FinTech Übersicht

Da in meinen Beiträgen immer häufiger FinTechs als schnelle, innovative Wettbewerber von den Banken genannt werden, will ich dieser Stelle zwei Übersichten von Berater- und Bloggerkollegen verlinken.

Zum einen die Mindmap von PaymentAndBanking zu den deutschen FinTech StartUps, in der eine Sortierung und Übersicht gegeben wird, zusammen mit einer Liste der URLs der genannten FinTechs.

Eine interessante Klassifizierung und Übersicht über die Investoren bietet auch Barkow Consulting.

Ich gehe davon aus, dass FinTechs kein vorübergehendes Phänomen sein werden (wie vielleicht einige traditionelle Banken hoffen), daher werde ich auch an dieser Stelle über neue, interessante Entwicklungen hinweisen.

Höhere Strafzinsen für Banken

Gerade kam über n-tv die Mitteilung, dass die EZB heute den Zinssatz für Banken, die überschüssiges Geld bei ihr parken, von minus 0,2% auf minus 0,3% erhöht hat. Der Leitzins im Euro-Raum bleibt bei dem 0,05% Rekordtief.

Das bedeutet vermutlich, dass ich in den nächsten Tagen weitere Beiträge über Kreditinstitute schreiben kann, die händeringend Abnehmer für ihre Kredite suchen.

Easy Credit?

Reuters berichtete am 02. Dezember, dass die Europäische Zentralbank (EZB) herausgefungden hat, dass es für kleinere Unternehmen im Euro-Raum leichter sei an Kredite zu kommen, als an neue Kunden.

Ich unterstelle einfach, dass die EZB nicht explizit nach diesem Vergleich gefragt hat, weil er mir völlig schräg erscheint. Aber immerhin hat Reuters es mit dieser Überschrift geschafft, dass ich den Artikel angeklickt habe. Laut der Befragung gaben ein Viertel der Unternehmen als größte Sorge an, Kunden für ihre Produkte zu gewinnen. Die geringste Sorge sei – mit 11% – der Zugang zu Finanzmitteln. Für Deutschland ist der Anteil sogar noch geringer.

Damit wird wieder einmal die EZB-Politik ad absurdum geführt. Lockere Geldpolitik und negative Zinsen für Banken können offensichtlich keine Nachfrage nach Krediten durch Unternehmen schaffen. Die politische Lenkungswirkung des Preises, d.h. hier des Zinssatzes, ist eingeschränkt. Und in meinen letzten Beiträgen an dieser Stelle wurde zusätzlich deutlich, dass die Banken Unternehmen und Haushalte geradezu anbetteln, Kredite bei ihnen aufzunehmen, weil sie keine anderen Ideen haben, Geld zu verdienen.

Normalerweise führt eine solche Situation zur Bildung von Spekulationsblasen – Immobilien, Gold, whatever – und somit zu Fehlallokationen. Wenn nun aber die angebotenen Kredite nicht einmal angenommen werden, haben Unternehmen und Verbraucher vielleicht aus der Vergangenheit gelernt. Vermutlich ist hier aber der Wunsch Vater des Gedankens.

Bigger is not always better

Das Wirtschaftsmagazin Capital hat gestern einen umfangreichen Beitrag über die Zukunft der Universalbanken veröffentlicht. Danach kämpfen die „Dinosaurier-Banken“ um ihr Überleben. Die Situation scheint so dramatisch zu sein, dass sogar Goldman Sachs Konsumenten und kleine Unternehmen als Kunden gewinnen will. Goldman Friggin Sachs!

Wird jetzt aus „too big to fail“ „too small to matter“? In den letzten zwei Jahren strichen die Großbanken nahezu 160.000 Jobs, HSBC will bis zu 50.000 Mitarbeiter loswerden und die Bilanz verkürzen.

Ist das tatsächlich ein Strategiewechsel, wie Capital berichtet, oder wollen die Banken einer von politischer Seite geforderten Zerschlagung zuvorkommen?

Als erfolgversprechend beschreiben die Capital-Autoren die Fokussierung auf wenige Geschäftsbereiche, schlanke Strukturen und einfache Produkte. Dem letzten Punkt kann ich nur zustimmen, wenn die Kunden tatsächlich risikobewusster geworden sind und sich keine Produkte mehr andrehen lassen, die sie nicht verstehen. Komplizierte Finanzkonstruktionen haben den Investment Banks schliesslich exorbitante Renditen gebracht.

Laut Capital sei der Rückgang der Zinsmarge im Kreditgeschäft eine größere Belastung für die Banken als die Skandale der letzten Jahre, inklusive der Strafzahlungen in Milliardenhöhe. Und aufgrund der strengeren Regulierung sei auch der ehemals lukrative Eigenhandel keine gute Erlösquelle mehr.

Hinzu kämen neue Konkurrenten in Form kleiner FinTechs und großer Technologiefirmen wie Apple und Facebook, die nicht den Anspruch haben, eine Universalbank ersetzen zu wollen. Sie suchen sich für sie ertragreiche Teile der Wertschöpfungskette.

Neben schlechten Ertragsaussichten drücken die Banken hohe Kosten, die kurzfristig nicht gesenkt werden können. Die Beratungsfirma Ernst & Young errechnete, dass europas Großbanken ihre Kosten um ein Fünftel senken und gleichzeitig ihre Umsätze um 15% erhöhen müssten, um zumindest ihre Kapitalkosten einzuspielen.

Es gäbe nun drei Möglichkeiten für die Banken, den Niedergang abzuwenden: Reduzierung der Bilanzen, sparen und schlank werden sowie die Konzentration auf gewinnbringende Geschäftsfelder.

Nach der von den Autoren aufgeworfenen Frage, ob zukünftig überhaupt noch globale Universalbanken gebraucht werden, schliesst der Artikel versöhnlich. „Eine globalisierte Wirtschaft und globale Unternehmen werden auch künftig global tätige Banken brauchen.“

Da möchte ich gern widersprechen. Sicherlich wird die Dienstleistung der Banken auch in Zukunft gebraucht werden. Ob aber dafür Großbanken benötigt werden, oder ob neue Wettbewerber mit dispruptiven Lösungen diese Dienstleistungen nicht wesentlich besser erbringen können, halte ich für noch nicht entschieden. Es scheint sich tatsächlich zu bewahrheiten, dass eher kleine, junge Unternehmen Innovationen voranbringen, während die großen, alten Unternehmen hauptsächlich an ihren Kosten, Prozessen und Strukturen arbeiten.