Meine Sparkasse erhöht die Gebühren

Jetzt ist es tatsächlich passiert. Meine örtliche Sparkasse erhöht ihre Kontoführungsgebühren (Quelle: HNA und ein persönliches Schreiben des Vorstands an alle Kunden). Diese Entwicklung war absehbar und in meinen Beratungen habe auch ich verschiedenen Sparkassenvertretern immer wieder gesagt, dass sie die Kosten senken und neue Ertragsquellen erschliessen müssen.

ABER DOCH NICHT BEI MIR.
Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust.

Vor rund 20 Jahren habe ich als Mitarbeiter eben dieser Sparkasse auf der anderen Seite des Schalters gestanden und versucht, den Kundenzorn in ruhigere Bahnen zu lenken. Rationale Erklärungsversuche bei aufgebrachten Kunden kann ich daher nicht wirklich empfehlen. Meine Argumente waren u.a.
– wir erbringen eine nützliche Dienstleitung, indem wir Ihr Geld sicher verwahren. Sie müssen Ihr Geld nicht unter dem Kopfkissen aufbewahren, wo es evtl. geklaut wird
– wenn Sie jemandem in München Geld schulden, müssen Sie nicht hinfahren, sondern können es überweisen
– Miete, Strom, Wasser, Abos etc. werden automatisch gezahlt, ohne dass Sie immer daran denken müssen
– in jedem Kaff mit mehr als 7,5 Einwohnern steht ein Geldautomat, Sie kommen also überall – auch in anderen Städten – leicht an Bargeld

Die einzige Antwort nahezu aller Kunden?
ABER SIE ARBEITEN MIT MEINEM GELD!

Der Vorstand der Sparkasse hat sich eine andere Argumentation einfallen lassen.
„In den vergangenen Jahren haben wir stetig investiert, um die Abwicklung Ihrer Bankgeschäfte komfortabel und vor allem sicher zu gestalten.“

Als Kunde sage ich da doch: was interessiert es mich, ob ihr investiert? Davon gehe ich aus! Möglicherweise hätte die PR-Abteilung eine eher kundenzentrierte Sicht bei der Formulierung einnehmen sollen. Meine Argumente von vor 20 Jahren fand ich besser. Allerdings muss ich auch eingestehen, dass damals noch keine kostenlose Konkurrenz existierte. Heute gibt es zahlreiche Anbieter, die die unbestritten wichtigen Dienstleistungen kostenlos anbieten. Und das übrigens zum Teil wesentlich komfortabler und genauso sicher wie die Sparkassen.

Zu dem Kundenargument, dass mit seinem/ihrem Geld gearbeitet würde: aufgrund der Niedrigzinsphase rentiert sich das nicht (mehr). Der Zahlungsverkehr ist defitzitär und wurde in besseren Zeiten quersubventioniert. In den letzten Jahren funktionierte das schon nicht mehr, in absehbarer Zeit wird es sich auch nicht ändern.

Meine Beratungsempfehlung lautete immer, von Negativzinsen und Gebühren möglichst Abstand zu nehmen, soweit das ohne Insolvenz möglich ist. Der Wettbewerb auf dem deutschen Bankenmarkt ist m.E. zu hoch, als dass man damit Erfolg haben könnte. Eher verkraften die Kunden Kostensenkungen, z.B. durch Schliessung von Filialen. Insbesondere bei den Sparkassen, die ein wirklich dichtes Filialnetz haben.

Jetzt wird allerdings beides gemacht – Gebühren und Rückzug aus der Fläche. Das wird den Kunden noch schwerer zu vermitteln sein.

Bei diesem Vorgehen sind die Sparkassen natürlich nicht alleine. Alle anderen Kreditinstitute verfahren ähnlich, in der Hoffnung, dass die Opportunitätskosten eines Kontowechsels höher sind, als die geforderten Gebühren.
Wenn sie sich da mal nicht täuschen.

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