Literaturempfehlung

Endlich ist es soweit – ich kann mein eigenes Buch empfehlen. Auf mein Modell zum Ratingmarkt habe ich an verschiedenen Stellen hingewiesen. Ab Mai wird die gesamte wissenschaftliche Herleitung im Buchhandel zu erwerben sein. Der Titel lautet: „Ratingagenturen – Wettbewerb und Transparenz auf dem Ratingmarkt“.

>> Hier der Link zum Gabler-Verlag, der das Buch veröffentlicht.

Auch bei Amazon ist es schon zu finden, allerdings noch mit dem wissenschaftlichen Titel.

Inhaltlich habe ich einen weiten Bogen über alle m.E. relevanten Bereiche gespannt. Von den theoretischen Grundlagen des Kreditgeschäfts und einer Kurzübersicht der Bankbetriebslehre über die Aufsicht und Regulierung von Banken und Ratingagenturen bis hin zu Basel II. Den Abschluss bildet mein Modell eines zentralisierten bankinternen Ratings der Kreditinstitutsgruppen.

Klingt spannend – ist es auch ;)

Sparkassen und Genossenschaftsbanken mit gefährlicher Strategie?

© handelsblatt.com

Das Handelsblatt berichtet in einem Artikel darüber, dass insbesondere Sparkassen und Genossenschaftsbanken ein gefährliches Spiel zu ihrer Refinanzierung betreiben. Aufgrund der Niedrigzinspolitik der EZB können die Kreditinstitute sehr günstig kurzfristige Einlagen annehmen, die sie dann mit einem Zinsaufschlag als langfristige Kredite weitergeben.

Das Handelsblatt schreibt: „Das Prinzip: Die Banken leihen sich von ihren Kunden per Tages- oder Festgeld kurzfristig Geld, das sie langfristig zu höheren Zinssätzen an Häuslebauer oder Mittelständler verleihen. Diese Strategie wird Fristentransformation genannt. Sie ist der Haupttreiber für die derzeitigen Gewinne der kleinen Institute – und sie funktioniert nur, solange die kurzfristigen Zinsen so viel niedriger wie die langfristigen Zinsen bleiben“. (Liebes Handelsblatt, sollte es nicht heissen: „viel niedriger als die langfristigen Zinsen“?)

Fristentransformation ist keine „Strategie“, sondern eine der Hauptaufgaben von Banken. Dieses Geschäft betreiben insbesondere Sparkassen und Genossenschaftsbanken seit ihrer Gründung. Lediglich Privatbankiers haben anfangs ihr eigenes Geld verliehen. Und nur durch Ausübung ihrer Transformationsaufgaben haben Finanzintermediäre überhaupt eine Existenzberechtigung.

Das vom Handelsblatt beschriebene Geschäft funktioniert nicht nur bei großen Zinsdifferenzen, sondern immer dann, wenn der Sollzins über dem Habenzins (aus Kundensicht) liegt. Es ist allerdings richtig, dass bei größeren Zinsdifferenzen die Marge für die Banken größer ausfällt und damit ggf. der Gewinn.

Die der Fristentransformation immanente Gefahr ist jedoch korrekt beschrieben und man muss nicht weit in die Vergangenheit zurückgehen, um die entsprechende Krise zu finden. In den 1980er Jahren gingen viele Savings & Loan Associations in den USA Pleite, weil sie langfristige Kredite kurzfristig refinanziert hatten und dann die Zinsen stiegen. Die Institute sollten also gewarnt sein.

In der Praxis ist der Ablauf wie folgt: Kreditinstitute nehmen kurzfristige Einlagen ihrer Kunden an und zahlen dafür z.B. 1,5% Zinsen p.a. Aus diesen vielen, betragsmäßig kleinen Anlagen vergeben sie langfristige, große Kredite, die z.B. 3,5% Zinsen für die Bank erwirtschaften (damit ist auch die zweite Transformationsaufgabe der Banken erklärt: Losgrößentransformation bedeutet, dass aus vielen kleinen Einlagen große Kredite vergeben werden). Die Zinsmarge des Instituts liegt in diesem Beispiel (c.p.) bei 2%. Steigen nun die Zinsen, müssen die Banken ihren Kunden einen höheren Zinssatz zahlen, um Gelder zu attrahieren. Gleichzeitig können aber die langfristigen Kreditzinsen nicht nach oben angepasst werden. Im schlimmsten Fall steigen die Zinssätze über die im Beispiel genannten 3,5%, was die Banken in die Verlustzone treibt.

Die am Schluss des Artikels genannten Liquiditätskennziffern und die dahinter stehenden Liquiditätstheorien sind einen eigenen Blogbeitrag wert, der bald folgt.

Herrhausen auch im Handelsblatt

© handelsblatt.com

Das Handelsblatt veröffentlicht in einer Serie Artikel eines Essay-Wettbewerbs, in denen an den von der RAF ermordeten Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, erinnert werden soll. Donnerstags kommen dort verschiedene Herrhausen-Laureaten zu Wort, aktuell Stefan Heß (Handelsblatt Nr. 034 vom 18.02.2010, S. 18, online nur als Premium-Content).

Der Titel des Wettbewerbs lautet:
„ALFRED HERRHAUSEN HEUTE: ETHISCHE GRUNDLAGEN DES UNTERNEHMERTUMS“
Unternehmer brauchen die Akzeptanz der Gesellschaft
Verantwortungsvolles Handeln stand im Mittelpunkt von Herrhausens Denken. Moderne Unternehmer sollten das wiederentdecken.“

In seinem sehr guten Beitrag wirft Heß die Frage auf, ob Herrhausen aus RAF-Sicht eine Bedrohung für alte Feindbilder war. „Ein moderner Bankmanager mit sozialer Verantwortung und ökologischem Gewissen, der sich sogar für einen Teilschuldenerlass für die Länder der Dritten Welt engagierte – hier drohte das festgefahrene Weltbild der Attentäter aus den Fugen zu geraten.“

Die Lektüre des Handelsblatts ist ohnehin immer lohnenswert, dieser Essay-Wettbewerb ist eine zusätzliche Bereicherung.

(In diesem Blog hat der Gastautor Michael Multhaupt vor einigen Tagen einen Beitrag zu Alfred Herrhausen veröffentlicht.)

NACHTRAG: der Beitrag ist nun online verfügbar.

Kreditklemme und Prozessoptimierung

© http://newstopaktuell.wordpress.com

In einem Beitrag bei all4finance wurde implizit Werbung für mein Modell der Ratingagenturen der Institutsgruppen gemacht.

Unter dem Titel „Kreditklemme: Wo klemmt es eigentlich?“ wirft der Autor Hagen Luckert, Geschäftsführer der Hypotheken Management GmbH, einen Blick auf die Kreditklemme aus Prozess-Sicht. Er konstatiert, dass in den Kreditprozessen der Banken umfangreiche Potenziale zur Optimierung und Effizienzsteigerung vorhanden sind. Insbesondere die Backoffice-Prozesse seien ineffizient und personalintensiv.

Mit günstigeren Kostenstrukturen und schlankeren Prozessen erhalten Banken die Möglichkeit, attraktivere Kreditkonditionen anzubieten.

Luckert bestätigt damit meine Untersuchung, die in dem oben verlinkten Diskussionspapier der Ausgangspunkt war. Zur Optimierung der Kostenstruktur mit schlankeren Prozessen innerhalb der Banken beschreibt mein Modell die Auslagerung der standardisierten Backoffice-Prozesse. Im deutschen Bankensystem mit Großbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken führt dies zu mindestens drei Dienstleistern – in meinem Modell institutsgruppenintern. Ich belasse es jedoch nicht bei der reinen Prozessoptimierung, sondern gehe noch einen Schritt weiter.

Zur Auslagerung der Kreditprozesse gehört als wesentlichster Punkt die Bonitätseinschätzung der Kreditnehmer. Gesetzlich wird hier eine Trennung der Kreditentscheidung in die Bereiche Markt und Marktfolge gefordert. Zusätzlich muss dieses bankinterne Ratingsystem von der Bankenaufsicht (BaFin) anerkannt werden. Dies wurde in Deutschland zu einem großen Teil bereits umgesetzt.

Die Kreditinstitute verfügen daher de facto über einen aufsichtlich überprüften und anerkannten Ratingprozess. Und diese Überprüfung geht trotz einer gesetzlichen Nachbesserung in Folge der Finanzkrise (EU-Verordnung) über die Anforderungen an externe Ratingagenturen hinaus.

Bei einer Zentralisierung der Ratingprozesse verfügt demnach jede Institutsgruppe über eine anerkannte Ratingagentur. Eine Sparkassenratingagentur, eine Genossenschaftsratingagentur und mindestens eine Ratingagentur der Großbanken.

Neben der Kostenoptimierung hat mein Modell auch wesentliche Vorteile aus volkswirtschaftlicher Sicht und positive Effekte für den deutschen Mittelstand.

Zum einen wird das Oligopol der amerikanischen Ratingagenturen durchbrochen, was zu verbessertem Wettbewerb auf dem Ratingmarkt führt. Eine politisch geforderte europäische Ratingagentur als Gegengewicht wird damit obsolet.

Zum anderen erhalten mittelständische Unternehmen Zugang zu wesentlich günstigeren Ratings, die bei Veröffentlichung eine positive Signalwirkung auf Kreditgeber, Lieferanten, Kunden, Mitarbeiter und die Öffentlichkeit haben können.

Das von mir entwickelte Modell beinhaltet also eine typische win-win-Situation: Kostenoptimierung für die Kreditinstitute bei gleichzeitiger Verbesserung der Kreditkonditionen für die Kunden. Und zusätzlich eine Verbesserung des Ratingmarktes.

Das Modell grafisch dargestellt:

© Andreas Buschmeier, http://www.buschmeier-consulting.de

Anfragen zu meinem Modell beantworte ich gern: Buschmeier@buschmeier-consulting.de

VWL in der Krise

Nach der Eigenwerbung der vergangenen Posts sollen an dieser Stelle auch kritische Stimmen erwähnt werden. Das Handelsblatt berichtet über die Ökonomentagung der American Economic Association. Viele hochrangige Vertreter übten harte Selbstkritik an der VWL im Hinblick auf die Finanzkrise.

Insbesondere die (neoklassische) Makroökonomie müsse sich inhaltlich und methodisch komplett neu erfinden, um sich der Realität anzunähern. Die unterstellte Effizienz der Märkte, die rationale Erwartungsbildung und die inhärente Tendenz zur Stabilität stehen besonders in der Kritik. Zukünftig sollte die VWL enger mit Psychologen, Soziologen und Neurowissenschaftlern zusammenarbeiten, da sich Menschen eben häufig nicht rational verhalten.

Für meine eigenen Veranstaltungen kann ich sagen, dass die (realitätsnähere) neoinstitutionalistische Theorie immer ein wesentlicher Bestandteil war. Auch die Ansätze der Behavioral Finance unterrichte ich seit einigen Jahren. Es existieren zur Neoklassik demnach alternative Erklärungsmodelle, die auch seit vielen Jahren an deutschen Hochschulen gelehrt werden. Insofern ist die Kritik des „Tunnelblicks“ m.E. nicht vollständig gerechtfertigt.

Als Folge der Finanzkrise behandele ich seit 2008 sehr ausführlich das Thema Risiko. Neben den grundlegenden Definitionen gehe ich dabei auf die verschiedenen Formen der Unsicherheit und auch des Unwissens ein.

Fairerweise muss man allerdings sagen, dass man nicht ein gesamtes Modell kritisieren kann, wenn es auf nicht zutreffenden Annahmen beruht. Sollten – wie im Falle der Finanzkrise – wesentliche Tatsachen der Realität annahmegemäß ausgeschlossen worden sein, so muss man die Annahmen des Modells kritisieren, sie aufheben, oder ein neues Modell entwickeln. Unter den gegebenen Prämissen sind die bisherigen Modelle konsistent. Ob man tatsächlich die komplexe Realität modelltheoretisch darstellen kann, sei dahingestellt. Daher darf man nicht vergessen, dass die Modelle nicht die Realität sind, sondern nur Ansätze zur Erklärung ökonomischer Phänomene.

Trennbankensystem – I’ll be back

© finance.blog.lemonde.fr

Das Handelsblatt berichtet heute, dass zwei US-Senatoren die Wiedereinführung des 1999 ausser Kraft gesetzten Glass-Steagall-Acts vorschlagen. Damit droht den amerikanischen Großbanken die Zerschlagung.

Als Antwort auf die Weltwirtschaftskrise wurde 1933 das Wertpapiergeschäft vom Kreditgeschäft der Banken strikt getrennt. Ziel war die Verringerung der Risiken der Banken, da in Krisensituationen nicht nur die vergebenen Kredite ausfallen, sondern zusätzlich z.B. die Aktien im Bestand der Bank an Wert verlieren. Dieses Trennbankensystem stand lange in der Kritik und wurde von Präsident Clinton de facto aufgehoben.

Eine Trennung der banküblichen Geschäftsbereiche kann durchaus eine Risikoerhöhung bewirken, da die Diversifikation der Einnahmequellen nicht mehr möglich ist. Bei sinkenden Aktienkursen und weniger M&A-Transaktionen kann das relativ stabile Kreditgeschäft die Einnahmeausfälle kompensieren.

Und nur zur Erinnerung: Lehman Brothers war eine reine Investmentbank. Es ist also fraglich, ob das Trennbankensystem die Risiken tatsächlich verringert.

Bei Umsetzung dieses Vorschlags droht z.B. der Citigroup oder der Bank of America die Zerschlagung. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Investmentbank Merrill Lynch gerade erst von der BoA durch Übernahme gerettet wurde. Und diese Übernahme fand hauptsächlich wegen des politischen Drucks auf die BoA statt.

Es bleibt also weiterhin spannend, wie weit das vermeintliche Land des unbegrenzten Kapitalismus staatliche Eingriffe durchführt.

(Danke für den Link an den Dipl.-WiJur Michael Multhaupt)

Zurück zur Finanzintermediation?

Heute hat das Handelsblatt den in meinem Post (https://buschmeier.wordpress.com/2009/01/04/re-in-den-fangen-des-monsters/) erwähnten Fragenkatalog der Printausgabe teilweise online gestellt (http://www.handelsblatt.com/homepage/teil_4/).

Dabei wird auch die Frage nach den Geschäftsmodellen der Banken gestellt und beantwortet. Neben der Tatsache, dass aufgrund der Finanzkrise der ABS-Markt zusammengebrochen ist, schreibt das Handelsblatt:
„Auch über die richtige Form der Finanzierung wird gestritten. „In“ ist es, sich zumindest zum Teil über Spareinlagen zu finanzieren. Als „out“ gelten Geschäftsmodelle, bei denen sich Banken ganz auf den Kapitalmarkt verlassen.“

Aus Sicht der Banken war es sicherlich immer „in“, die Refinanzierung über Spareinlagen zu erhalten. Hier ließen sich enorme Zinsmargen realisieren. Durch den gestiegenen Informationsgrad der Anleger konnten die Banken in den letzten Jahren Sparbücher nur sehr schwer verkaufen. Wenn es ihnen doch gelang, wurde ihnen von verschiedensten Kritikern vorgeworfen, den Kunden zu niedrige Zinsen zu zahlen und gleichzeitig hohe Zinsen am Kapitalmarkt zu realisieren.

Wie sich die Zeiten ändern!

Aus theoretischer Sicht ist besonders der „out“-Punkt interessant. Kommt es tatsächlich zu einer (Rück-)Entwicklung hin zur Vertiefung der Finanzintermediation? Sorgt die Finanzkrise für einen „Rückschritt“, nachdem die letzten Jahrzehnte durch Disintermediation und Verbriefung geprägt waren? Übersteigen die Nachteile der direkten Begegnung von Kreditnehmer und Kreditgeber auf dem hoch entwickelten Kapitalmarkt tatsächlich die Vorteile?

Spannend ist in diesem Zusammenhang auch die Frage, was eine solche Entwicklung für die Eigenkapitalanforderungen der Kreditinstitute bedeutet.

Die momentane Situation macht es für Banken unmöglich, ihre Aktiva am Kapitalmarkt zu platzieren und damit ihr Eigenkapital zu entlasten. Gleichzeitig können sich Unternehmen nur schwer und zu hohen Zinssätzen über den Kapitalmarkt finanzieren, sie sind also auf Bankkredite zu einer Anschlussfinanzierung angewiesen. Diese Kredite müssen mit (nicht vorhandenem) Eigenkapital unterlegt werden. Und es gibt Bestrebungen, die Eigenkapitalunterlegung der Kredite von derzeit ca. 8% auf bis zu 20% zu erhöhen.

Wenn man diese Tendenzen zusammenfasst, steht der Wirtschaft tatsächlich das Schlimmste noch bevor.

Ist es in einer solchen Situation nicht effizienter, geeignete Regelungen zu finden, um die Marktmechanismen zu verbessern? In erster Linie zählt dazu eine valide Einschätzung der Bonität von Kreditnehmern. Also Ratings, denen die Marktteilnehmer (wieder) vertrauen können.

Oder um es mit der Deutschen Bank zu sagen: „Vertrauen ist der Anfang von allem“.