Für bessere Länderratings: jedem Land seine eigene Ratingagentur

Wie die FAZ berichtet, gründet Russland eine eigene Ratingagentur. Dies geschieht als Reaktion auf die schlechte Bonitätsbewertung Russlands durch die drei großen Agenturen. Moskau vermutet politische Motive als Grund für die Einstufung auf „Ramschniveau“.
Die FAZ zitiert die russische Zentralbank mit der Aussage, dass der russische Markt eine „starke Ratingagentur mit einem hohen Maß an Führungsstärke und Professionalität“ brauche. Sie solle in der Lage sein, die „Interessen der Wirtschaft“ zu erfüllen. Bereits in der letzten Woche sorgte der russische Präsident Putin dafür, dass die Tätigkeit internationaler Ratingagenturen gesetzlich reguliert werden, um den unterstellten politischen Motiven entgegenzutreten.

Damit bestätigt Moskau meine Vorbehalte, die ich vor einiger Zeit – auch an dieser Stelle – gegenüber einer Europäischen Ratingagentur geäußert habe. Einige Stimmen forderten sogar die Gründung einer Deutschen Ratingagentur, nachdem u.a. die falschen Ratings durch die großen drei die Finanzkrise ausgelöst hatten. Meine Befürchtung war, dass die Unabhängigkeit und damit die Vertrauenswürdigkeit dieser Agenturen nicht gegeben ist. Und bereits damals schrieb ich, dass eine deutsche Ratingagentur dazu führen würde, dass Griechenland, Italien, Portugal, Frankreich etc. jeweils auch eine eigene Agentur gründen würden. Und wie würden wohl die Ratings der eigenen Länder aussehen?

Mein Dank geht an Putin, der wie so oft klare Worte findet. Ihm gefällt Russlands Rating nicht, er unterstellt politische Motive und gründet für ein besseres Rating eine Russische Ratingagentur. So einfach steigert man die Bonität. Das kostet lediglich 48 Millionen Euro, mit denen die neue Agentur zunächst ausgestattet wird.

Bankfilialen sterben aus

Und eine weitere Studie – dieses Mal von der DZ Bank. Das Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken schätzt, dass bis zum Jahre 2030 die Zahl der Bankfilialen auf weniger als 20.000 bundesweit zurückgehen wird. Im Vergleich: die Bundesbank hat für 2013 ca. 36.000 Filialen gezählt, was gegenüber 2010 bereits einen Rückgang von mehr als 5% bedeutete. Behält die DZ Bank mit ihrer Schätzung Recht, entspräche das einem Rückgang von über 40%.

Einige Filialschliessungen sind bereits angekündigt. Die Hypo-Vereinsbank schliesst etwa die Hälfte, die Deutsche Bank 200 ihrer Zweigstellen. Selbstverständlich planen auch die in der Fläche breit aufgestellten Sparkassen und Genossenschaftsbanken Filialschliessungen bzw. Umwandlungen in SB-Stellen mit Kontoauszugsdrucker, Geldautomat und Serviceterminal.

Für die Zahl der Bankangestellten bedeutet das natürlich ebenfalls einen Rückgang von ca. 614.000 auf weniger als 500.000, so die DZ Bank.
Gründe für das Filialsterben und den Abbau von Beschäftigten sei der Konkurrenzkampf mit reinen Online-Banken, sinkende Zinsmargen und die schrumpfende Rentabilität der gesamten Branche. Hinzu kommen Kosten für die Modernisierung der IT und zusätzliche Regulierungsauflagen.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW kommt zu ähnlichen Ergebnissen und befürchtet eine Konzentration im regionalen Bankenmarkt. Dies könne negative Auswirkungen auf den Zugang zu Krediten für KMU haben.
[Quelle: Handelsblatt]

Banken müssen sich auf sinkende Erträge einstellen

Vor einigen Tagen hat die Boston Consulting Group (BCG) eine Studie veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass sich Banken in den kommenden fünf Jahren auf weiter sinkende Erträge im Privatkundengeschäft einstellen müssen.

BCG schätzt, dass die Erträge um fünf bis 25% sinken werden. Als Folge davon wird erwartet, dass auch die Filialkapazitäten um 30% bis 50% sinken.
Gründe dafür sind die Digitalisierung und niedrige Zinsen.

BCG teilt meine Auffassung, dass reine Kostensparprogramme den Banken nicht dauerhaft helfen werden. Laut der Unternehmensberatung müssen die Kreditinstitute in digitale Projekte investieren und ggf. auch enger mit FinTechs kooperieren. [Quelle: Reuters]

Vor einiger Zeit hatte ich bereits darauf hingewiesen, dass m.E. Kosteneinsparungen nicht ausreichen werden, sondern die Banken neue Ertragsquellen erschliessen müssen. Und wie Bankgeschäfte im digitalen Zeitalter funktionieren können, machen ihnen die FinTechs doch vor. Für den speziellen Fall der Sparkassenorganisation bin ich der Meinung, dass der Ruf nach Staatshilfen, z.B. in Form einer Sparprämie, weder berechtigt noch dauerhaft zielführend ist.

Nur Sparkassen wollen Staatsprämie

Nach meinem Beitrag im Wirtschaftsmagazin Capital hatte sich der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) offiziell zu meiner Einschätzung geäussert. Auf Twitter ging die Diskussion um eine staatliche Sparprämie noch einige Tage weiter. Hier schrieb der @DSGV:

„@ABuschmeier Die Bürger müssen Sparanreize erhalten – unabhängig davon ob sie Sparkassenkunden sind. Legitim, oder? @egghat @FAZ_NET @faznet“

Nach meiner Einschätzung ist es nicht nötig, von Staatsseite in funktionierende Märkte einzugreifen und Sparanreize zu schaffen. Die EZB senkt die Leitzinssätze auf nahe null und die Bundesregierung erhöht sie dann mittels einer Prämie wieder? Wieso?
Diese Frage blieb vom DSGV unbeantwortet.

Heute haben sich nun auch Vertreter der beiden anderen Kreditinstitutsgruppen in der SZ zu diesem Thema geäussert.

Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Michael Kemmer, schliesst sich meiner Argumentation an:

„Marktentwicklungen sollten, auch wenn sie unerfreulich sind, nicht die Grundlage für staatliche Unterstützung sein. Anstelle einer weiteren Subvention in Form einer staatlichen Förderung für Sparer wären Steuersenkungen für alle Bundesbürger nicht nur deutlich wirksamer, sondern auch fairer.“

Zusätzlich fordert er Steuersenkungen. Prinzipiell finde ich auch, dass Steuersenkungen eine gute Idee sind. Allerdings nicht in diesem Zusammenhang. In der Politik wird er mit dieser Idee ohnehin auf Granit beissen. Hier werden schon lange in der SPD (und alles links davon) Steuererhöhungen gefordert. Zinserträge werden z.Zt. mit der 25%-igen Abgeltungssteuer (zzgl. Soli und ggf. Kirchensteuer) belastet. Ich persönlich habe mich gedanklich bereits darauf eingestellt, dass sich die SPD mit ihrer Forderung nach (Wieder-)Einbeziehung der Kapitalerträge in die persönliche Einkommensteuer bald durchsetzt.

Auch die Genossenschaftsbanken sind skeptisch in Bezug auf eine staatliche Sparprämie. Der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) hält eine Überarbeitung bestehender Fördersysteme, wie Riester-Förderung oder Arbeitnehmer-Sparzulage, für sinnvoller.

Und auch von der Bundesbank wird meine Auffassung geteilt. Der Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret wird zitiert mit:

„Ich dränge Sie, realistisch die Zinssituation einzuschätzen – ohne Angst, aber eben realistisch.“ Es sei „offensichtlich, dass der Zinsüberschuss generell weiter sinken wird“, erklärte Dombret. „Es kann keine Strategie sein, auf Dauer aus der Substanz zu leben – auch wenn die Substanz die Sparkassen durch eine Phase niedriger Zinsen tragen kann.“

Die Sparkassen – und auch die Genossenschaftsbanken – müssen ihr Geschäftsmodell überarbeiten, um weiterhin überlebensfähig zu bleiben. Ich halte den Fortbestand der drei Universalbankengruppen in Deutschland für sehr wichtig. Hoffen wir, dass bald innovativere Ideen als eine staatliche Unterstützung von den Kreditinstituten generiert werden.

Reaktion des DSGV

Vor einigen Tagen habe ich meinen Gastbeitrag in Capital hier verlinkt. Daraufhin hat sich der Pressesprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) in einem Kommentar geäussert. Diese offizielle Stellungnahme will ich natürlich den Leserinnen und Lesern meines Blogs nicht vorenthalten. Daher zitiere ich Herrn von Schmettow – unkommentiert und natürlich mit Genehmigung von Capital.

„Herr Prof. Buschmeier behauptet, die deutschen Sparkassen hätten staatliche Hilfen gefordert, um die Niedrigzinsphase zu überstehen. Er tritt einer solchen angeblichen Forderung entgegen.

Hierzu stelle ich fest: Die Behauptung von Herrn Prof. Buschmeier ist nicht nachvollziehbar. Zu keinem Zeitpunkt haben die Sparkassen für sich staatliche Hilfen gefordert, um die Niedrigzinsphase zu überstehen. Auch wenn die Auswirkungen spürbar sein werden, bewältigen die Sparkassen die außergewöhnliche und durch die EZB verantwortete Zinssituation aus eigener Kraft.

Tatsächlich setzen sich die die deutschen Sparkassen seit über 200 Jahren dafür ein, auch Geringverdienern eine eigenständige Vermögensvorsorge zu ermöglichen. Wir verstehen uns als Anwalt der Sparer. Deshalb plädieren wir dafür, Anreize für die eigene Sparvorsorge zu setzen. Der wichtigste Anreiz ist ein angemessenes Zinsniveau. Angesichts seit vielen Jahren nicht erhöhter Einkommens- und Fördergrenzen für die Vermögensbildung sollte allerdings auch die Politik ihren Beitrag leisten. Darauf hat der baden-württembergische Sparkassenpräsident hingewiesen.

Es bleibt das Geheimnis von Herrn Buschmeier, wie er das als staatliche Hilfen für die Sparkassen missverstehen kann. Aus unserer Sicht verlangt das Thema mehr Genauigkeit in der Analyse und in der Kritik.

Alexander von Schmettow

Pressesprecher Deutscher Sparkassen- und Giroverband e.V.“

 

„Tschüs, gute alte Sparkasse“

Die FAZ beschäftigt sich momentan aber wirklich sehr intensiv mit der Sparkassenorganisation. Heute, am heiligen Sonntag, schreibt sie einen Beitrag mit dem Titel „Tschüs, gute alte Sparkasse

In dem Longread werden ausführlich viele Schwierigkeiten der Sparkassen dargestellt. Insbesondere die Kostenstruktur, die ich auch in meinem Capital-Beitrag erwähnt habe, wird genau beleuchtet. Die FAZ benennt das Problem des überbordenden – und damit teuren – Overhead der Organisation:

Die Sparkassen leisten sich viele kostspielige Zentralinstitute mit Vorständen und Verwaltung. Sieben Landesbanken, neun Landesbausparkassen, elf Versicherungsgruppen und elf regionale Sparkassenverbände wirken wie aus der Zeit gefallen.

In einem Blogpost von Anfang 2009 („Staatliche Kreditwirtschaft?“) hatte ich bereits meine Hoffnung geäussert, dass sich auch in der Sparkassenorganisation die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass maximal drei Landesbanken ausreichen. Leider hat sich diese Hoffnung während der letzten sechs Jahre nicht erfüllt. Möglicherweise muss die Situation erst weiter eskalieren, bis sich diese Einsicht bei Sparkassen – und Politik – durchsetzt. Denn man darf nicht vergessen, dass Sparkassen und Landesbanken öffentlich-rechtliche Institute sind, deren Positionen auch gerne mal politisch besetzt werden. Bei Reduzierung des Overheads würden einige Posten, die (Ex-)Politiker versorgen, obsolet.

Und abschliessend noch einen kurzer Hinweis zur Refinanzierungssituation, die die FAZ recht emotionslos beschreibt, obwohl sie in der Vergangenheit bereits zum Zusammenbruch einer sparkassen-ähnlichen Organisation geführt hat. Sparkassen vergeben zur Zeit langfristige Kredite mit niedrigem Zinssatz, z.B. 10-jährige Kredite zu 2%. Das Geld, um diese Kredite vergeben zu können, erhalten sie von ihren Einlegern. Die Anleger parken ihre Gelder auf Girokonten, Tagesgeldern, Festgeldern oder Sparbüchern (ja, immer noch!). Dies sind kurzfristige Anlagen, die z.Zt. mit 0,1 – 0,5% sehr niedrig verzinst werden.

Die geringe Marge wurde bereits thematisiert. Was noch nicht erwähnt wurde, ist die verheerende Situation für die Sparkassen, sobald die Zinsen wieder steigen sollten. Dann haben sie langfristige Kredite zu 2% vergeben und müssen sich zu höheren Zinsen refinanzieren. Genau diese Situation führte in den 80er Jahren zum Zusammenbruch der Savings & Loan Associations in den USA.

Ich hoffe wirklich, dass die Sparkassenorganisation nun endlich anfängt, ihre Kosten zu reduzieren und neue Ertragsquellen zu generieren, bevor es zu einer Situation wie damals in den USA kommt. Die Sparkassen sind eine wichtige Säule des deutschen Banksystems, wenn nicht die wichtigste. Daher erschreckt es mich, wenn nicht die aktuellen Herausforderungen angegangen werden, sondern das bisherige Vorgehen weitergeführt werden soll – zur Not mit staatlicher Unterstützung.

 

Ratingagentur einigt sich aussergerichtlich

Die US-Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hat sich in einem Rechtsstreit mit der US-Regierung und dem Pensionsfonds Calpers geeinigt. Laut CNN zahlt S&P knapp 1,4 Milliarden US-Dollar wegen falscher Ratings für Mortgage Backed Securities. Diese fehlerhaft bewerteten Hypotheken-Kredite waren Auslöser der Finanzkrise in 2008. Die Hälfte der 1,4 Mrd. Dollar erhalten 19 US-Bundesstaaten, die andere Hälfte die US-Regierung. Zusätzlich erhält der kalifornische Pensionsfonds 125 Millionen Dollar, da er bei weiteren Transaktionen durch fehlerhafte Ratings getäuscht wurde.

Sprecher von S&P behaupten, die Einigung sei im Interesse des Unternehmens und seiner Eigentümer getroffen worden. Es seien keine Gesetzesverstöße durch die Ratingagentur nachgewiesen worden.

Bereits im Januar hatte S&P 58 Mio. US-Dollar an die Börsenaufsicht SEC und 19 Mio. Dollar an die Staatsanwaltschaften von New York und Massachusetts gezahlt.

Berichten zufolge blicken die staatlichen Ermittlungsbehörden nun genauer auf Moody’s, die weltweit zweitgrößte Ratingagentur.

Vor diesem Hintergrund ist es fast schon ärgerlich, dass die immer wieder geforderte europäische Ratingagentur nie gegründet wurde. Ratingagenturen scheinen ein gutes Instrument zur Staatsfinanzierung zu sein.