Privatkundengeschäft > Investmentbanking

Einer Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zufolge ist das Privatkundengeschäft rentabler als das Investmentbanking.

Für die Studie untersuchte die BIZ die Kapitalrendite von mehr als 200 Banken über die Jahre 2005 bis 2013. Als Ergebnis stellte sich heraus, dass das vermeintlich langweilige Privatkundengeschäft einen durchschnittlichen Return on Equity (RoE) von 12,5% aufwies. Das wesentlich riskantere und volatilere Investmentbanking erwirtschaftete nur 8,1% bei höheren Kosten.

Aus meiner Sicht spricht das Ergebnis dieser Untersuchung auch für die Beibehaltung des Universalbankensystems. Die höheren Risiken und die – zumindest im Untersuchungszeitraum – geringere Rendite des Investmentbankings kann durch die weniger schwankenden – und höheren – Renditen im Retailbanking abgefedert werden.

Diese Diversifikationsmöglichkeit für Kreditinstitute halte ich für sinnvoll. Das bedeutet jedoch nicht, dass Banken immer wieder vom Steuerzahler gerettet werden sollten. Die in der letzten Zeit immer wieder diskutierte Trennung von Retail- und Investmentbanking erhöht m.E. für beide Bereiche das Risiko und ist nicht zielführend.

(Quelle: ManagerMagazin)

Update Projekt #fiblo12 – Now What?

Nachdem ich an dieser Stelle vor einiger Zeit das auf Twitter initiierte Projekt #fiblo12 – Blogger fördern das Finanzwissen – aufgenommen habe, ist einiges an positivem Feedback seitens potenzieller Autoren gekommen.
Meine auf tricider online gestellte Umfrage verlief dann aber etwas mau. Als Ergebnis kann ich zusammenfassen:
einige Autoren haben gute Themenvorschläge eingebracht. Stimmen (2!) hat das Thema „Rendite vs. Risiko beim Sparen“ von Sebastian Theophil erhalten.

NOW WHAT?

Wie soll es jetzt weitergehen?
Soll es überhaupt weitergehen, oder wollen wir auf unseren eigenen Blogs weiter alleine vor uns hinschreiben?

Ich persönlich finde die Vernetzung der Wirtschaftsblogger weiterhin wichtig und #fiblo12 wäre eine gute Gelegenheit dazu.
In den nächsten Tagen werde ich hier nochmal eine Liste aller interessierten Blogger online stellen – dann können wir das weitere Vorgehen abstimmen.
Status Quo ist m.E. folgender:
– eine Übersichtsseite, auf der alle Beiträge aufgeführt und verlinkt werden. Zum Hosting gab es schon zwei Freiwillige.
– es wurde eine Art Qualitätssicherung vorgeschlagen – hier müssen wir uns über die Umsetzung klar werden.
Weitere Themen und Autoren wären hilfreich, wenn wir wirklich pro Autor (und Quartal?) einen Beitrag bringen wollen.

Ausserdem hatte ich schon erwähnt, dass die Verlagsgruppe Handelsblatt ein ähnliches Projekt – Wirtschaftswissen für Schülerinnen und Schüler – im Programm hat. Gibt es da Möglichkeiten zur Zusammenarbeit? Wenn ich bei meinen Twitterkontakten gucke, ist diese Verlagsgruppe ja recht netzaffin…..

Ich freue mich auf Vorschläge zum weiteren Vorgehen – hier oder via Twitter.

High Frequency Trading, Arbitrage und Spekulation

Nachdem ein Großteil meiner letzten Posts eher monothematisch war, bekam ich heute auf Twitter die Inspiration zu einem Nicht-Rating-Beitrag.
Ursprüngliches Thema war das High Frequency Trading (HFT), das zu einem „flash crash“ in 2010 geführt hat. Neben mir (@ABuschmeier) beteiligten sich an der Diskussion: @TeraEuro @BlickLog @PatrickBernau und @rszbt – ihr Blogbeitrag hat mich zu meinem bewogen.

An dieser Stelle möchte ich kurz zusammenfassen, wie ich (und ein großer Teil der Wissenschaftler) die Begriffe Arbitrage und Spekulation verstehen.

Arbitrage ist, bezogen auf die Finanzmärkte, das Erkennen und Ausnutzen von (meist geringen) Preisunterschieden auf verschiedenen Märkten. Sieht ein Arbitrageur beispielsweise, dass an der Börse Frankfurt die Aktie X zu 100,00 Euro gehandelt wird und an der Stuttgarter Börse zu 99,90 Euro, so kann er risikolos Gewinn erzielen. Zeitgleich kauft er in Stuttgart und verkauft in Frankfurt – er hält also keine offene Position.
Auf den – trotz aller Kritik – relativ effizienten Finanzmärkten sind solche Preisdifferenzen i.d.R. sehr gering und nur kurzfristig. Arbitrage sorgt also dafür, dass sich auf allen Märkten ein einheitlicher Preis einstellt, z.B. 99,95 Euro als „korrekter“ Preis in Frankfurt und Stuttgart. Ist man schnell genug und handelt große Volumina kann sich das durchaus lohnen.
Die Aussicht für Privatanleger, auf diese Art und Weise risikolos Geld zu verdienen, ist jedoch sehr gering. Der automatisierte Computerhandel gleicht diese Preisdifferenzen in Sekundenbruchteilen aus. Und das geht so schnell, dass es nicht nur auf die Geschwindigkeit der Leitung zum Börsenserver ankommt, sondern auf die Entfernung des eigenen Servers zur Börse.
Arbitrage, die einen Teil des HFT ausmacht, führt also zu einheitlichen Preisen auf allen Märkten und sorgt daher für Markteffizienz.

Spekulation ist eine völlig andere Geschichte. Wie in rszbt’s Blogbeitrag beschrieben, wird offensichtlich nicht nur in Deutschland dieses Wort vermieden, da es eine negative Konnotation (erhalten) hat (von entsprechenden Interessengruppen). So müssen die „bösen“ Spekulanten bestraft werden, z.B. mittels einer Finanztransaktionssteuer. Allerdings sorgen auch Spekulanten dafür, dass sich der „korrekte“ Preis z.B. einer Aktie schneller einstellt als ohne Spekulation. Dabei ist Spekulation immer mit einer offenen Position und daher, im Gegensatz zur Arbitrage, mit Risiko verbunden. Ein Spekulant kauft also beispielsweise die Aktie Y, weil er überzeugt ist, dass deren Preis in Zukunft steigt – auf den von ihm unterstellten „korrekten“ Preis. Handeln viele Marktteilnehmer (oder einer mit entsprechendem Volumen) gleichgerichtet, so stellt sich bald der vermeintlich korrekte Preis ein. Und zwar schneller, als ohne diese „böse“ Spekulation. Liegt der Spekulant mit seiner Annahme des richtigen Preises für Aktie Y falsch, verliert er Geld. Und wenn er das ein paar Mal macht, also ein schlechter Spekulant ist, muss er sehr bald „aus dem Markt austreten“ (ökonomisch für: er ist pleite).

Beides trägt also – zumindest in der Theorie – zur Informationseffizienz der Kapitalmärkte bei.

Was natürlich keinesfalls geschehen darf, ist, dass schlechte Spekulanten gerettet werden. Z.B. durch den Staat, weil sie ein zu großes Rad gedreht haben und damit eine gesamte Volkswirtschaft in Gefahr bringen (too-big-to-fail).
Spekulation ist daher m.E. völlig in Ordnung, solange nur das eigene Geld verzockt wird.

(Und in der nächsten Folge dieser Aufklärungsreihe erkläre ich „Hedging“)

Literaturempfehlung

Endlich ist es soweit – ich kann mein eigenes Buch empfehlen. Auf mein Modell zum Ratingmarkt habe ich an verschiedenen Stellen hingewiesen. Ab Mai wird die gesamte wissenschaftliche Herleitung im Buchhandel zu erwerben sein. Der Titel lautet: „Ratingagenturen – Wettbewerb und Transparenz auf dem Ratingmarkt“.

>> Hier der Link zum Gabler-Verlag, der das Buch veröffentlicht.

Auch bei Amazon ist es schon zu finden, allerdings noch mit dem wissenschaftlichen Titel.

Inhaltlich habe ich einen weiten Bogen über alle m.E. relevanten Bereiche gespannt. Von den theoretischen Grundlagen des Kreditgeschäfts und einer Kurzübersicht der Bankbetriebslehre über die Aufsicht und Regulierung von Banken und Ratingagenturen bis hin zu Basel II. Den Abschluss bildet mein Modell eines zentralisierten bankinternen Ratings der Kreditinstitutsgruppen.

Klingt spannend – ist es auch ;)

Sparkassen und Genossenschaftsbanken mit gefährlicher Strategie?

© handelsblatt.com

Das Handelsblatt berichtet in einem Artikel darüber, dass insbesondere Sparkassen und Genossenschaftsbanken ein gefährliches Spiel zu ihrer Refinanzierung betreiben. Aufgrund der Niedrigzinspolitik der EZB können die Kreditinstitute sehr günstig kurzfristige Einlagen annehmen, die sie dann mit einem Zinsaufschlag als langfristige Kredite weitergeben.

Das Handelsblatt schreibt: „Das Prinzip: Die Banken leihen sich von ihren Kunden per Tages- oder Festgeld kurzfristig Geld, das sie langfristig zu höheren Zinssätzen an Häuslebauer oder Mittelständler verleihen. Diese Strategie wird Fristentransformation genannt. Sie ist der Haupttreiber für die derzeitigen Gewinne der kleinen Institute – und sie funktioniert nur, solange die kurzfristigen Zinsen so viel niedriger wie die langfristigen Zinsen bleiben“. (Liebes Handelsblatt, sollte es nicht heissen: „viel niedriger als die langfristigen Zinsen“?)

Fristentransformation ist keine „Strategie“, sondern eine der Hauptaufgaben von Banken. Dieses Geschäft betreiben insbesondere Sparkassen und Genossenschaftsbanken seit ihrer Gründung. Lediglich Privatbankiers haben anfangs ihr eigenes Geld verliehen. Und nur durch Ausübung ihrer Transformationsaufgaben haben Finanzintermediäre überhaupt eine Existenzberechtigung.

Das vom Handelsblatt beschriebene Geschäft funktioniert nicht nur bei großen Zinsdifferenzen, sondern immer dann, wenn der Sollzins über dem Habenzins (aus Kundensicht) liegt. Es ist allerdings richtig, dass bei größeren Zinsdifferenzen die Marge für die Banken größer ausfällt und damit ggf. der Gewinn.

Die der Fristentransformation immanente Gefahr ist jedoch korrekt beschrieben und man muss nicht weit in die Vergangenheit zurückgehen, um die entsprechende Krise zu finden. In den 1980er Jahren gingen viele Savings & Loan Associations in den USA Pleite, weil sie langfristige Kredite kurzfristig refinanziert hatten und dann die Zinsen stiegen. Die Institute sollten also gewarnt sein.

In der Praxis ist der Ablauf wie folgt: Kreditinstitute nehmen kurzfristige Einlagen ihrer Kunden an und zahlen dafür z.B. 1,5% Zinsen p.a. Aus diesen vielen, betragsmäßig kleinen Anlagen vergeben sie langfristige, große Kredite, die z.B. 3,5% Zinsen für die Bank erwirtschaften (damit ist auch die zweite Transformationsaufgabe der Banken erklärt: Losgrößentransformation bedeutet, dass aus vielen kleinen Einlagen große Kredite vergeben werden). Die Zinsmarge des Instituts liegt in diesem Beispiel (c.p.) bei 2%. Steigen nun die Zinsen, müssen die Banken ihren Kunden einen höheren Zinssatz zahlen, um Gelder zu attrahieren. Gleichzeitig können aber die langfristigen Kreditzinsen nicht nach oben angepasst werden. Im schlimmsten Fall steigen die Zinssätze über die im Beispiel genannten 3,5%, was die Banken in die Verlustzone treibt.

Die am Schluss des Artikels genannten Liquiditätskennziffern und die dahinter stehenden Liquiditätstheorien sind einen eigenen Blogbeitrag wert, der bald folgt.

Herrhausen auch im Handelsblatt

© handelsblatt.com

Das Handelsblatt veröffentlicht in einer Serie Artikel eines Essay-Wettbewerbs, in denen an den von der RAF ermordeten Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, erinnert werden soll. Donnerstags kommen dort verschiedene Herrhausen-Laureaten zu Wort, aktuell Stefan Heß (Handelsblatt Nr. 034 vom 18.02.2010, S. 18, online nur als Premium-Content).

Der Titel des Wettbewerbs lautet:
„ALFRED HERRHAUSEN HEUTE: ETHISCHE GRUNDLAGEN DES UNTERNEHMERTUMS“
Unternehmer brauchen die Akzeptanz der Gesellschaft
Verantwortungsvolles Handeln stand im Mittelpunkt von Herrhausens Denken. Moderne Unternehmer sollten das wiederentdecken.“

In seinem sehr guten Beitrag wirft Heß die Frage auf, ob Herrhausen aus RAF-Sicht eine Bedrohung für alte Feindbilder war. „Ein moderner Bankmanager mit sozialer Verantwortung und ökologischem Gewissen, der sich sogar für einen Teilschuldenerlass für die Länder der Dritten Welt engagierte – hier drohte das festgefahrene Weltbild der Attentäter aus den Fugen zu geraten.“

Die Lektüre des Handelsblatts ist ohnehin immer lohnenswert, dieser Essay-Wettbewerb ist eine zusätzliche Bereicherung.

(In diesem Blog hat der Gastautor Michael Multhaupt vor einigen Tagen einen Beitrag zu Alfred Herrhausen veröffentlicht.)

NACHTRAG: der Beitrag ist nun online verfügbar.