FinTech weltweit

Auf dem „Bank Blog“ des Kollegen Leichsenring habe ich einige interessante Infografiken zu FinTechs weltweit gefunden und verlinke sie hier für meine Leserinnen und Leser.

Spannend finde ich, dass das durchschnittliche Alter der „Start Ups“ bei sechs (!) Jahren liegt und dass China, zusammen mit den USA und UK vorne liegt.

Die wichtigsten Geschäftsfelder sind – erwartungsgemäß – Lending und Payments.

Weltweit schätzt McKinsey die Anzahl der FinTechs auf über 12.000, „Venture Scanner“ hat 1.362 Unternehmen untersucht, die ein durchschnittliches Funding pro Unternehmen von 44 Millionen US-Dollar aufwiesen (in diesem Zusammenhang finde ich allerdings die Verwendung des Durchschnitts wenig aussagekräftig).

Ein weiterer Beitrag, den ich verlinken möchte, berichtet, dass die Deutsche Bank ihre IT Infrastruktur erneuert, um mit der Fintech Konkurrenz mithalten zu können. Und nachdem Kollege Björn Sänger und ich seit Jahren den Kreditinstituten bei unseren Beratungen erklären, dass sie auf einem Datenschatz sitzen, muß ich nun feststellen, dass die Deutsche Bank das auch ohne uns herausgefunden hat.

FinTechs im Bankenverband?

Bereits am 09. November hat der Vorstand des Bankenverbands beschlossen, dass FinTechs als ausserordentliche Mitglieder mitwirken dürfen. Gleichzeitig fordern die Banken jedoch – genau wie die Sparkassenorganisation – ein regulatorisches level-playing-field bei Bankgeschäften. Dieses müssten Politik und Aufsicht sicherstellen.

Während die Sparkassen lediglich gleiche Regulierungsbedingungen fordern, wählt der Bankenverband einen cleveren Ansatz, indem sie FinTechs in die Interessenvertretung privater Banken einbinden wollen. Die jungen Finanzdienstleister sollten jedoch aufpassen, dass sie von der Umarmung des Verbands nicht erdrückt werden. Schliesslich sind sie Wettbewerber der traditionellen Kreditinstitute und wollen sie – zumindest teilweise – überflüssig machen. Eine (ausserordentliche) Mitgliedschaft wäre in etwa so, als wollte Amazon seine Interessen vom Buchhändlerverband vertreten wissen.

Das von den Kreditinstituten geforderte regulatorische level-playing-field ist nicht zu beanstanden, sofern FinTechs tatsächlich regulierungswürdige Dienstleistungen anbieten. Diese sind m.E. insbesondere klassische Aufgaben der Banken, nämlich Annahme von Einlegergeldern und Vergabe dieser Anlegergelder als Kredite, mit der Bank als Intermediär. Allerdings erfüllen diese Aufgabe die meisten FinTechs eben nicht.

Ich halte es für sinnvoller, wenn FinTechs das unbestritten notwendige „Regulierungs-Know-How“ durch einen eigenen Verband erarbeiten und ihre Interessen bei Politik und Aufsichtsbehörden unabhängig von den traditionellen Banken vertreten lassen.

FinTech Übersicht

Da in meinen Beiträgen immer häufiger FinTechs als schnelle, innovative Wettbewerber von den Banken genannt werden, will ich dieser Stelle zwei Übersichten von Berater- und Bloggerkollegen verlinken.

Zum einen die Mindmap von PaymentAndBanking zu den deutschen FinTech StartUps, in der eine Sortierung und Übersicht gegeben wird, zusammen mit einer Liste der URLs der genannten FinTechs.

Eine interessante Klassifizierung und Übersicht über die Investoren bietet auch Barkow Consulting.

Ich gehe davon aus, dass FinTechs kein vorübergehendes Phänomen sein werden (wie vielleicht einige traditionelle Banken hoffen), daher werde ich auch an dieser Stelle über neue, interessante Entwicklungen hinweisen.

Bigger is not always better

Das Wirtschaftsmagazin Capital hat gestern einen umfangreichen Beitrag über die Zukunft der Universalbanken veröffentlicht. Danach kämpfen die „Dinosaurier-Banken“ um ihr Überleben. Die Situation scheint so dramatisch zu sein, dass sogar Goldman Sachs Konsumenten und kleine Unternehmen als Kunden gewinnen will. Goldman Friggin Sachs!

Wird jetzt aus „too big to fail“ „too small to matter“? In den letzten zwei Jahren strichen die Großbanken nahezu 160.000 Jobs, HSBC will bis zu 50.000 Mitarbeiter loswerden und die Bilanz verkürzen.

Ist das tatsächlich ein Strategiewechsel, wie Capital berichtet, oder wollen die Banken einer von politischer Seite geforderten Zerschlagung zuvorkommen?

Als erfolgversprechend beschreiben die Capital-Autoren die Fokussierung auf wenige Geschäftsbereiche, schlanke Strukturen und einfache Produkte. Dem letzten Punkt kann ich nur zustimmen, wenn die Kunden tatsächlich risikobewusster geworden sind und sich keine Produkte mehr andrehen lassen, die sie nicht verstehen. Komplizierte Finanzkonstruktionen haben den Investment Banks schliesslich exorbitante Renditen gebracht.

Laut Capital sei der Rückgang der Zinsmarge im Kreditgeschäft eine größere Belastung für die Banken als die Skandale der letzten Jahre, inklusive der Strafzahlungen in Milliardenhöhe. Und aufgrund der strengeren Regulierung sei auch der ehemals lukrative Eigenhandel keine gute Erlösquelle mehr.

Hinzu kämen neue Konkurrenten in Form kleiner FinTechs und großer Technologiefirmen wie Apple und Facebook, die nicht den Anspruch haben, eine Universalbank ersetzen zu wollen. Sie suchen sich für sie ertragreiche Teile der Wertschöpfungskette.

Neben schlechten Ertragsaussichten drücken die Banken hohe Kosten, die kurzfristig nicht gesenkt werden können. Die Beratungsfirma Ernst & Young errechnete, dass europas Großbanken ihre Kosten um ein Fünftel senken und gleichzeitig ihre Umsätze um 15% erhöhen müssten, um zumindest ihre Kapitalkosten einzuspielen.

Es gäbe nun drei Möglichkeiten für die Banken, den Niedergang abzuwenden: Reduzierung der Bilanzen, sparen und schlank werden sowie die Konzentration auf gewinnbringende Geschäftsfelder.

Nach der von den Autoren aufgeworfenen Frage, ob zukünftig überhaupt noch globale Universalbanken gebraucht werden, schliesst der Artikel versöhnlich. „Eine globalisierte Wirtschaft und globale Unternehmen werden auch künftig global tätige Banken brauchen.“

Da möchte ich gern widersprechen. Sicherlich wird die Dienstleistung der Banken auch in Zukunft gebraucht werden. Ob aber dafür Großbanken benötigt werden, oder ob neue Wettbewerber mit dispruptiven Lösungen diese Dienstleistungen nicht wesentlich besser erbringen können, halte ich für noch nicht entschieden. Es scheint sich tatsächlich zu bewahrheiten, dass eher kleine, junge Unternehmen Innovationen voranbringen, während die großen, alten Unternehmen hauptsächlich an ihren Kosten, Prozessen und Strukturen arbeiten.

Industrie 4.0 Finanzierung

Bereits im Oktober veröffentlichten der Bundesverband deutscher Banken (BdB) und der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) ein gemeinsames Positionspapier zur Finanzierung von Industrie 4.0.

Beide Verbände erkennen, dass die Entwicklungen unter dem Stichwort Industrie 4.0 Wirtschaft und Gesellschaft dauerhaft und tiefgreifend verändern werden und einen Paradigmenwechsel in der Industrie hervorrufen. Ihrer Meinung nach verändert die „digitale Vernetzung industrieller Wertschöpfungsketten“ nicht nur Produkte und Geschäftsmodelle, sondern vor allem die Prozesse in den Unternehmen. Weiterhin unterstellen sie keine revolutionäre, sprunghafte Veränderung, sondern eine langfristige, evolutionäre Entwicklung.

Hier glaube ich, dass sie gleich zweimal falsch liegen. Aufgrund des exponentiellen Wachstums – Stichwort Moores‘ Law – wird die Entwicklung sehr sprunghaft. Allerdings glaube ich auch, dass die von den Verbänden vertretenen (großen, alten, traditionellen) Unternehmen mit dieser schnellen Entwicklung nicht standhalten können und kleine, schnelle Start Ups ihnen den Rang ablaufen werden.
Zusätzlich sehe ich die Digitalisierung eher als einen Haupttreiber für völlig neue Geschäftsmodelle und nicht als hübsche, PR-optimierte Verpackung für die altbekannte Prozessoptimierung.*

Richtig ist jedoch, dass auch zukünftig ausreichende und passende Finanzierungsformen zur Verfügung stehen müssen. Beide Verbände erkennen, dass die Komplexität der Finanzierung zunimmt und aufgrund der veränderten Bedeutung immaterieller Vermögensgegenstände neue Bewertungsstandards und -usancen etabliert werden müssen. Zusätzlich fordern sie eine Anpassung der Rahmenbedingungen der Förderpolitik.

FinTechs, also Finanz-Start Ups, die den Banken zunehmend Konkurrenz machen, werden immerhin kurz in dem Positionspapier erwähnt. Innovative Finanzierungsformen, wie z.B. Crowdfunding, finden keine Berücksichtigung.
Allerdings kann man von den beiden Verbänden auch nicht verlangen, dass sie die Wichtigkeit dieser neuen Wettbewerber – und die Gefahr für ihr eigenes, altes, unbewegliches Geschäftsmodell – explizit in ihrem Diskussionspapier benennen.

Bereits mehrfach und an verschiedenen Stellen habe ich darauf hingewiesen, dass Banken ihr Geschäftsmodell überdenken und neue Ertragsquellen finden müssen. Leider fürchte ich, dass die kleinen, neuen, schnellen Wettbewerber innovativere und kundenfreundlichere Lösungen finden werden. Und das nicht nur im Bankbereich, sondern in allen Branchen. Im stark regulierten Bankgeschäft haben sie teilweise noch einen ungerechtfertigten Vorteil, da sie nicht der strengen Bankregulierung unterliegen.

Das Paper endet mit der selbst gesetzten Agenda von BdB und BDI: „weitere Arbeiten im Bereich Vorhabenbeschreibung, Besicherungsstandards und Bewertungsusancen“ sowie der Dialog mit den Förderbanken.

Das wird nicht ausreichen.

 

*Nachtrag: dank @ME_Schweiz habe ich das Zitat wiedergefunden:
„Digitalisierung kann nicht bedeuten, dass wir digitalen Sternenstaub über verkorkste Prozesse streuen.“ – R. Grässler.

Start-up Garage von comdirect

Heute hat mich eine Pressemitteilung erreicht, die für meine Leser interessant sein könnte. Comdirect initiiert als erste Bank eine Start-up Garage für FinTechs. Damit sollen Innovationen im Finanzbereich gefördert werden.

Start-ups und Gründer können ihre Geschäftsidee bei comdirect pitchen. Zunächst sollen ein bis drei Ideen ausgewählt werden, die dann von der Bank Infrastruktur und Ressourcen zur Verfügung gestellt bekommen. Dazu zählen kostenlose Arbeitsräume in Hamburg, Hard- und Software sowie eine monatliche finanzielle Unterstützung.

Weitere Informationen: >> comdirect-garage