übrigens auch schon jetzt eine Haftung bei Fehlern seitens der Agentur. Oder sollte die Haftung auch gegenüber den Nutzern des Ratings gelten? Hier liegt keine Vertragsbeziehung vor und die Haftung wäre uferlos, da bis hin zum Kleinstanleger alle Nutzer eines Ratings sein können, sofern es veröffentlicht wurde.
Ein Satz von Straubhaar ist m.E. erklärungsbedürftig – sie bleibt jedoch leider aus:
„Eine vom Wertschriftenhandel durch eine Abgabe zu erbringende Umlage, in die alle einzahlen müssten, die an Bewertungen durch unabhängige Bonitätsprüfer interessiert sind und davon profitieren, könnte ein Schritt zur Besserung sein.“
Ich bin mir nicht sicher, was damit gemeint ist. Finanztransaktionssteuer? Umlagenfinanzierung? Wie o.g. sind potenziell alle Anleger an unabhängiger Bonitätsprüfung interessiert, also wohl ersteres. Und sollen diese Einnahmen dann die Bezahlung der Agenturen durch den Emittenten ersetzen?
Abschliessend werden einige Sätze von Straubhaar geschrieben, die überzeugend klingen, aber das Problem simplifizieren:
„Besser wäre es, wenn das öffentlichrechtlich geschützte Meinungsmonopol der Bonitätsprüfer ganz generell beseitigt würde. Privatrechtliche Verhaltensweisen sollten sich nicht von Rating-Agenturen bevormunden lassen müssen. Das gilt auch für die Beziehung zwischen Gläubigern und Schuldnern. Je weniger Kreditgeber und -nehmer, Investoren und Finanzinstitute gezwungen werden, die ohnehin mit vielen Schwächen und Unzulänglichkeiten belasteten Urteile der Rating-Agenturen zu respektieren, umso besser. Die Bonitätsprüfer sollten für die Entscheidungsbildung auf den Kapitalmärkten nicht mehr eine derart herausragende Rolle spielen. Es muss jedem möglich sein, sich autonom mit anderen Informationen, selbstgewählten Methoden und eigenen Analysen ein unabhängiges Urteil bilden zu können.“
Welche Anleger sind denn dazu bitte in der Lage?
Bei aller berechtigter Kritik an den Ratingagenturen, leisten sie dennoch einen wesentlichen Beitrag zum Abbau von Informationsasymmetrien.

Und wenn im letzten Absatz des Beitrags vom Autor gefordert wird, Ratings sollten wie Gütesiegel und Bio-Testate behandelt werden, stellt sich mir die Frage, wie sich das mit der vorher geforderten Haftung in Einklang bringen lässt. „Sie [die Ratings] sollten nur noch eine Meinungsäusserung sein von mehreren. Mag auf sie hören, wer will.“ Genau das ist doch die haftungsbefreiende Argumentation der Ratingagenturen.

Das Handelsblatt berichtet, dass auch deutsche Unternehmen mit den drei großen Ratingagenturen unzufrieden seien und eine Europäische Ratingagentur planen. Die Family-Offices verschiedener Unternehmerfamilien wollten dieses Vorhaben auch finanziell unterstützen und den Sitz der neuen Agentur in der Schweiz ansiedeln.

Liebe Familienunternehmen: von welchen Institutionen erhalten Sie denn seit Jahren Fremdkapital? Wer prüft dabei ihre zukünftige Zahlungsfähigkeit? Und wer hat ein großes Interesse daran, dass diese Bonitätsurteile korrekt sind, damit der vergebene Kredit nicht ausfällt?
Kreditinstitute tätigen dieses Geschäft zum Teil seit über einhundert Jahren. Und vermutlich ist deren Bonitätsprüfung nicht allzu schlecht. Sonst würden diese Banken nämlich nicht mehr existieren.
Dazu gibt es ein wissenschaftlich hergeleitetes Modell, das ich Ihnen gern persönlich vorstelle. Bevor Sie dreistellige Millionenbeträge für etwas ausgeben, das ohnehin schon für Ihr Unternehmen existiert.

2 Gedanken zu “Weitere Ideen zu Ratingagenturen

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