Deutsche Ratingagentur

Nachdem bekannt wurde, dass die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) das deutsche Rating AAA mit einem negativen Ausblick versehen will (wie übrigens auch das aller anderen Euro-Staaten), überschlagen sich Politiker und Verbände mit „neuen“ Vorschlägen (Handelsblatt).

Dabei ist diese Rating-Herabstufung weder gänzlich unbegründet noch kommt sie völlig überraschend. Im BlickLog weist Dirk Elsner darauf hin, dass die Kosten der Kreditausfallversicherung Deutschlands seit einiger Zeit steigen.

Den Ausschlag für diesen Beitrag hat jedoch ein Artikel im Tagesspiegel gegeben (der vollständige Artikel liegt mir z.Zt. noch nicht vor). Hier fordert Mechthild Schrooten, Forschungsprofessorin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, ernsthaft die Gründung einer staatlichen deutschen Ratingagentur, die bei der Bundesbank angesiedelt werden solle.

Meine kurze Erwiderung ist: es ist nicht die Aufgabe einer Zentralbank, als Ratingagentur zu fungieren.

Die längere Antwort habe ich an dieser Stelle bereits im Rahmen meiner Kritik an einer (staatlichen) Europäischen Ratingagentur geliefert. Gleiches gilt natürlich in besonderem Maße für eine deutsche Agentur. Wer würde denn das Rating dieser Behörde ernst nehmen? Und würde das AAA-Rating Deutschlands angetastet werden? Wenn die deutsche Politik darauf Einfluss nehmen kann? Eher nicht!

Es würde wohl auch nicht lange dauern, bis die anderen (Euro-)Staaten ihre eigene Rating-Behörde gründen würden. Schliesslich kann ja eine deutsche Agentur ja nicht einfach die Bonität von Griechenland, Spanien, Italien, Frankreich et al. beurteilen, oder? Wo kämen wir da hin?
Immerhin hätten wir dann den geforderten Wettbewerb auf dem Ratingmarkt. 20 – 30 neue staatliche Ratingagenturen, auf deren Urteil niemand, der bei Sinnen ist, etwas geben würde.

Dennoch hätte die Politik die Macht, diese neue Konkurrenz für die privaten Anbieter zu stützen. In meinem letzten Post habe ich bereits auf die EU-Gesetzesinitiative mit Rotationsprinzip hingewiesen. Die europäischen Politiker könnten die Verwendung staatlicher Ratingagenturen verpflichtend einführen.

Dies würde jedoch zu einer wesentlichen Verschlechterung der ohnehin suboptimalen Situation auf dem Ratingmarkt führen.

Im Beitrag des Tagesspiegels kommt dann ein für mich nicht ganz schlüssiger Sprung zur Regulierung der Banken. Hier solle laut Schrooten eine „straffere Regulierung“ dafür sorgen, „dass Banken sich auf ihre ursprünglichen Funktionen besinnen“. Unter Aktivitäten, die darüber hinaus gingen, solle ein „Schlussstrich“ gezogen werden, da sie dem Steuerzahler in der Vergangenheit teuer zu stehen gekommen seien.

Das ist jetzt aber eine völlig andere Baustelle als der Ratingmarkt. Vielleicht folgt in dem vollständigen Beitrag noch die Aufzählung der vom DIW zugelassenen Bankgeschäfte….

Aufmerksamen Lesern dieses Blogs ist nicht entgangen, dass ich weder Freund des Trennbankensystems bin (wegen der impliziten Risikoerhöhung) noch halte ich es für sinnvoll, dass Verbände oder die Politik vorschreiben, welche Geschäftsaktivitäten Banken durchführen sollten – über die strafrechtlich relevanten Tatbestände hinaus. Allerdings muss ernsthaft über die Haftungsfrage und das too-big-to-fail-Problem nachgedacht werden.

2 Gedanken zu “Deutsche Ratingagentur

  1. Das Urteil der Ratingagenturen über die BRD beweist doch nur, wie wir Bürger dieser Republik von unserem Staat
    (Regierung) in den Ruin gertrieben, beschissen und betrogen werden.
    DANKE dafür, daß diese Agenturen uns die Augen öffnen!

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