Neues von den Landesbanken

Da wurde gerade mein Beitrag „Viele Landesbanken – wenig Freude für die Sparkassen“ als Bank intern Spezial (XVIII. Jahrgang, Beilage zu Nr. 33/2015) veröffentlicht, schon widersprechen mir (teilweise, nur teilweise!) die nun veröffentlichten Zahlen.

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) steigerte ihren Vorsteuergewinn im ersten Halbjahr um 8 Prozent auf 271 Millionen Euro. Grund seien „gute Wertpapiergeschäfte“, steigende Nachfrage der Unternehmen nach Absicherungsgeschäften und geringere Rücklagenbildung für ausfallgefährdete Kredite. LBBW-Vorstandschef Vetter freut sich, dass die Bank mittlerweile seit dreieinhalb Jahren schwarze Zahlen schreibt. (Quelle: investing.com)
Schwarze Zahlen seit 2011/12 – ein Grund zum Feiern.

Auch von der Bad-Bank-Ex-WestLB-EAA gibt es positive Nachrichten. Innerhalb von fünf Jahren seien beinahe drei Viertel des Kredit- und Wertpapierportfolios der ehemals größten Landesbank abgewickelt. Auch die Derivate im Handelsbestand seien um fast zwei Drittel reduziert worden. Wenn das so gut weiterläuft, sei die Arbeit der Bad Bank schon 2027 abgeschlossen, so EAA-Chef Wargers. (Quelle: Welt)

Und schliesslich die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die einen Rekordgewinn im ersten Halbjahr 2015 vorweisen kann. Vor Steuern erzielte die Bank 362 Millionen Euro. Nach Steuern bleiben 237 Millionen Euro, was im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von 9,7 Prozent bedeutet. (Quelle: Focus)
Die Helaba war als eine der wenigen Landesbanken relativ unbeschadet durch die Finanzkrise gekommen, der scheidende Vorstandsvorsitzende Brenner hat nicht explizit erwähnt, wie lange die Helaba nun in Folge schwarze Zahlen schreibt. Sie war trotz der Krisen nie ernsthaft gefährdet und benötigte auch keine staatlichen Hilfen.

Das sieht bei der noch immer in ihrer Existenz gefährdeten HSH-Nordbank ganz anders aus. Und auch die BayernLB schreibt u.a. wegen der Hypo Alpe Adria einen Verlust von 1,3 Milliarden Euro. Österreich will nicht für die Schulden aufkommen, was die Frage nach dem Wert staatlicher Garantien aufwirft – aber das ist ein Thema für einen weiteren Blogbeitrag.

Da meine Idee zu den Landesbanken in Kurzform lautet „weniger bis eine“, noch kurz der Blick zur Konkurrenz aus dem Genossenschaftslager: das eine Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken, die DZ Bank (das mit dem anderen Spitzeninstitut WGZ Bank gerne bald fusionieren möchte, so dass nur noch eine „Genossenschafts-Zentralbank“ existiert), weist im ersten Halbjahr 2015 einen Vorsteuergewinn von 1,3 Milliarden Euro aus.

Die Sparkassen benötigen dringend ein starkes Zentralinstitut mit einem tragfähigen Geschäftsmodell, um in internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Aber eben keine acht Landesbanken, die der Organisation in Summe Geld kosten.
Und warum eine gut funktionierende Landesbank aus meiner Sicht so wichtig ist, werde ich in meinem nächsten Blogpost erklären. Stay tuned.

Sparkassen-Fachtagung – Nicht Gut

RSGVWährend der Fachtagung Marketing und Vertrieb des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbands (RSGV) durfte ich meine Sorgen bezüglich der Sparkassenorganisation als Keynote-Speaker artikulieren.

Leider (!) steht es um die Sparkassen zur Zeit nicht so gut, wie die aufgestellten Roll-Up-Displays und die Werbegeschenke suggerieren wollen.

Einige meiner Kritikpunkte hatte ich in verschiedenen Beiträgen bereits geäußert (z.B. hier und hier). Freundlicherweise hat mich der RSGV trotzdem – oder gerade deswegen – eingeladen. Für den Vortrag habe ich die Liste noch ein wenig verlängert, aber auch einige Lösungsansätze integriert.

Zum Glück habe ich den Sparkassenmitarbeitern nicht viel Neues erzählen müssen – viele der Kritikpunkte sind in der Sparkassenorganisation bekannt und es wird an Lösungen gearbeitet. Selbstverständlich stießen nicht alle meiner Vorschläge auf sofortige Zustimmung, in Einzelgesprächen im Anschluss wurde aber deutlich, dass auch die Sparkassen sich bewegen wollen.

Problematisch erscheinen mir insbesondere zwei Punkte:
die vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) vorgestellten Lösungen lieferten wenig neue Ideen und
vor allem die extrem hohe Zeitdauer, die zur Einigung auf und Umsetzung von Neuerungen benötigt wird.

Das liegt m.E. an Größe und Aufbau der Sparkassenorganisation. Neue Vorschläge und Konzepte durchlaufen die verschiedensten Ebenen und Verbundstrukturen, ehe -vielleicht- der kleinste gemeinsame Nenner in Angriff genommen wird. Und selbst dann führen möglicherweise einige Sparkassen die Neuerungen nicht, oder erst verzögert, ein. Zusätzlich sorgen Fehlentscheidungen für weitere Probleme.
Ein schönes Beispiel dafür ist der Mobile Payment Anbieter Paydirekt. Um PayPal Konkurrenz zu machen, wollen die deutschen Banken ein gemeinsames System etablieren. Zunächst haben die Sparkassen von einer Mitwirkung abgesehen, um dann ein Jahr später doch mitzumachen. Jetzt kommt es – im Vergleich zu allen anderen Banken – zu einer späteren Einführung des Systems bei den Sparkassen. Das kann sich kein Unternehmen leisten, insbesondere bei der aktuellen Konkurrenz für Kreditinstitute durch FinTechs.

Und ob sich Paydirekt als wirkliche Alternative zu Paypal, Apple Pay etc. etablieren kann, halte ich für fraglich.

Auf der Veranstaltung des RSGV hat sich für mich wieder einmal bestätigt, dass die Sparkassen fähige und kreative Mitarbeiter haben (was ich schon, aber nicht nur, aufgrund meiner eigenen Historie sagen muss). Die komplexe, schwerfällige Organisation verhindert jedoch die schnelle und vollständige Umsetzung jeglicher Neuerungen. Ausserdem befürchte ich, dass sich die Weisheit bewahrheitet, dass wirklich disruptive Ideen nicht aus den althergebrachten, großen Unternehmen hervorgehen.

Die nahe Zukunft wird zeigen, ob die Sparkassenorganisation den Herausforderungen trotzen kann. Ich würde es mir wünschen.

Für bessere Länderratings: jedem Land seine eigene Ratingagentur

Wie die FAZ berichtet, gründet Russland eine eigene Ratingagentur. Dies geschieht als Reaktion auf die schlechte Bonitätsbewertung Russlands durch die drei großen Agenturen. Moskau vermutet politische Motive als Grund für die Einstufung auf „Ramschniveau“.
Die FAZ zitiert die russische Zentralbank mit der Aussage, dass der russische Markt eine „starke Ratingagentur mit einem hohen Maß an Führungsstärke und Professionalität“ brauche. Sie solle in der Lage sein, die „Interessen der Wirtschaft“ zu erfüllen. Bereits in der letzten Woche sorgte der russische Präsident Putin dafür, dass die Tätigkeit internationaler Ratingagenturen gesetzlich reguliert werden, um den unterstellten politischen Motiven entgegenzutreten.

Damit bestätigt Moskau meine Vorbehalte, die ich vor einiger Zeit – auch an dieser Stelle – gegenüber einer Europäischen Ratingagentur geäußert habe. Einige Stimmen forderten sogar die Gründung einer Deutschen Ratingagentur, nachdem u.a. die falschen Ratings durch die großen drei die Finanzkrise ausgelöst hatten. Meine Befürchtung war, dass die Unabhängigkeit und damit die Vertrauenswürdigkeit dieser Agenturen nicht gegeben ist. Und bereits damals schrieb ich, dass eine deutsche Ratingagentur dazu führen würde, dass Griechenland, Italien, Portugal, Frankreich etc. jeweils auch eine eigene Agentur gründen würden. Und wie würden wohl die Ratings der eigenen Länder aussehen?

Mein Dank geht an Putin, der wie so oft klare Worte findet. Ihm gefällt Russlands Rating nicht, er unterstellt politische Motive und gründet für ein besseres Rating eine Russische Ratingagentur. So einfach steigert man die Bonität. Das kostet lediglich 48 Millionen Euro, mit denen die neue Agentur zunächst ausgestattet wird.

Bankfilialen sterben aus

Und eine weitere Studie – dieses Mal von der DZ Bank. Das Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken schätzt, dass bis zum Jahre 2030 die Zahl der Bankfilialen auf weniger als 20.000 bundesweit zurückgehen wird. Im Vergleich: die Bundesbank hat für 2013 ca. 36.000 Filialen gezählt, was gegenüber 2010 bereits einen Rückgang von mehr als 5% bedeutete. Behält die DZ Bank mit ihrer Schätzung Recht, entspräche das einem Rückgang von über 40%.

Einige Filialschliessungen sind bereits angekündigt. Die Hypo-Vereinsbank schliesst etwa die Hälfte, die Deutsche Bank 200 ihrer Zweigstellen. Selbstverständlich planen auch die in der Fläche breit aufgestellten Sparkassen und Genossenschaftsbanken Filialschliessungen bzw. Umwandlungen in SB-Stellen mit Kontoauszugsdrucker, Geldautomat und Serviceterminal.

Für die Zahl der Bankangestellten bedeutet das natürlich ebenfalls einen Rückgang von ca. 614.000 auf weniger als 500.000, so die DZ Bank.
Gründe für das Filialsterben und den Abbau von Beschäftigten sei der Konkurrenzkampf mit reinen Online-Banken, sinkende Zinsmargen und die schrumpfende Rentabilität der gesamten Branche. Hinzu kommen Kosten für die Modernisierung der IT und zusätzliche Regulierungsauflagen.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW kommt zu ähnlichen Ergebnissen und befürchtet eine Konzentration im regionalen Bankenmarkt. Dies könne negative Auswirkungen auf den Zugang zu Krediten für KMU haben.
[Quelle: Handelsblatt]

Banken müssen sich auf sinkende Erträge einstellen

Vor einigen Tagen hat die Boston Consulting Group (BCG) eine Studie veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass sich Banken in den kommenden fünf Jahren auf weiter sinkende Erträge im Privatkundengeschäft einstellen müssen.

BCG schätzt, dass die Erträge um fünf bis 25% sinken werden. Als Folge davon wird erwartet, dass auch die Filialkapazitäten um 30% bis 50% sinken.
Gründe dafür sind die Digitalisierung und niedrige Zinsen.

BCG teilt meine Auffassung, dass reine Kostensparprogramme den Banken nicht dauerhaft helfen werden. Laut der Unternehmensberatung müssen die Kreditinstitute in digitale Projekte investieren und ggf. auch enger mit FinTechs kooperieren. [Quelle: Reuters]

Vor einiger Zeit hatte ich bereits darauf hingewiesen, dass m.E. Kosteneinsparungen nicht ausreichen werden, sondern die Banken neue Ertragsquellen erschliessen müssen. Und wie Bankgeschäfte im digitalen Zeitalter funktionieren können, machen ihnen die FinTechs doch vor. Für den speziellen Fall der Sparkassenorganisation bin ich der Meinung, dass der Ruf nach Staatshilfen, z.B. in Form einer Sparprämie, weder berechtigt noch dauerhaft zielführend ist.