FinTechs im Bankenverband?

Bereits am 09. November hat der Vorstand des Bankenverbands beschlossen, dass FinTechs als ausserordentliche Mitglieder mitwirken dürfen. Gleichzeitig fordern die Banken jedoch – genau wie die Sparkassenorganisation – ein regulatorisches level-playing-field bei Bankgeschäften. Dieses müssten Politik und Aufsicht sicherstellen.

Während die Sparkassen lediglich gleiche Regulierungsbedingungen fordern, wählt der Bankenverband einen cleveren Ansatz, indem sie FinTechs in die Interessenvertretung privater Banken einbinden wollen. Die jungen Finanzdienstleister sollten jedoch aufpassen, dass sie von der Umarmung des Verbands nicht erdrückt werden. Schliesslich sind sie Wettbewerber der traditionellen Kreditinstitute und wollen sie – zumindest teilweise – überflüssig machen. Eine (ausserordentliche) Mitgliedschaft wäre in etwa so, als wollte Amazon seine Interessen vom Buchhändlerverband vertreten wissen.

Das von den Kreditinstituten geforderte regulatorische level-playing-field ist nicht zu beanstanden, sofern FinTechs tatsächlich regulierungswürdige Dienstleistungen anbieten. Diese sind m.E. insbesondere klassische Aufgaben der Banken, nämlich Annahme von Einlegergeldern und Vergabe dieser Anlegergelder als Kredite, mit der Bank als Intermediär. Allerdings erfüllen diese Aufgabe die meisten FinTechs eben nicht.

Ich halte es für sinnvoller, wenn FinTechs das unbestritten notwendige „Regulierungs-Know-How“ durch einen eigenen Verband erarbeiten und ihre Interessen bei Politik und Aufsichtsbehörden unabhängig von den traditionellen Banken vertreten lassen.

Easy Credit?

Reuters berichtete am 02. Dezember, dass die Europäische Zentralbank (EZB) herausgefungden hat, dass es für kleinere Unternehmen im Euro-Raum leichter sei an Kredite zu kommen, als an neue Kunden.

Ich unterstelle einfach, dass die EZB nicht explizit nach diesem Vergleich gefragt hat, weil er mir völlig schräg erscheint. Aber immerhin hat Reuters es mit dieser Überschrift geschafft, dass ich den Artikel angeklickt habe. Laut der Befragung gaben ein Viertel der Unternehmen als größte Sorge an, Kunden für ihre Produkte zu gewinnen. Die geringste Sorge sei – mit 11% – der Zugang zu Finanzmitteln. Für Deutschland ist der Anteil sogar noch geringer.

Damit wird wieder einmal die EZB-Politik ad absurdum geführt. Lockere Geldpolitik und negative Zinsen für Banken können offensichtlich keine Nachfrage nach Krediten durch Unternehmen schaffen. Die politische Lenkungswirkung des Preises, d.h. hier des Zinssatzes, ist eingeschränkt. Und in meinen letzten Beiträgen an dieser Stelle wurde zusätzlich deutlich, dass die Banken Unternehmen und Haushalte geradezu anbetteln, Kredite bei ihnen aufzunehmen, weil sie keine anderen Ideen haben, Geld zu verdienen.

Normalerweise führt eine solche Situation zur Bildung von Spekulationsblasen – Immobilien, Gold, whatever – und somit zu Fehlallokationen. Wenn nun aber die angebotenen Kredite nicht einmal angenommen werden, haben Unternehmen und Verbraucher vielleicht aus der Vergangenheit gelernt. Vermutlich ist hier aber der Wunsch Vater des Gedankens.

Banken bricht Kreditgeschäft weg

Der Bundesverband deutscher Banken veröffentlichte am 26.11.2015 einen Bericht zur Unternehmensfinanzierung in Deutschland. Darin beschreibt der Verband eine historisch aussergewöhnliche Situation, die gekennzeichnet ist durch eine sehr geringe Kreditnachfrage bei Banken seitens der Unternehmen.

Begründet wird dies mit der guten Innenfinanzierung der Unternehmen, neuen Anbietern auf dem Kreditmarkt (Banken und Nicht-Banken) sowie den direkten Finanzierungsangeboten der Förderbanken. Die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) führe zu einer hohen Liquidität bei relativ stabilem Wachstum. Für größere Unternehmen stellt die direkte Finanzierung über den Kapitalmarkt eine sehr günstige Alternative zum Bankkredit dar.

Der Bankenverband beklagt nun die vergleichsweise starke Verhandlungsposition der Unternehmen, die sie durchaus auch zu Lasten langjähriger Hausbankbeziehungen nutzen. Die Folge dieses Preiskampfes seien erodierende Zinsmargen der Banken und Financial Covenants, also Zusatzvereinbarungen in Kreditverträgen.

Der Bankenverband warnt, dass es eine belastete Hausbankbeziehung zukünftig schwieriger mache, „Unternehmensprobleme gemeinsam zu lösen.“

Übersetzt heisst dieser Bericht also: liebe Unternehmen mit guter Bonität, fragt doch bitte mehr Bankkredite bei uns nach. Schliesslich haben wir Dank der EZB viel Liquidität, mit der wir nichts Vernünftiges anzustellen wissen. Und das Kreditgeschäft ist doch – trotz sinkender Margen – das einzige, was bei relativ geringem Risiko relativ sichere Erträge für die Bank abwirft.
Und geht bitte nicht zu anderen Anbietern oder auf den Kapitalmarkt. Sonst geben wir euch später keine Kredite mehr.

Besonders gelungen finde ich die Formulierung „Unternehmensprobleme gemeinsam zu lösen“. Ich wette es lassen sich sehr viele Unternehmen bzw. nicht mehr existente Unternehmen finden, die bei Problemen keine guten Erfahrungen mit dem gemeinsamen Lösen ihrer Probleme mit ihrer Hausbank gemacht haben.

Um Markt Twain zu zitieren: „Banken leihen Dir nur Geld, wenn Du beweisen kannst, dass Du es nicht brauchst.“

Für bessere Länderratings: jedem Land seine eigene Ratingagentur

Wie die FAZ berichtet, gründet Russland eine eigene Ratingagentur. Dies geschieht als Reaktion auf die schlechte Bonitätsbewertung Russlands durch die drei großen Agenturen. Moskau vermutet politische Motive als Grund für die Einstufung auf „Ramschniveau“.
Die FAZ zitiert die russische Zentralbank mit der Aussage, dass der russische Markt eine „starke Ratingagentur mit einem hohen Maß an Führungsstärke und Professionalität“ brauche. Sie solle in der Lage sein, die „Interessen der Wirtschaft“ zu erfüllen. Bereits in der letzten Woche sorgte der russische Präsident Putin dafür, dass die Tätigkeit internationaler Ratingagenturen gesetzlich reguliert werden, um den unterstellten politischen Motiven entgegenzutreten.

Damit bestätigt Moskau meine Vorbehalte, die ich vor einiger Zeit – auch an dieser Stelle – gegenüber einer Europäischen Ratingagentur geäußert habe. Einige Stimmen forderten sogar die Gründung einer Deutschen Ratingagentur, nachdem u.a. die falschen Ratings durch die großen drei die Finanzkrise ausgelöst hatten. Meine Befürchtung war, dass die Unabhängigkeit und damit die Vertrauenswürdigkeit dieser Agenturen nicht gegeben ist. Und bereits damals schrieb ich, dass eine deutsche Ratingagentur dazu führen würde, dass Griechenland, Italien, Portugal, Frankreich etc. jeweils auch eine eigene Agentur gründen würden. Und wie würden wohl die Ratings der eigenen Länder aussehen?

Mein Dank geht an Putin, der wie so oft klare Worte findet. Ihm gefällt Russlands Rating nicht, er unterstellt politische Motive und gründet für ein besseres Rating eine Russische Ratingagentur. So einfach steigert man die Bonität. Das kostet lediglich 48 Millionen Euro, mit denen die neue Agentur zunächst ausgestattet wird.

Einigung auf Trennbanken-Regeln

Zur Trennung riskanter Bankgeschäfte von den Spareinlagen der Kunden haben sich die EU-Finanzminister auf einen Gesetzesentwurf geeinigt.
Die einstimmig beschlossene Reform soll zu einer Stabilisierung des Banksystems beitragen. Sie sieht jedoch Ausnahmen für britische Finanzinstitute vor, deren Kundeneinlagen weniger als 35 Milliarden Euro betragen. Begründet wird dies mit der englischen Bankenreform, die für diese Institute bereits einen höheren Kapitalpuffer fordert.

Der EU-Gesetzentwurf definiert zwei Gruppen:
1. Institute mit mehr als 35 Mrd. Euro Kundeneinlagen und 70–100 Mrd. Euro Handelsgeschäft. Diese stehen unter Beobachtung der Aufsichtsbehörden und müssen den Eigenhandel wirtschaftlich und rechtlich abtrennen vom Kundengeschäft.
2. Banken mit mehr als 100 Mrd. Euro Eigenhandel unterliegen einer wesentlich strengeren Aufsicht, die zur Reduktion des Risikos auch eine signifikante Kapitalaufstockung fordern kann.

Nicht (mehr) vorgesehen ist eine von mehreren EU-Abgeordneten geforderte automatische Zerschlagung der Institute. Zur Gesetzesform benötigt der Entwurf noch die Zustimmung des EU-Parlaments, das sich noch nicht auf eine gemeinsame Position einigen konnte.

(Quelle: Reuters)

Staatliche Exportgarantien

Für Unternehmen, die Exportgeschäfte betreiben, stellt die Bundesregierung Garantien, sog. Hermesdeckungen, bereit. Grundsätzlich stehen staatliche Exportkreditgarantien allen deutschen Exporteuren zur Verfügung, unabhängig von der Größe des Auftrags oder des Unternehmens. Sie stellen ein wesentliches Instrument des Risikomanagements dar.

Der Bund hat einen Kurzfilm veröffentlicht, in dem die Themen Absicherung, Risikotransfer, Finanzierung, Förderungswürdigkeit und Subsidiarität erläutert werden. Damit sollen insbesondere diejenigen Unternehmen angesprochen werden, die bislang noch nichts mit Hermesdeckungen zu tun hatten.

>> Hier ist der Link zum Film (ca. 2 Minuten)