Investitionsstau oder EK-Finanzierung?

Gerade habe ich an dieser Stelle über eine Studie des Deutschen Sparkassen-und Giroverbands (DSGV) berichtet, in der Sparkassenpräsident Fahrenschon zu den Ergebnis kommt, dass im deutschen Mittelstand – aufgrund geringerer Kreditnachfrage bei den Sparkassen – ein Investitionsstau herrsche und die KMU „ins Hintertreffen“ geraten könnten.

Heute berichtet Springer Professional über die gleiche DSGV-Studie. Die Autorin kommt jedoch zu einem deutlich anderen Ergebnis als der Sparkassenpräsident. Aufgrund der Finanzkrise setzten mittelständische Unternehmen seit 2009 stark auf Finanzierung durch Eigenmittel. Bei Fremdkapitalfinanzierungen entscheiden sie sich in erster Linie für Bankkredite und nicht für Finanzierungen über den Kapitalmarkt. Und wieder wird DSGV-Präsident Fahrenschon zitiert. Dieses Mal mit der Aussage, dass der klassische Hausbankkredit für KMU ein bewährtes Finanzierungsinstrument sei.

Kann er sich mal entscheiden? Investitionsstau oder nicht?

Völlig unverdächtig ist das folgende Zitat von Fahrenschon: „Eine Öffnung der Kapitalmärkte geht bei diesen Unternehmen am Bedarf vorbei.“

Logisch.
Die Kapitalmärkte – mit ihren günstigeren Finanzierungsalternativen – müssen nicht für KMU geöffnet werden. Das wollen die doch gar nicht. Die wollen einen schönen Bankkredit von ihrer Hausbank. Und die Anleger bekommen ein Sparbuch.

Ich hoffe, dass zumindest intern bei den Kreditinstituten ein Umdenken stattfindet. Allerdings freue ich mich auch auf Fintechs, die den verkrusteten Markt hoffentlich bald aufmischen. Die Banken wollen wohl ihr altes Geschäftsmodell verteidigen und nicht innovativ werden.

DSGV-Studie zum Mittelstand

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) fand in einer Studie heraus, dass sich der deutsche Mittelstand mit größeren Investitionen zurückhält. Ein Grund dafür seien die weltweiten Krisen.

Im Handelsblatt wird über die Studie berichtet, die auf der Auswertung von ca. 250.000 Unternehmensbilanzen beruht. Daher beziehen sich die Daten auf die Jahre 2012 und 2013. Für die kommenden 12 Monate, d.h. für das Jahr 2014, wollten nur 19,7% der Unternehmen Investitionen in ihre Expansion tätigen – in 2012 waren es noch 27,5%.

Ein Vorteil dieser Zurückhaltung ist die Erhöhung der durchschnittlichen Eigenkapitalquote der KMU auf 22,3% in 2013 (im Vergleich zu 19,7% in 2012).

Sparkassenpräsident Fahrenschon konstatiert, dass sich der „Investitionsstau bei den Unternehmen bislang nicht aufgelöst“ habe. Die Begründung für den „Investitionsstau“ ist die Angabe der Sparkassenmitarbeiter, dass mittelständische Kunden rund 46% weniger Investitionsmittel abgerufen hätten als im Jahr davor. Fahrenschon sorgt sich, dass aufgrund der fehlenden Investitionen die deutschen KMU „ins Hintertreffen“ geraten könnten.

Natürlich müssen Kreditgeber klagen, wenn sie weniger Kredite vergeben können. Aber herrscht im deutschen Mittelstand tatsächlich ein Investitionsstau? Ein vernünftiger Grund – die Unsicherheit aufgrund weltweiter Krisen – wurde doch in der Studie genannt. Ich warte auf die ersten Kommentare, die von einer Kreditklemme sprechen – obwohl man als Verbandspräsident kaum deutlicher „nehmt unser Geld!“ rufen kann.

Laut der DSGV-Studie ist die Umsatzrentabilität von 7,4% auf 6,4% gesunken. Die Begründung lautet: schwache Wirtschaftsentwicklung und steigende Kosten. Und bereits vor der Einführung des Mindestlohns stiegen die Personalkosten in 2013 um 1,2%. Demgegenüber wirke der sinkende Ölpreis und der schwache Euro wie ein Sonderkonjunkturprogramm für die KMU.

Kundenvertrauen in Banken? Nope.

Die Unternehmensberatung steria mummert consulting hat einen Branchenkompass Banken 2014 veröffentlicht. Als Hauptergebnis wird genannt, dass die Banken sich untereinander wieder vertrauen. Die Bereitschaft zur Kooperation läge wieder auf Vorkrisenniveau.

Das Kundenvertrauen sei jedoch verloren und lasse sich in absehbarer Zeit nicht zurückgewinnen, so 2/3 der Bankenvertreter.
Da frage ich mich doch: das nehmen die Banken jetzt einfach so hin? Gibt es Gegenmaßnahmen, um wieder Vertrauen aufzubauen? Oder reicht es den Kreditinstituten, wenn sie zumindest wieder miteinander spielen?
Gerade habe ich über die BIZ-Studie berichtet, die besagt, dass das Privatkundengeschäft wesentlich ertragreicher und weniger volatil als das Investmentbanking ist. Und die Banken sagen einfach: uns vertraut eh keiner und das wird sich auch nicht so schnell ändern.

Als wäre diese Haltung noch nicht genug, um offenen Auges ins Verderben zu laufen….nein, der Zahlungsverkehr – als Verbindung zum Bankkonto und damit zum Kunden – wird bedroht von Internet- und Mobilfunk-Zahlungssystemen. Die Banken wissen auch, was sie eigentlich machen müssten. Und die fachlichen und technischen Fragen sind geklärt.
Aber: sie können sich nicht auf einen gemeinsamen Standard einigen.

Und dann kommt noch die Konkurrenz von jungen Finanz-StartUps hinzu. Was machen die Banken diesbezüglich?
Sie wissen es nicht!
Sind die Fintechs Konkurrenz? Sollte man mit ihnen kooperieren? Oder vielleicht doch besser den Kopf in den Sand stecken?
Lassen wir den Kreditinstituten noch etwas Zeit, um darüber nachzudenken. Paypal, Apple Pay und Konsorten….braucht und nutzt doch kein Mensch.

Was soll man dazu noch sagen? Hoffen die Banken, dass das böse Internet wieder verschwindet, wenn sie nur ganz fest die Augen zumachen? Oder dass der Steuerzahler ihr Geschäftsmodell in alle Ewigkeit rettet? Dass die Kunden hinnehmen, dass die Banken das verlorene Vertrauen einfach verloren geben, ohne wenigstens den Versuch zu unternehmen, es wiederherzustellen?

Ich verstehe das nicht – vielleicht gibt es ja Erklärungsansätze in den Kommentaren.

[Kurzer aktueller Nachtrag: How LendingClub aims to end banking as we know it]

Lang nichts gehört, doch leider unvergessen

Die Finanztransaktionssteuer.

Reuters berichtet, dass elf Staaten der Eurozone weiterhin an der umstrittenen Steuer festhalten und Anfang 2015 eine Einigung erzielen wollen. Insgesamt erscheint als Starttermin 2016 möglich, aber schwierig.

Die Parlamentsfraktionen von SPD und SPÖ – beides Regierungsparteien in Deutschland und Österreich – fordern die Einführung und eine breite Bemessungsgrundlage für die Finanztransaktionssteuer.

Die Spin Doktoren und PR-Stäbe der an der Steuer interessierten Parteien werden nicht müde zu erklären, sie sei dafür gedacht, die Banken für ihre Rettung zahlen zu lassen. Das trifft in der Bevölkerung, bei der aktuellen Stimmungslage gegenüber Kreditinstituten, natürlich auf Zustimmung.
Vergessen wird dabei jedoch, dass jeder einzelne Anleger diese Steuer zahlt, egal ob Groß-, Klein-, oder Institutioneller Anleger. Insbesondere, wenn sich die SPD mit der gewünschten „breiten Bemessungsgrundlage“ durchsetzen sollte und und nicht nur der Aktien- und Derivatehandel besteuert wird.

Sie wollen eine „sichere“ Anleihe für Ihre Altersvorsorge kaufen? Finanztransaktionssteuer fällig. (Möglicherweise werden Staatsanleihen von der Steuer ausgenommen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt)
Sie erhalten von Ihrem Arbeitgeber Vermögenswirksame Leistungen und investieren sie in einen Fondssparplan? Finanztransaktionssteuer fällig (nicht nur bei Ihrem Kauf und Verkauf des Anteils, sondern bei jeder Transaktion innerhalb des Fonds).
Sie besitzen einen aktiv gemanagten Aktienfonds (was aus verschiedenen Gründen keine gute Idee ist)?
Bei jeder Transaktion fällt die Steuer an.

Die genaue Ausgestaltung der Finanztransaktionssteuer ist noch nicht klar, im Gespräch sind 0,1%. Das klingt erstmal nicht viel, beim aktuellen Zinsniveau können die 0,1% bei Kauf und 0,1% bei Verkauf schon mal die Rendite um ein Drittel kürzen. Dazu kommt dann natürlich noch die Kapitalertragsteuer von 25% (die von politisch geneigter Seite auch gern in die Einkommensteuer überführt würde, also im Maximum 45%).

Selbst bei der momentanen Mini-Inflationsrate von 0,6% führt das zu einem realen Vermögensverlust – daran trägt zwar die Finanztransaktionssteuer nicht die alleinige Schuld, verstärkt aber den Gesamteffekt.

Übrigens: Anleger mit entsprechenden Möglichkeiten können die Belastung durch die Steuer leicht umgehen. Z.B. indem sie ihre Handelsaktivitäten nach London verlegen.

CoCo-Bonds – Convert to Steal

Heute erreichte mich eine Pressemitteilung der Technischen Universität München, die die Ergebnisse einer modelltheoretischen Untersuchung von CoCo-Bonds, also von bedingt wandelbaren Anleihen, darstellt. Das Working Paper von Tobias Berg und Christoph Kaserer mit dem Titel „Does Contingent Capital Induce Excessive Risk-Taking?“ findet sich hier und wird im Journal of Financial Intermediation veröffentlicht (Glückwunsch).

Die Kurzversion:
Eine Lehre aus der Finanzkrise ist, dass Banken mehr Eigenkapital benötigen, damit sie bei neuen Krisen nicht (wieder) vom Steuerzahler gerettet werden müssen. Eigenkapital, bzw. genauer Kernkapital, ist für Banken jedoch nicht so einfach zu attrahieren. Hauptsächlich handelt es sich um Aktien, deren Platzierung insbesondere in Krisenzeiten schwierig ist. Um die höheren Eigenkapitalanforderungen zu erfüllen, setzen Banken wandelbare Anleihen ein. Diese CoCo-Bonds haben einen festen Zinssatz und werden unter bestimmten Bedingungen in Eigenkapital der Bank umgewandelt, i.d.R. bei Unterschreiten der 7 Prozent-Kernkapitalquote. Die bisherigen Fremdkapitalgeber werden dann zwangsweise Aktionäre oder müssen vollständig auf ihre Ansprüche verzichten.
Die Anleihen sind leichter zu platzieren als z.B. Aktien und bieten den Investoren höhere Zinsen als andere Unternehmensanleihen.

Sinn dieser Erhöhung der Eigenkapitalanforderungen und damit auch der CoCo-Bonds ist die Erhöhung der Stabilität des Bankensystems. Ob dies tatsächlich funktioniert untersuchten die Professoren Berg und Kaserer in ihrer Studie.

Sie stellten fest, dass bei etwa der Hälfte der emittierten CoCo-Bonds ein Write-Down Mechanismus im Vertragsverhältnis festgeschrieben wurde. Bei Unterschreiten der kritischen Kernkapitalquote werden diese Bonds nicht in Aktien der Bank umgewandelt, sondern die Gläubiger verlieren ihre Ansprüche. Bei den anderen Verträgen war das festgelegte Umwandlungsverhältnis von Bonds in Aktien für die Investoren sehr ungünstig. Der Gesamtwert der Aktien läge niedriger als der Gesamtwert der Anleihen.

Kurzer Einschub: ich kann gar nicht oft genug wiederholen, wie wichtig es ist, die Vertragsbedingungen zu lesen!

Der Neo-Instututionalist in mir freut sich über die weiteren Fragen und Ergebnisse der Studie. So wurde festgestellt, dass neben den Gefahren für die Anleger durch die CoCo-Bonds zusätzlich Anreize für das Bankmanagement bzw. die Anteilseigner geschaffen werden, eine Krise zu verstärken. Gerät die Bank in Schwierigkeiten, könnte sie absichtlich ihre Lage verschlechtern, um die Umwandlung der Anleihen auszulösen. So würde die Bank einen Teil der Schulden auf Kosten der ehemaligen Fremdkapitalgeber los.

Dies erinnert mich stark an die Krise der Savings and Loan Associations in den USA in den 1980ern. Damals hatten die Banken auch Anreize zum „Gambling for Resurrection“. History repeating?
Würden jedoch die Anleihen zum Marktwert getauscht, hätten Convertible Bonds tatsächlich die erhoffte stabilisierende Wirkung auf das Bankensystem. Die Altaktionäre würden alles unternehmen, damit die Umwandlung nicht ausgelöst wird und die vielen neuen Aktionäre die bisherigen Beteiligungsquoten nicht verwässern.

Je nach Vertragsgestaltung können CoCo-Bonds also tatsächlich einen Beitrag zur Stabilisierung leisten und zusätzlich eine gut verzinste Anlage für Investoren darstellen.

Bedeutungsverlust der Ratingagenturen?

Mit dem Titel „AAA? Egal!“ beschrieb vor einigen Tagen die Süddeutsche Zeitung den Macht- und Bedeutungsverlust der großen Ratingagenturen. Sechs Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise seien die Urteile der Agenturen in Teilen irrelevant. Insbesondere habe sich die Bedeutung der Länderratings deutlich reduziert, was mit den Haftungszusagen der Europäischen Zentralbank EZB zusammenhängt. EZB-Präsident Mario Draghi hatte 2012 in seiner „Whatever it takes“-Rede die sehr lockere Geldpolitik mit Nullzins (bzw. mittlerweile mit negativen Einlagenzinsen) und Staatsanleihenkäufen angekündigt.

Damit sind Länderratings tatsächlich irrelevant – die EZB wird’s schon richten. Einzig die Unterscheidung von Investment Grade und Speculative Grade ist noch interessant, weil viele institutionelle Investoren laut ihren Anlagerichtlinien nur im Investment Grade investieren dürfen.

Unternehmensratings, so die SZ, seien jedoch nach wie vor wichtig. Ein Vertreter der Bremer Landesbank wird mit der Aussage zitiert, dass die Ratingagenturen bei Unternehmensratings einen „unpolitischen und zumeist guten Job“ machen. Das sei auch wichtig, da aufgrund der niedrigen Verzinsung staatlicher Wertpapiere viele Investoren die höher verzinsten Unternehmensanleihen kauften.

Scheinbar ist die Ratingwelt in Ordnung. Diejenigen, die am lautesten gegen die Agenturen wetterten – die Politiker der vermeintlich zu schlecht bewerteten Länder – sind dank der „unabhängigen“ Zentralbank ruhig gestellt. Laut wird es kurzzeitig nur, wenn mal eine (riskante und daher gut verzinste!) Unternehmensanleihe, z.B. bei den erneuerbaren Energien, ausfällt. Da geht es dann aber weniger um Ratings als vielmehr um den zu verbessernden Anlegerschutz.

Das Problem des unvollkommenen Wettbewerbs auf dem Ratingmarkt wurde bisher nicht gelöst. Der SZ-Artikel hilft jedoch meinem Modell (Miniversion: Banken können die Bonität von Unternehmen mindestens genauso gut einschätzen wie Ratingagenturen, die Buchversion gibt es hier). Bei fast allen meiner Vorträge war eine wesentliche Frage der Teilnehmer: können Kreditinstitute Länderratings durchführen? Diese Frage scheint – zumindest momentan – irrelevant, auch wenn ich schon damals eine passende Lösung hatte.

Ich teile die Einschätzung der SZ, dass Unternehmensratings enorm wichtig sind. Dann ist aber der Zustand des Ratingmarktes aus Investorensicht extrem unbefriedigend.
Ein Duopol, das „zumeist“ einen guten Job macht?
Welcher Investor will sich darauf verlassen?

Völlig uneigennützig halte ich es für an der Zeit, sich mein Modell zur Erhöhung des Wettbewerbs und der Transparenz auf dem Ratingmarkt mal wieder anzusehen.

Banken bauen Arbeitsplätze ab

Das behauptet zumindest Bain & Company (via Reuters). Die Managementberatung sieht deutsche Banken vor einem radikalen Ausleseprozess. Langfristig könnten sich nur drei Geschäftsmodelle durchsetzen: globale Universalbanken wie die Deutsche Bank, Regionalinstitute wie Sparkassen, Genossenschaftsbanken und die Commerzbank (sic!) sowie spezialisierte Häuser, z.B. reine Vermögensverwalter. Der Bain-Deutschlandchef Sinn sieht am Ende des Prozesses weniger Banken, die jedoch fokussierter und renditestärker seien.

Um zu dieser Aussage zu kommen, hat Bain die Geschäftsabschlüsse von knapp 2.000 Banken in Deutschland seit dem Jahre 1970 einem Langzeitcheck unterzogen.

Nachdem wir jetzt fertig gelacht haben, schauen wir uns die Aussagen nochmal an:

Bain prognostiziert drei zukunftsfähige Geschäftsmodelle.
Welcher Zeithorizont ist denn bei Bain „langfristig“?
Und gibt es denn neben den genannten Modellen noch erwähnenswerte andere? Die kleineren Privatbanken spielen doch ohnehin keine nennenswerte Rolle mehr, oder sind unter das Dach einer großen Mutterbank geschlüpft.

Gute Arbeit, Bain. Wir werden also zukünftig große Universalbanken, Sparkassen, Genossenschaften und „spezialisierte Häuser“ haben. Schon dafür hat sich der Langzeitcheck gelohnt. Und dass die Commerzbank als Regionalinstitut nach Sparkassen und Genossen genannt wird.
So wird das aber nichts mit einem Beratungsauftrag dort.

Als Haupttreiber für diese Entwicklung sieht Bain den zunehmenden Kostendruck in der Branche. Auch eine komplett neue und überraschende Erkenntnis. Nichts mit Apple Pay, Crowdfunding, internetbasierten neuen Geschäftsmodellen. Die werden nicht erwähnt. Nein. Der gute alte Kostendruck treibt die Banken um. Die Eigenkapitalrendite liege durchschnittlich bei 1,6%, daher sagt der Berater, was der Berater sagen muss: Kostenreduzierung. Bain sieht die Schließung von 11.000 Bankfilialen und den Abbau von knapp 130.000 Arbeitsplätzen voraus.
Ich bin sicher, dazu gibt es viele schöne PowerPoint Seiten.

Und zu guter Letzt will der Bain-Chef die seit einigen Jahren laufenden Spar- und Umbauprogramme nicht konkret bewerten. Ich vermute, Bain war nicht daran beteiligt (sonst wären die Maßnahmen natürlich zukunftsweisend), will aber noch den ein oder anderen Auftrag ziehen.

Ach ja, die Beraterzunft.

Wer hat Angst vor Schattenbanken?

Alle, wie es scheint.

In meinem Blogpost vom 22.09. habe ich bereits über die bösen „Schattenbanken“ berichtet. Nun warnt auch der Internationale Währungsfonds (IWF) vor zunehmenden Risiken für das Finanzsystem [Quelle: Welt]. Für „normale“ Banken wurde seit der Finanzkrise eine Vielzahl an Regeln implementiert, diese „Schattenbanken“ dürfen hingegen machen, was sie wollen.

Als „Schattenbanken“ werden Finanzinstitutionen bezeichnet, die bankähnliche Geschäfte tätigen, aber nicht offiziell zu Kreditinstituten zählen – und damit auch nicht der zunehmend strengeren Regulierung dieser unterliegen. Dazu zählen die ebenfalls negativ konnotierten Hedgefonds, Geldmarktfonds und andere „Vermögenssammelstellen“.

Sorgen macht dem IWF insbesondere die Tatsache, dass Investmentfonds nicht mehr nur Wertpapiere kaufen, sondern auch Kredite an Unternehmen vergeben. Das Kreditgeschäft von Banken ist streng reguliert und in Europa wird gerade eine gemeinsame Aufsichtsbehörde – die European Banking Authority EBA – eingeführt. Für Fonds gibt es keine entsprechende Regulierung. Dementsprechend fordert der IWF eine Verschärfung der Aufsicht über die „Schattenbanken“.

Aus meiner Sicht existiert jedoch ein wesentlicher Unterschied zwischen Banken und Investmentfonds:
Banken nehmen Anlegergelder auf der Passivseite der Bilanz entgegen, z.B. in Form von Sparbüchern, Termingeldern, Inhaberschuldverschreibungen (IHS), und verleihen sie auf der Aktivseite an Unternehmen in Form von Krediten. Der Anleger weiß also i.d.R. nicht, wie sein Geld von der Bank investiert oder angelegt wird. Er vertraut auf die Bonität der Bank und hofft, dass er Zinsen und Geld am Ende der vereinbarten Laufzeit zurück bekommt. In diesem Modell ist es richtig, dass der Anleger durch Regulierung und ggf. eine staatliche Einlagensicherung geschützt wird.
(Warum es sinnvoll ist, Banken als Finanzintermediäre zu nutzen, welche Transformationsaufgaben Banken übernehmen und was das Diamond-Modell sagt, müsste einmal in einem weiteren Post dargestellt werden)

Bei Investmentfonds weiß der Anleger – wenn er sich die Anlagerichtlinien des Fonds ansieht – WAS ER TUN SOLLTE! – sehr genau, wie der Fonds sein Geld anlegt. Die Risikostreuung nimmt jeder Anleger durch seine Fondsauswahl selbst vor und nicht die Bank durch Diversifikation ihres Kreditportfolios. Will der Anleger in deutsche Aktien investieren, kauft er sich z.B. einen Fonds, der in DAX-Titel investiert (auch die Frage nach aktiv bzw. passiv gemanagten Fonds und ETFs werden an dieser Stelle nicht behandelt). Das Fondsmanagement darf von den Vorgaben nicht abweichen, lediglich Hedgefonds haben einen größeren Spielraum (im wahrsten Sinne des Wortes).

Ich sehe daher keine besondere Schutzbedürftigkeit des Anlegers, neben korrekter Beratung und Schutz vor Betrug. Und dafür existieren bereits Gesetze. Möglicherweise vertrete ich eine Minderheitsmeinung, aber ich halte es für nicht übertrieben, zu erwarten, dass Anleger sich durchlesen, wie sie ihr Geld investieren. Wenn sie sich für riskante Varianten entscheiden, sollte nicht die Allgemeinheit in Form von Steuergeldern dafür gerade stehen. Ja, damit meine ich auch Menschen, die wegen 2% – 3% höherer Zinsen ihr Geld an isländische Banken gegeben haben.
Greed is not always good – sorry Gordon Gekko.

Die Mehrheitsmeinung, insbesondere in Deutschland, ist jedoch eher, dass die Menschheit vor sich selbst und ihren freien Entscheidungen geschützt werden muss. Durch Gesetze, Regulierung und gerne auch Steuern. Der IWF sieht das wohl ähnlich.

 

Neuer Anlauf: Europäische Ratingagentur

Nachdem ich bereits in meinem letzten Post berichtete, dass der ehemalige Leiter von S&P-Deutschland Torsten Hinrichs Chef der deutschen Scope Ratings wurde, gibt es jetzt erste weitere Berichte.

In einem Artikel des Standards wird Hinrichs zitiert mit
„Ja, wir wollen die führende europäische Ratingagentur werden.“

An dieser Stelle von mir schon mal: viel Glück.

Immerhin konnte Scope Herrn Hinrichs nach 15 Jahren S&P von der Idee überzeugen. Neben der Vision zur führenden europäischen Agentur aufzusteigen gab es vermutlich auch noch einen kleinen monetären Anreiz.
Als weiteren Promi konnte Scope Ratings Sam Theodore gewinnen. Der war bei Moody’s für Bankenratings zuständig.
Diese Einkaufstour durch den Personalmarkt konnte Scope durchführen, weil neue (nicht weiter genannte) Investoren gefunden wurden.

Und wie will diese Ratingagentur, die keine Länderratings durchführt und sich auf die Bewertung von Banken, Unternehmen sowie Finanzprodukten spezialisiert, jetzt führend in Europa werden? USP? Innovativer neuer Ratingansatz? Anderes Entlohnungsmodell, kein Issuer-Pays-Model?

Nichts davon.

Scope habe keine angelsächsische Brille auf und könne europäische Besonderheiten berücksichtigen.

Das ist ja mal ein neues, originelles Argument.
Nicht.

Ich werde gespannt die weitere Entwicklung verfolgen und berichten.

Who said Kreditklemme?

Die Frankfurter Rundschau berichtet, dass es für deutsche Unternehmen einfach und billig wie nie sei, Kredite bei Banken aufzunehmen. Sie beruft sich dabei auf eine Untersuchung des Ifo-Instituts, an dem 4.000 Unternehmen teilnahmen.

Lediglich 19,2% der Firmen beklagten eine restriktive Kreditvergabe – dies sei ein historischer Tiefststand. Den leichtesten Zugang zu Bankkrediten erhielten nach dieser Studie große Industriebetriebe, in der Baubranche gibt es die meisten Klagen über restriktive Kreditvergabe. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn erkennt daher ein sehr gutes Finanzierungsumfeld für deutsche Unternehmen.

In den Krisenländern ist der Kreditzugang für Firmen wesentlich schlechter. Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage und eigenen Problemen der Banken halten sich Kreditinstitute bei Unternehmenskrediten zurück. Die EZB überlege daher, nur noch Banken günstig zu refinanzieren, „die den Unternehmen in ihren Ländern auch mehr Kredite geben“.

Über diese Idee der EZB kann man trefflich streiten: ist es Aufgabe einer Zentralbank, in die Geschäftspraktiken der Banken so direkt Einfluss zu nehmen?