European Rating Agency Pt. 7

Auch wenn ich ein anderes Modell präferiere, möchte ich doch kurz auf ein Bloomberg-Video mit Markus Krall, Ex-Roland Berger Partner und jetzt CEO der Projektgesellschaft Europäische Ratingagentur, verlinken.

>> Bloomberg TV

Ich bin sehr gespannt, wann wir das erste Sovereign Rating sehen….

Model for the Credit Rating Market by Buschmeier

Due to numerous requests – this is the English summary of my model for the Credit Rating Market (presented at the ESE European Supervisors Education Initiative, April 2012)

Model to promote competition and transparency in the Credit Rating Market using the German Banking System as an example – Dr. Andreas Buschmeier, www.buschmeier-consulting.de

Summary

For several years the most influential American Credit Rating Agencies have been subject to enormous criticism. This has particularly been the case since the outbreak of  the financial crisis in 2008 where common allegations included the lack of transparency in rating methodologies and limited competition in the Credit Rating Market.

Dr. Buschmeier presents a model that simultaneously increases competition in the credit rating market whilst improving the transparency of ratings by letting the banks take over the very lucrative business of  Rating Agencies. He advises the establishment of three centralistic Credit Rating Agencies, each set up an run by the large German banking institutions – “Sparkassen”, “Genossenschaftsbanken” and “Großbanken”.

Due to the legal requirements on capital adequacy (Basel II), every bank of each of the three banking institutions is using its own individual rating software to perform the task of credit rating. It seems logical that significant cost advantages could be achieved by simply centralising the process of credit rating. In addition, the banks‘ internal rating systems are subject to the Basel II internal ratings-based surveillance standards – if they are used for calculating capital adequacy – with transparency rules that go far beyond the standard approach with its external ratings.

As well as greater transparency this model will also achieve a higher degree of competition by adding at least three new rating agencies in Germany alone. In this way market forces can take effect. Due to the fact that Basel II has already been implemented in Europe, this model could be applied all over Europe and possibly even worldwide, assuming the US were to adopt the new capital adequacy rules.

The problem of the lack of reputation being the most significant barrier to entry would therefore not apply in this model, as firstly, the authorities’ recognition of the internal rating system would positively influence the reputation, and secondly, banks have built up a good reputation and collected decades of experience and data in credit assessment and allocation. As this is the core competence of banks, which is enhanced in Germany by the “Hausbankprinzip”, there will automatically be significant advantages in the assessment of quantitative and qualitative rating factors compared to the external Credit Rating Agencies. Furthermore there will be an inbuilt incentive to produce correct and exact ratings as each bank and in term its respective banking institution would be made liable for its bad debts. By contrast, external rating agencies are only exposed to a low liability risk.

The borrower benefits from lower costs due to more efficient loan processing and the direct relationship between risk and interest rate. Additionally, companies will receive a ratings at much lower prices compared to external rating agencies. A positive rating, if published, would have a beneficial impact on stakeholders and other banks, which could well improve the funding and terms of payment. It might even provide access to the capital markets.

The striking points about this model are: the model has been scientifically derived, it shows a market-based solution to the rating problems and leads to significant benefits for banks, borrowers and the capital markets.

Ratings ohne Information?

In einem aktuellen Handelsblatt-Beitrag stellt Olaf Storbeck eine neue Studie über den Informationsgehalt von Ratings der großen Agenturen vor.

Die Wissenschaftler Jens Hilscher und Mungo Wilson haben festgestellt, dass die Ratingnoten wenig über die tatsächlichen Kreditausfallrisiken aussagen. Sie verglichen für die Jahre 1986 bis 2008 die Unternehmensratings von Standard & Poor’s (S&P) mit einem eigenen Indikator, der die Insolvenzgefahr eines Unternehmens ausschliesslich anhand öffentlich zugänglicher Daten misst. Dieser „failure score“ verwendet hauptsächlich Bilanzkennzahlen, wie die Profitabilität, den Verschuldungsgrad und die Barreserven. Empirisch lasse sich nun belegen, dass mit diesem vergleichsweise einfachen failure score Zahlungsausfälle zuverlässiger zu prognostizieren seien. Diese Ergebnisse liessen sich auch auf Staatsanleihen übertragen. Anhand makroökonomischer Daten könne man Risikoaufschläge z.B. für Staatsanleihen aus Schwellenländern besser erklären, als mittels Ratingnoten.

Das sind hochinteressante Forschungsergebnisse, da sich Ratingagenturen immer darauf berufen, dass sie bei beauftragten Ratings mehr und bessere Informationen als die Öffentlichkeit erhalten. Dies scheint nun widerlegt – auch wenn man in Studien a posteriori immer klüger ist. Man könnte z.B. die passenden Indikatoren wählen, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen (was ich den Forschern expressis verbis NICHT unterstelle!). Ratings sind immer eine Zukunftsbetrachtung und daher grundsätzlich mit Risiken verbunden. Auch wenn Agenturen und Regulierungsbehörden lange Glauben machten wollten, dass Ratingnoten eine Sicherheit bei Anlage- oder Kreditentscheidungen herstellen.

Ein kleiner Seitenhieb auf die Ratingagenturen sei an dieser Stelle erlaubt: eine weitere wissenschaftliche Studie (Bannier/Behr/Güttler (2007): Why are unsolicited ratings lower than solicited ratings? A theoretical and empirical assessment) hat herausgefunden, dass beauftragte Ratings tendenziell besser ausfallen als unbeauftragte und damit unbezahlte Ratings. Das Argument der Agenturen war der o.g. bessere Einblick in die Unternehmen. Dies scheint nach dem Handelsblatt-Artikel nun aber eher kontraproduktiv zu sein. Ausserdem wurde den Ratingagenturen unterstellt, dass sie Unternehmen vor der Veröffentlichung eines unbeauftragten Ratings informierten, dass die Ratingnote bei einem beauftragten=bezahlten Rating potenziell besser ausfallen könne. Und ob das Unternehmen nicht doch das Rating beauftragen=bezahlen wolle. Die Studie nennt das Kind beim Namen: „blackmailing“.

Was ich persönlich an dem Beitrag von Storbeck besonders interessant finde, ist die Aussage, dass die ausschliessliche Betrachtung von Bilanzkennzahlen zu besseren Ergebnissen führt, als die zusätzliche Berücksichtigung von „soft facts“. Üblicherweise wird die Ratingnote zu ca. 60% über quantitative Faktoren – wie Bilanzkennzahlen – bestimmt. Etwa 40% der Note machen die qualitativen Faktoren, wie Marktposition, Qualität des Managements, Nachfolgeregelung etc., aus.

Ein Vorwurf an mein Modell der Ratingagenturen der Kreditinstitutsgruppen lautet, dass die Ratings der Banken sich zu sehr auf die quantitativen Faktoren beschränken. Daher mein ausdrücklicher Dank an die Forscher Hilscher und Wilson. Damit sollte meine Vorstellung einer Verbesserung des Wettbewerbs auf dem Ratingmarkt gleichzeitig zu einer höheren positiven Korrelation von Ratingnote und Zahlungsausfall führen.

Drei Gründe, die gegen Roland Bergers europäische Ratingagentur sprechen

Nachdem ich mich in meinem letzten Post gefreut habe, dass der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank mein Modell kennt, muss ich nochmal inhaltlich die Europäische Ratingagentur behandeln. Reuters berichtet nun auch darüber.

Kurz zusammengefasst: Roland Berger hat jetzt nach eigener Aussage ca. 30 institutionelle Investoren (Banken, Börsen, Versicherungen) zusammengetrommelt, die die gut 300 Mio. Euro Startkapital zur Verfügung stellen wollen. Es soll eine privatwirtschaftlich finanzierte, nicht gewinnorientierte Stiftung mit Sitz in Holland und Töchtern in Frankfurt und Paris werden. Ende 2012 sollen die ersten Länderratings veröffentlicht werden. So weit, so interessant.

Meine grundsätzlichen Bedenken gegen dieses Modell habe ich an dieser Stelle bereits mehrfach ausführlich dargestellt, daher will ich nur drei Punkte nennen, die es aus meiner Sicht in der praktischen Umsetzung schwierig machen, mit diesem Modell Erfolg zu haben.
(N.B.: ich habe keine exakte Kenntnis des gesamten Modells von Roland Berger, da laut Aussage von Markus Krall einige Punkte als Geschäftsgeheimnis angesehen werden. Ich beziehe mich ausschliesslich auf  öffentlich zugängliche Informationen.)

1. Haftungs- und datenschutzrechtliche Fragen

Im Reuters-Artikel wird zunächst korrekt dargestellt, dass Ratings reine Meinungsäusserungen darstellen und damit im Prinzip keiner Haftung unterliegen. Dann aber kommt folgende Aussage:

Bei fehlerhafter Analyse solle gehaftet werden, im Fall von grober Fahrlässigkeit in einem Prozentsatz der Ratinggebühr, bei Vorsatz in Prozenten des Stiftungs-Eigenkapitals. „Das setzt starke Anreize, korrekt zu arbeiten“, sagte Krall der Wirtschaftszeitung.

Es besteht in Deutschland bereits eine solche (gesetzliche) Haftung für fehlerhafte Ratings bei grober Fahrlässigkeit (und auch bei arglistiger Täuschung). Dies stellt also keine Besonderheit von Bergers Agentur dar. Und die Höhe? Ein Prozentsatz der Ratinggebühr bzw. des Stiftungskapitals bei grober Fahrlässigkeit bzw. Vorsatz? YOU GOTTA BE KIDDING ME!
Juristisch stellt sich eine m.E. viel wichtigere Haftungsfrage: alle bislang zugelassenen Klagen gegen Ratingagenturen in Deutschland und den USA hatten die Gemeinsamkeit, dass die betreffenden Bonitätsurteile ausschliesslich für bestimmte Investorengruppen erstellt wurden. Dies war die Begründung der Klagezulassung. Wenn nun die zu gründende Europäische Ratingagentur das investor pays Modell verfolgt, stellt sich dann nicht genau dieses Problem?
Datenschutzrechtliche Fragen scheinen auch noch nicht abschliessend geklärt zu sein, da das Berger-Modell auf eine europaweite Datenbank mit allen Emittentendaten setzt. Und diese Daten sind für alle beteiligten Investoren einsehbar.

2. Politischer Einfluss

Berger-Partner Krall wehrt sich in allen Veröffentlichungen vehement gegen Einfluss oder auch nur Unterstützung durch die Politik, da dies der Unabhängigkeit und Reputation schadet. Um das Modell in seiner jetzigen Form umzusetzen bedarf es aber m.W. gesetzlicher Änderungen auf europäischer Ebene.
Und möglicherweise bin ich zynisch, aber: wie unabhängig von ihren Geldgebern kann diese Agentur  tatsächlich agieren? Geben Banken, Versicherungen und Börsen tatsächlich völlig altruistisch jeweils ca. 10 Mio. Euro? Ich lasse mich gern überraschen.
Ausserdem sind/waren(?) zu Beginn die Initiative Finanzplatz Frankfurt, die hessische Landesregierung und die Deutsche Börse als Partner genannt. Ob denen der Sitz in Holland zusagt?

3. Mitarbeiterakquise

Zunächst sollen ca. 20 – 25 Mitarbeiter eingestellt werden (für drei Standorte?). Um überhaupt eine gute Reputation aufbauen zu können, müssen dies anerkannte, hochqualifizierte Fachleute sein. Und welcher Analyst würde sich auf ein so riskantes Geschäftsmodell einlassen und den gut bezahlten, relativ sicheren Job bei S&P, Moody’s oder Fitch aufgeben? Da muss schon ein ziemlich hoher Risikoaufschlag im Fixgehalt enthalten sein, oder?

Ich bin ein überzeugter Verfechter für mehr Wettbewerb auf dem Ratingmarkt und wünsche alle dahingehenden Initiativen viel Erfolg. Bei dem Konzept von Roland Berger habe ich allerdings Bedenken, ob es in dieser Form tatsächlich erfolgreich umsetzbar ist.

Offener Brief an den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank

Lieber Herr Dr. Ackermann,

zunächst möchte ich mich bei Ihnen bedanken, dass Sie in einem dpa-Interview zu meinem Modell für den Ratingmarkt Stellung beziehen (Quelle: n24). Damit bestätigen Sie die in meinem letzten Blogbeitrag vertretene Auffassung, dass nur zwei Ansätze tatsächlich erwähnenswert sind: Roland Bergers europäische Ratingagentur und meine kreditinstitutsgruppen-eigenen Agenturen. Sie werden wie folgt zitiert:

Aber einige wenige Banken in Europa können eine solche Agentur nicht gründen, da sie unabhängig sein muss.

Dazu möchte ich gern kurz an dieser Stelle antworten, auf Wunsch erläutere ich Ihnen meinen Ansatz in einem persönlichen Gespräch detaillierter. Auch für die Deutsche Bank würde mein Modell ein neues, lukratives Geschäftsmodell darstellen.

In meinem Ansatz beschreibe ich, wie und warum (zunächst) die drei Säulen des deutschen Banksystems – Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Großbanken – jeweils eine eigene, zentralisierte Ratingagentur gründen sollten. Neben des verbesserten Wettbewerbs auf dem Ratingmarkt sind auch die Anreizstrukturen dieser Agenturen denen der großen drei, S&P, Moody’s und Fitch, überlegen.

Während die Bonitätseinschätzungen dieser drei lediglich eine Meinung ohne jegliche Haftung darstellen, haften in meinem Modell die Kreditinstitute über die Kreditvergabe und die Pflicht zur Eigenkapitalunterlegung durch Basel II für ihre Ratingnote. Selbst bei einem Verkauf der Kreditforderungen am Kapitalmarkt lässt sich über einen Selbstbehalt – wie er z.B. bei Derivaten neuerdings verlangt wird – die Haftung für Ratingaussagen regeln. Damit ist der Anreiz, korrekte Bonitätseinschätzungen abzugeben, m.E. sogar der von Ihnen geforderten Unabhängigkeit überlegen.

Roland Bergers Europäische Ratingagentur – Keine Schadenfreude

Heute berichtet die Financial Times Deutschland darüber, dass die Finanzierung des Berger-Projekts „Europäische Ratingagentur“ stockt. Im Artikel wird die Summe von 300 Mio. Euro genannt, die eigentlich bis Ende 2011 aufgetrieben werden sollte. Der Initiator und Berger-Partner Markus Krall verschiebt den Start nun um „drei bis vier Monate“. Nach meinen Informationen waren 300 bis 500 Mio. Euro als Startfinanzierung für die ersten drei Jahre eingeplant.

Auf persönlicher Ebene könnte ich mich nun aus zwei Gründen freuen: einerseits hat sich meine – auch an dieser Stelle geäußerte – Kritik bestätigt. Andererseits hat einer meiner Mitbewerber Schwierigkeiten mit seinem Modell, was gut für meinen Ansatz sein sollte.

Ich freue mich jedoch nicht. Meine feste Überzeugung ist weiterhin, dass nur zusätzlicher, qualifizierter Wettbewerb das Oligopol auf dem Ratingmarkt durchbrechen kann und so die suboptimale Situation bereinigt wird. Auf professioneller Ebene finde ich es schade, dass dieses Ziel nun erst später erreicht werden kann.

Es existieren einige Ideen und Modelle zum Ratingmarkt, in der Politik und bei den europäischen Aufsichtsbehörden werden jedoch nur zwei Ansätze tatsächlich ernst genommen: mein Modell der institutsgruppeneigenen Ratingagenturen und das Berger-Modell einer Europäischen Agentur. Meiner Ansicht nach schliessen sich diese beiden Ideen nicht aus, sondern ergänzen sich sehr gut. Je mehr Wettbewerb herrscht, desto eher können sich die Marktteilnehmer für die (ex-post) guten Agenturen entscheiden. Die schlechten müssen aus dem Markt austreten – der normale Marktmechanismus.

Da ich aber weder völlig altruistisch bin noch von Roland Berger bezahlt werde (zumindest noch nicht!), möchte kurz die Probleme des Berger-Modells skizzieren und die Vorteile meines Ansatzes herausstellen.

Das erste Problem der Europäischen Ratingagentur scheint die Finanzierung zu sein, wie es im FTD-Artikel beschrieben wird. Ein weiteres Problem sind die Anforderungen des Berger-Modells an die europäische Politik und Aufsichtsbehörden. Zur Umsetzung sind einige Gesetzesänderungen nötig und auch datenschutzrechtlich gibt es wohl noch offene Fragen. Von der im FTD-Beitrag erwähnten öffentlichen Anschubfinanzierung will ich erst gar nicht sprechen. All dies führt zu Wettbewerbsverzerrungen, die ich ablehne.

Mit meinem Modell der institutsgruppeneigenen Ratingagenturen sind weder gesetzgeberische noch finanzielle Anforderungen verbunden. Die aktuelle Regulierung ist völlig ausreichend und eine Startfinanzierung obsolet. Ganz im Gegenteil führt mein Modell sogar zu finanziellen Einsparungen auf Seiten der Banken. Und auch mittelständische Firmen hätten den Vorteil, kostengünstiger ein anerkanntes Rating zu erhalten.

Abschliessend möchte ich noch einen weiteren Grund nennen, warum bei mir keine Schadenfreude aufkommen will. Durch den hohen Bekanntheitsgrad von Roland Berger, der sehr guten politischen und wirtschaftlichen Vernetzung und der guten Ressourcenausstattung – insbesondere im Vergleich zu buschmeier-consulting – ist das Thema Ratingmarkt häufig medial präsent. Und genau so, wie ich bei meinen Vorträgen oft nach der Europäischen Ratingagentur gefragt werde, ist mein Modell als einzige Alternative bei Roland Berger präsent. Dies ist ein wenig vergleichbar mit Apple, die zwar nicht an der Consumer Electronics Show (CES) teilnehmen, aber trotzdem (oder gerade deswegen?) auch im Fokus stehen.

Also wünsche ich Roland Berger und Herrn Krall viel Erfolg – allerdings bitte ich um Verständnis, wenn ich mich am Stiftungskapital nicht beteilige.

Deutsche Ratingagentur

Nachdem bekannt wurde, dass die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) das deutsche Rating AAA mit einem negativen Ausblick versehen will (wie übrigens auch das aller anderen Euro-Staaten), überschlagen sich Politiker und Verbände mit „neuen“ Vorschlägen (Handelsblatt).

Dabei ist diese Rating-Herabstufung weder gänzlich unbegründet noch kommt sie völlig überraschend. Im BlickLog weist Dirk Elsner darauf hin, dass die Kosten der Kreditausfallversicherung Deutschlands seit einiger Zeit steigen.

Den Ausschlag für diesen Beitrag hat jedoch ein Artikel im Tagesspiegel gegeben (der vollständige Artikel liegt mir z.Zt. noch nicht vor). Hier fordert Mechthild Schrooten, Forschungsprofessorin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, ernsthaft die Gründung einer staatlichen deutschen Ratingagentur, die bei der Bundesbank angesiedelt werden solle.

Meine kurze Erwiderung ist: es ist nicht die Aufgabe einer Zentralbank, als Ratingagentur zu fungieren.

Die längere Antwort habe ich an dieser Stelle bereits im Rahmen meiner Kritik an einer (staatlichen) Europäischen Ratingagentur geliefert. Gleiches gilt natürlich in besonderem Maße für eine deutsche Agentur. Wer würde denn das Rating dieser Behörde ernst nehmen? Und würde das AAA-Rating Deutschlands angetastet werden? Wenn die deutsche Politik darauf Einfluss nehmen kann? Eher nicht!

Es würde wohl auch nicht lange dauern, bis die anderen (Euro-)Staaten ihre eigene Rating-Behörde gründen würden. Schliesslich kann ja eine deutsche Agentur ja nicht einfach die Bonität von Griechenland, Spanien, Italien, Frankreich et al. beurteilen, oder? Wo kämen wir da hin?
Immerhin hätten wir dann den geforderten Wettbewerb auf dem Ratingmarkt. 20 – 30 neue staatliche Ratingagenturen, auf deren Urteil niemand, der bei Sinnen ist, etwas geben würde.

Dennoch hätte die Politik die Macht, diese neue Konkurrenz für die privaten Anbieter zu stützen. In meinem letzten Post habe ich bereits auf die EU-Gesetzesinitiative mit Rotationsprinzip hingewiesen. Die europäischen Politiker könnten die Verwendung staatlicher Ratingagenturen verpflichtend einführen.

Dies würde jedoch zu einer wesentlichen Verschlechterung der ohnehin suboptimalen Situation auf dem Ratingmarkt führen.

Im Beitrag des Tagesspiegels kommt dann ein für mich nicht ganz schlüssiger Sprung zur Regulierung der Banken. Hier solle laut Schrooten eine „straffere Regulierung“ dafür sorgen, „dass Banken sich auf ihre ursprünglichen Funktionen besinnen“. Unter Aktivitäten, die darüber hinaus gingen, solle ein „Schlussstrich“ gezogen werden, da sie dem Steuerzahler in der Vergangenheit teuer zu stehen gekommen seien.

Das ist jetzt aber eine völlig andere Baustelle als der Ratingmarkt. Vielleicht folgt in dem vollständigen Beitrag noch die Aufzählung der vom DIW zugelassenen Bankgeschäfte….

Aufmerksamen Lesern dieses Blogs ist nicht entgangen, dass ich weder Freund des Trennbankensystems bin (wegen der impliziten Risikoerhöhung) noch halte ich es für sinnvoll, dass Verbände oder die Politik vorschreiben, welche Geschäftsaktivitäten Banken durchführen sollten – über die strafrechtlich relevanten Tatbestände hinaus. Allerdings muss ernsthaft über die Haftungsfrage und das too-big-to-fail-Problem nachgedacht werden.

EU-Kommission und Ratingagenturen

Vor kurzem hat der EU-Binnenmarktkommisar Michel Barnier einen neuen Anlauf gestartet, die Macht der großen drei Ratingagenturen zu brechen. Glücklicherweise wird in der Gesetzesinitiative auf einige suboptimale Forderungen verzichtet – leider nicht auf alle. Von Zerschlagung der Agenturen und dem Verbot von Länderratings liest man jetzt nichts mehr. Aber folgende Ideen wurden vorgestellt (vgl. FTD):

Rotationspflicht: bei der (üblichen) Bezahlung des Ratings durch den Emittenten darf eine einzelne Agentur maximal drei Jahre Produkte dieses Emittenten bewerten. Diese Frist kann sich verkürzen: wurden zehn aufeinander folgende Produkte geratet, muss die Agentur gewechselt werden. Beauftragt ein Emittent zwei Ratingagenturen, so muss eine nach drei Jahren ausgetauscht werden, die andere muss nach sechs Jahren ausgewechselt werden und hat danach vier Jahre Pflichtpause.

==> Damit soll vermutlich Wettbewerb erzwungen werden. Prinzipiell halte ich ein solches Vorgehen nicht für sinnvoll, da dies zu Marktverzerrungen führt. Für mein eigenes Modell ist das jedoch keine schlechte Nachricht – die Chance für neue Ratingagenturen werden sich erhöhen.

 

Staatsanleihen: Länderratings sollen zukünftig alle sechs Monate aktualisiert werden. Die Veröffentlichung der Bewertung muss ausserhalb der Börsenhandelszeiten stattfinden und ausführlich begründet werden.

==> seltsam – momentan kann es den Staaten doch gar nicht lange genug dauern, bis neue Länderratings genannt werden?!

 

– für Strukturierte Produkte müssen zwei Ratings vorliegen und die Emittenten müssen weitere Informationen vorlegen, damit die Risiken von den Anlegern besser eingeschätzt werden können.

==> das verteuert das Geschäft für die Emittenten – funktioniert damit ähnlich wie eine Finanztransaktionssteuer. Soll damit der Handel strukturierter Produkte eingeschränkt werden?

 

– Banken, Versicherungen und Investmentfonds müssen sich ein eigenes Urteil über die Bonität von Emittenten bilden.

==> zumindest für Kreditinstitute ist das bereits seit einiger Zeit mit den MaRisk verpflichtend.

 

– weiterhin ist das issuer pays model erlaubt, der Preis darf sich jedoch nicht nach dem Ratingergebnis richten.

==> Ach so, der Preis darf nicht vom Ratingergebnis abhängen?! Eigentlich logisch. Aber wenn die Agenturen nicht explizit eine Preisstaffel a la AAA = 200.000 Euro, BB- = 100.000 Euro usw. vorlegen: viel Spass bei dem (gerichtlichen) Nachweis.

Sommerloch? Von wegen!

Da spart man sich den Jahresurlaub von 5 Jahren auf und will eine Woche Urlaub machen und just zu dieser Zeit hört die Welt nicht auf, sich zu drehen.

Aber ich will mich nicht beschweren, die interessantesten Themen meiner Sommerpause will ich hier kurz erwähnen.

Als erstes bedanke ich mich bei Olaf Storbeck für die Aufnahme in seine Liste „Top-10 der deutschen Ökonomen auf Twitter

Ausserdem habe mich die guten „alten“ Medien interviewt – leider kann ich keine Links zu den Artikeln setzen.
Die Rheinpfalz am Sonntag hat unter dem Titel „Scharfrichter“ über die Macht der Ratingagenturen berichtet (10. Juli 2011, S. 3). Autor Martin Dowideit hat u.a. meine Einschätzung zu einer Europäischen Ratingagentur und zur Haftung von Ratingagenturen für ihre Urteile dargestellt.

Einen anderen Blickwinkel zum Thema Ratingagenturen nimmt der PR Report ein („Fehler im System“, 07/2011, S. 12 – 15). Autor Roland Karle sieht in einem Wettbewerb um das schlechteste Image die Agenturen weit vorn und fragt nach Empfehlungen für deren Kommunikation. Scheinbar völlig untypisch für Kommunikationsberater gebe ich ich tatsächlich umsetzungsorientierte Handlungsempfehlungen ab. Die Agenturen haben großen Anteil an der Funktionsfähigkeit der Kapitalmärkte und leisten einen wesentlichen Beitrag zum Abbau von Informationsasymmetrien. Das sollten sie offen gegenüber allen Interessierten kommunizieren.

Zur Vorstellung meines Buches „Ratingagenturen – Wettbewerb und Transparenz auf dem Ratingmarkt“ habe ich einen Vortrag in der Buchhandlung unibuch in Kassel gehalten. Und dieser Vortrag wurde auf youtube online gestellt.

Einige weitere, spannende Dinge stehen in den kommenden Monaten an – ich werde berichten.
Apropos: von Roland Berger gibt es noch immer keine Antwort ;)

Update Roland Bergers Ratingagentur

Wie in einem meiner letzten Beiträge versprochen, hier das Update zu der Initiative Europäische Ratingagentur von Roland Berger et al.

Nochmal zur Erinnerung – in einer Pressemitteilung hat die Strategieberatung Roland Berger bekannt gegeben, dass sie sich in „Sondierungsgesprächen“ befänden, „mit dem Ziel, eine europäische Ratingagentur in Frankfurt am Main zu gründen, zu etablieren und zu entwickeln.“

Neben Roland Berger seien beteiligt: das Land Hessen, die Deutsche Börse und Frankfurt Main Finance. Die Mitteilung endet mit folgender Aufforderung: „Roland Berger lädt daher Unternehmen und Institutionen aus ganz Europa ein, sich an der aktuellen Diskussion zu beteiligen und dazu beizutragen, die Initiative auf den Weg zu bringen.“
Dies nahm ich zum Anlass, sowohl dem in der PM genannten Seniorpartner von Roland Berger als auch der Hessischen Landesregierung vor mehr als einer Woche eine Mail zu senden.

Eine Antwort von Roland Berger steht noch immer aus….

Über den Weg der Landesregierung habe ich nun von Frankfurt Main Finance eine Antwort erhalten:
das Angebot zur Mitarbeit beziehe sich zum Einen auf Finanzmarktakteure zur Umsetzung des Finanzierungsmodells und – wenig überraschend – zum Anderen auf die Aufbringung des Stiftungskapitals.

Es hat mich ohnehin überrascht, dass eine Strategieberatung die Öffentlichkeit auffordert, sich an einem ihrer Beratungsprojekte zu beteiligen. Das sollte ja deren Kernkompetenz sein. Ich hätte sie trotzdem gern unterstützt – die so geplante Ratingagentur nicht umzusetzen. Und sorry, ich werde mich nicht am Stiftungskapital beteiligen.

Sehen wir uns doch die Initiative und die Beteiligten nochmal an:
Roland Berger:
will gut bezahlt ein von ihnen entwickeltes Modell umsetzen. Dagegen ist nichts einzuwenden, abgesehen von meiner subjektiven Auffassung, dass eine zusätzliche Europäische Agentur der falsche Weg ist. Wenn dann noch als Ziele Erhöhung des Wettbewerbs (mit EINER zusätzlichen?) und Transparenz (Ansatz bleibt offen) genannt werden, fühle ich mich in meiner Kritik bestätigt. Und das Stiftungsmodell: verschiedene Quellen haben mir gegenüber verschiedene Angaben gemacht, in welcher Höhe Kapital für eine solche Neugründung benötigt wird. Die Zahlen reichen von niedrigen zweistelligen bis hin zu hohen dreistelligen Millionenbeträgen. Die Tagesschau berichtet, dass Berger mit 300 bis 500 Mio Euro rechnet – viel Erfolg beim Einsammeln. Und Berger wird die Agentur wohl nicht betreiben wollen – ihr Beitrag wird die Beratung sein. Bezahlt.

Hessische Landesregierung und Initiative Finanzstandort Frankfurt:
selbstverständlich sind diese beiden Institutionen dabei, wenn die Agentur in Frankfurt gegründet wird (in meinem Modell wäre Frankfurt auch ein wichtiger Standort – falls sie noch eine weitere Meinung einholen wollen). Ob sich diese zwei jedoch essentiell an 300 – 500 Mio Stiftungskapital beteiligen wollen und können, wage ich zu bezweifeln. Im Falle der finanziellen Beteiligung der (Landes)Regierung stellt sich dann auch die Frage nach der Unabhängigkeit dieser Ratingagentur.

Deutsche Börse:
hier könnten Emittenten gezwungen werden, ein Rating der neuen Agentur zur Zulassung zum Handel vorzulegen. Was wiederum zu Marktverzerrungen führt. Hinsichtlich einer finanziellen Beteiligung: war da nicht noch etwas offen in Bezug auf die New Yorker Börse (NYSE)? Aber wenn die etwas Kleingeld übrig haben – warum nicht. Sollte das Modell tatsächlich funktionieren reden wir schliesslich über Umsatzrenditen von 40% – 50%.

Wer hat sonst noch Geld und Interesse an einer Europäischen Ratingagentur?
Banken vielleicht, die ihre Eigenkapitalunterlegung bei besseren Ratingnoten verringern können? Warum sollten die dieses lukrative Geschäft einer anderen Institution überlassen, wenn sie es doch auch selbst machen könnten. Ich verrate ihnen gern, wie. Und kläre dabei auch gleich die Frage, wie der o.g. Interessenkonflikt hinsichtlich der Eigenkapitalunterlegung gelöst werden kann.

In der Vergangenheit gab es bereits mehrere Meldungen über die Planung einer Europäischen Ratingagentur – bis heute haben wir noch keine. Ich bin sehr gespannt, wie es dieses Mal ausgeht und werde an dieser Stelle berichten.