Banking – Back to the roots?

In einer Studie hat KPMG, in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband deutscher Banken, die Auswirkungen der geänderten Bankenregulierung untersucht. Als Ergebnisse der stärkeren Regulierung seit der Finanzkrise werden verschiedenen Punkte genannt.

Ein wesentlicher Punkt seien die mittlerweile höheren Kapital- und Liquiditätsreserven der Banken. Damit wäre ein Hauptziel der Regulierung erreicht. Ob diese höheren Reserven tatsächlich ausreichend sind, darüber streiten die Experten.
Zusätzlich würden die Kreditinstitute sich wieder verstärkt auf ihr originäres Geschäft mit Firmen- und Privatkunden konzentrieren und den Eigenhandel und „besonders risikoreiche Geschäfte“ verringern.
Möglicherweise lassen sich ja durch die seit längerem sehr niedrigen Zinssätze wieder höhere Margen für die Institute durchsetzen. Und gegen Eigenhandel und riskante Geschäfte ist eigentlich nichts einzuwenden – solange die Institute selbst dafür haften! Scheinbar wollen sie aber dieses Risiko immer seltener eingehen.

Den Gesamtaufwand für die Umsetzung der verschiedenen Vorschriften beziffern die deutschen Banken auf jährlich ca. 9 Mrd. Euro. Bankenvertreter sind natürlich über diese höheren Kosten wenig erfreut und verweisen auf eine sich verschlechternde Ertragslage. Ausserdem mahnen sie eine Überprüfung von möglichen Fehlanreizen der Vorschriften, insbesondere bei kumulierter Betrachtung an.

Insgesamt also keine überraschenden Ergebnisse.

Bewegt er sich doch….?

…. der Ratingmarkt?

Auf Twitter wurde ich heute von @AnleihenFinder auf eine Neuemission hingewiesen. Die Laurél GmbH begibt eine Anleihe mit 5-jähriger Laufzeit und einem Kupon i.H.v. 7,125%. Das Maximalvolumen beträgt 20 Mio. Euro, die Stückelung 1.000 Euro. So weit, so gut verzinst.

Interessant ist der Hinweis, dass Laurél „nach eigenen Angaben“ ein BBB Rating der Creditreform Rating besitzt. Diese Aussage kann ich nach der Recherche auf den Creditreform-Seiten bestätigen. Es handelt sich dabei um ein Emittenten-Rating, kein Emissions-Rating. Die exakte Ratingskala der Creditreform konnte ich auf die Schnelle nicht finden, lediglich den Hinweis:

Im abschließenden Ratingurteil werden sämtliche Informationen zu einem Wert verdichtet und auf einer international verständlichen Ratingskala von AAA bis D abgebildet. So symbolisiert etwa die Note „AAA“ die bestmögliche Bonität.

Die Skalierung scheint also analog zu denen der großen Drei (S&P, Moody’s und Fitch) zu sein und Laurél ist damit im Investment Grade. Diese großen Drei spielen allerdings nach Aussage der Anleihen Finder GmbH auf dem Markt für Mittelstandsanleihen keine Rolle. Die Creditreform sei in diesem Segment der Marktführer.

Und das würde bedeuten, dass doch Bewegung in den Ratingmarkt gekommen ist – wenn auch (zunächst?) nur in einem kleinen Marktsegment. Eine gute Nachricht für alle, die wie ich die oligopolistische Marktform als suboptimal erachten.

Allerdings will ich nicht verschweigen, dass der Markt für Mittelstandsanleihen in der letzten Zeit einige Ausfälle erlebt hat. Man muss abwarten, ob sich die Ratings der Creditreform ex post als korrekt erweisen.
Und natürlich muss ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass mein Modell mit den Ratingagenturen der Kreditinstitutsgruppen gerade auch im Mittelstand eine gute Alternative darstellt – sowohl zu den großen Drei als auch zu dem „Marktführer Creditreform“.

Finanzkommunikation

Meine hauptsächliche Beratungsleistung – Finanzkommunikation – erfreut sich zunehmender Beachtung. Nachdem ich in diesem Bereich seit einigen Jahren beratend tätig bin und bereits vor über einem Jahr im IHK-Magazin „Wirtschaft Nordhessen“ einen entsprechenden Beitrag beisteuern konnte, veröffentlich nun die Financial Times Deutschland ein „Spezial Finanzkommunikation„. In verschiedenen Beiträgen werden Hinweise gegeben, wie Unternehmen die Kommunikation mit ihren Kapitalgebern verbessern können.

Ebenfalls zu diesem Thema fand vor einigen Tagen eine Veranstaltung in Kassel statt, initiiert von der Industrie- und Handelskammer. Auch hier wiesen verschiedene Experten auf die Wichtigkeit des Dialogs zwischen Unternehmen und Kreditgebern hin. Zu Gast waren u.a. der „Kreditmediator Deutschland“ Hans-Joachim Metternich, der Geschäftsführer des Instituts für Kredit und Finanzwirtschaft der Ruhr-Universität Bochum, Prof. Stefan Stein und der Vorsitzende des Bundesverbandes der Kreditmediatoren, Rainer Langen.

Man kann nicht oft genug darauf hinweisen, dass eine gute, kontinuierliche Finanzkommunikation den Unternehmen Geld sparen kann. Diese Ersparnis überkompensiert die Kosten, die sich bei einer qualifizierten Beratung ergeben.

Restriktive Kreditvergabe

Während ich mich hier in Grundsatzdiskussionen vertiefe, hat Dirk Elsner vom BlickLog einen schönen, praxisrelevanten Beitrag verfasst.

In „Finanzierung und restriktive Beleihungswerte“ berichtet er über das extrem risikoaverse Verhalten der Banken. In seinem Beispiel kritisiert Elsner den Beleihungswert von Sicherheiten i.H.v 40%. In diesem Fall handelt es sich um die Vorfinanzierung marktgängiger Produkte für einen mittelständischen Großhändler.

Aus meiner Sicht macht dieses Beispiel wieder einmal deutlich, vor welchem Dilemma Banken und Bankaufsicht stehen. Einerseits ist eine wesentliche Aufgabe der Banken die Kreditversorgung der Wirtschaft. Andererseits verleihen Banken nicht ihr eigenes Geld, sondern das ihrer Anleger. Dementsprechend muss Vorsorge getroffen werden, damit die Institute kein zu hohes Risiko eingehen.

Um Risiken für den Bankanleger zu verringern schreiben die Baseler Vorschriften eine risikoadjustierte Unterlegung aller Kredite mit Eigenkapital vor. Je höher das Kreditrisiko ist, desto höher ist die Eigenkapitalunterlegungspflicht. Das Eigenkapital erfüllt damit zwei Aufgaben: es induziert eine Selbstbindung der Banken und dient als Risikopuffer.

Ohne an dieser Stelle genauer auf die Einzelheiten einzugehen, muss jeder Kredit mit ca. 8% Eigenkapital unterlegt werden. D.h. für einen Kredit i.H.v. 1.000.000 Euro muss die Bank 80.000 Euro Eigenkapital vorhalten. Durch Sicherheiten lässt sich die Höhe der Eigenkapitalanforderung verringern.

In der letzten Zeit werden die rd. 8% Eigenkapitalunterlegung häufig als zu niedrig betrachtet. Viele Politiker und Wissenschaftler vertreten die Meinung, dass 12% -15% eher angemessen seien. Die wichtigste Frage, die sich der Bankaufsicht in diesem Zusammenhang stellt, ist: was ist die „richtige“ Höhe der Eigenkapitalunterlegung?

Es besteht ein trade-off zwischen der Sicherheit für die Bankanleger und der Kreditvergabe an Unternehmen. Je höher die Eigenkapitalanforderungen sind, desto „sicherer“ sind die Einlagen der Anleger. Gleichzeitig wird es jedoch teurer und schwieriger für Unternehmen, Kredite zu erhalten.

Vorschläge zur Lösung dieses Problems lese ich gern in den Kommentaren.

Bankengespräche und Finanzierung

Zum Wochenende möchte ich heute einmal explizit auf einen Blogbeitrag von Dirk Elsners BlickLog hinweisen.

Er hat die Folien zu seinem Vortrag über Bankengespräche und Finanzierung zum Download bereitgestellt. Für interessierte Unternehmen und Unternehmer ist diese stichwortartige Zusammenstellung sicher aufschlussreich.

Und hier der Link: Bei den Wirtschaftsjunioren Hamburg: Bankengespräche und Finanzierung

Mittelstand ringt um bessere Ratings bei Banken

© handelsblatt.com

Gastbeitrag von Michael Multhaupt:

In der Onlineausgabe des Handelsblatt vom 30. April 2010 wird berichtet, dass das Bewertungssystem (internes Rating) der Banken die mittelständischen Unternehmen bei der Kreditvergabe überfordern. In dem Beitrag wird von einem IT-Unternehmer berichtet, der dank seiner Controllerin die Ratingnoten unter Bezugnahme der Bewertungskriterien analysieren konnte und somit eine bessere Ratingnote bei seiner Bank durchsetzte.

Ausschlaggebend ist, dass eine gute Ratingnote – nicht nur für Griechenland – für viele Unternehmen überlebenswichtig ist. Durch das Rating wird seitens der Banken beurteilt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Kunde sowohl den Kredit als auch die Zinsen zurückzahlen kann. Ist die Bonität schlecht, ergeben sich daraus teure Kreditkonditionen. Es ist wichtig festzuhalten, dass in der jetzigen Zeit (Wirtschaftskrise! – Ausmaß unbekannt) die kreditgebenden Institute teilweise allzu hohe Risiken scheuen und die Kreditnehmer noch stärker als in den vergangenen Jahren kontrollieren. Dies gilt sowohl vor als auch nach der Kreditvergabe.

Laut Handelsblatt sind Branchen wie die Automobilbranche, die Maschinenbauer und die metallverarbeitende Industrie besonders betroffen und deren Reserven aufgezehrt. Gemäß einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) wurde festgestellt, dass bei jedem viertem Unternehmen, die Kreditkonditionen schlechter seien als 2009. Etwa 100 000 Firmen (3 %) bekommen aufgrund der schlechten Bewertung kein Geld mehr. Es wird seitens der Banken mehr Sicherheiten und Transparenz verlangt. Festzuhalten bleibt auch, dass nach einer Umfrage des Mannheimer Instituts für Mittelstandsforschung die Bewertungen für 2010 schlechter ausfallen werden, da die Ratings sich auch auf das Krisenjahr 2009 beziehen und die Zahlen des vorangegangenen Jahres einen erheblichen Einfluss haben.

Nach Aussage von Johann Eekhoff, Präsident des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM), sind „[…]die Risiken von Krediten heute eindeutig höher als zuvor„. Untermauert wurde diese Aussage durch Norbert Winkeljohann, der bestätigte, dass viele Banken einen Wertberichtigungsbedarf in ihren eigenen Bilanzen spüren. Daraus folgt, dass in Zukunft weniger Risiken eingegangen werden, wenn die Banken einerseits Wertberichtungen vornehmen müssen und andererseits die Unternehmen ihr Eigenkapital aufgezehrt haben. Somit muss in Zukunft die Kreditwürdigkeit stärker als in der Vergangenheit bewiesen werden.

Weiterführend stellt der Bericht dar, dass von vielen Unternehmen die Bedeutung von Ratings noch nicht erkannt wurde und viele Unternehmen die Ratings nicht durchschauen und ihre Bewertung noch nicht einmal kennen. In dem vorangegangen Blogbeitrag „Externes Rating für bessere Kreditkonditionen“ wurde auf die wichtigsten Kriterien quantitativer und qualitativer Art hingewiesen. Zu beachten ist auch, dass die quantitativen Faktoren eine stärke Gewichtung haben als die qualitativen Gegebenheiten. Die ist vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen zu beachten. Die wichtigsten Kriterien beim Rating sind die Liquidität bzw. der Cash-Flow, da Liquiditätsprobleme meist zu einer Insolvenz führen.

Es bleibt festzuhalten, dass es wichtig ist, gegenüber den Banken mit offenen Karten zu spielen und die Probleme nicht zu verstecken, sondern diese gegenüber den Banken offen zu kommunizieren, da diese zeitverschoben unter Umständen dann doch sichtbar werden und es dann zu spät sein kann.

Externes Rating für bessere Kreditkonditionen – Rewe unterzieht sich Rating

Gastbeitrag von Michael Multhaupt

© www.standardandpoors.comIn einem Beitrag der Financial Times Deutschland wird berichtet, dass das Handelsunternehmen Rewe im März 2010 erstmals von der Ratingagentur Standard & Poor’s bewertet wurde. Die Initiative für dieses externe Rating ging von Rewe aus. Der Handelskonzern will damit erreichen, dass eine Refinanzierung zu besseren Konditionen stattfindet.

Nicht nur Rewe unterzieht sich neuerdings einer externen Bonitätsbeurteilung um bessere Kreditkonditionen zu bekommen, sondern jedes kapitalmarktorientierte Unternehmen muss sich Ratings unterziehen. Die Kapitalmarktteilnehmer erhalten durch das Rating eine Aussage zur Ausfallwahrscheinlichkeit der Schuldner.

Mittelständische Unternehmen benötigen zwar keine Ratingagenturen um sich Liquidität zu beschaffen, da diese meist nicht kapitalmarktorientiert sind, aber bei anstehenden Kreditverhandlungen werden die Unternehmen aufgrund ihrer Unternehmensdaten von den Banken bewertet und somit einem bankinternen Rating unterzogen.

Aufgrund der erwarteten steigenden Insolvenzen in diesem Jahr und der immer noch existierenden Gefahr einer „Kreditklemme“ kann man davon ausgehen, dass die Kreditinstitute sehr vorsichtig sein werden, demnächst Kreditentscheidungen allzu schnell zu treffen. Zu beobachten ist, dass die Informationsanforderungen der kreditgebenden Banken an die mittelständischen Unternehmen vom Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise vielfach gestiegen sind.

Mittelständische Unternehmen sollten sich darüber bewusst sein, dass heutzutage für Kreditentscheidungen gilt:

„Bessere Informationen für die Bank führen zu besseren Kreditkonditionen für das Unternehmen!“

Des Weiteren ist zu beobachten, dass sich Unternehmen nicht bewusst sind, wie ein Rating (Bewertung des Unternehmens) auf die Kreditvergabe wirkt. Nachfolgend informiert buschmeier-consulting in Grundzügen über das Rating und der damit verbundenen Anforderungen, die ein Unternehmen vor Kreditvergabe zu berücksichtigen hat, damit bessere Kreditkonditionen verwirklicht werden können.

Definition:
Das Rating ist eine Bewertungsmethode, mit der die Bonität (Kreditwürdigkeit) eines Schuldners bewertet wird und ist die Voraussetzung für die Kreditgewährung seitens der Banken. Das ist in Basel II und den Mindestanforderungen an das Risikomanagement der Kreditinstitute (MaRisk) vorgeschrieben. Von den Banken (Hausbank) wird die Bonität meist durch eigene Methoden bewertet. Diese Methode nennt man bankinternes Rating. Das interne Bankrating versucht durch Erfahrungswerte (Vergangenheit) und durch mögliche Zukunftsprognosen die Ausfallwahrscheinlichkeit des beantragten Kredites zu ermitteln.

Wenn die Ausfallwahrscheinlichkeit für die Bank sehr gering ist, wirkt sich dies grundsätzlich positiv auf die Kreditkonditionen  und somit auf die Liquidität  des Unternehmens aus. Indirekt kann sich dies durch den geringeren Zinsaufwand auf die Stärkung des Eigenkapitals auswirken. Ist die Ausfallwahrscheinlichkeit hoch, so muss das Unternehmen mit hohen Kreditkosten kalkulieren bzw. mit der Ablehnung des Kreditantrages rechnen.

Um ein Unternehmen zu bewerten, bedient sich das kreditgebende Institut folgender Bewertungskriterien:

Quantitative Faktoren:
Bei der quantitativen Bewertung werden die wirtschaftlichen Verhältnisse des Unternehmens beurteilt. Hierbei gelten als Kriterien die harten Faktoren. Diese können hierbei die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage, die Bilanzentwicklung der letzten Jahre sowie Bilanzkennzahlen (Eigenkapital- und Fremdkapitalquote sowie Liquiditätskennzahlen) sein.

Praxistipp:
Für anstehende Kreditgespräche in diesem Jahr ist es wichtig, dass Jahresabschlüsse von 2009 vorgelegt werden. Betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWA´s) reichen unter Umständen nicht aus, da diese von mittelständischen Unternehmen teilweise nicht aussagefähig sind und für eine Kreditentscheidung nicht ausreichend sein könnten. Desweiteren gibt es zwischen den BWA`s und dem festgestellten Jahresabschluss Informationsdefizite, da Spielräume in der Bewertung von beispielsweise Kundenforderungen, Waren im Umlaufvermögen, halbfertige und fertige Arbeiten sowie Abschreibungen (pro rata temporis) und Rückstellungen nicht oder nur teilweise berücksichtigt werden

Qualitative Faktoren:
Bei den qualitativen Faktoren werden Kriterien bewertet, die schwer zu „fassen“ sind, aber dennoch eine Auswirkung auf das Rating haben können. Grundsätzlich werden hierbei die  weichen Faktoren wie die Unternehmensführung und Nachfolgeplanung, die Organisations– und Prozessstrukturen, die Qualifikation der Mitarbeiter, sowie das Controlling und Risikomanagement berücksichtigt. Die Außenwirkung zu Geschäftspartnern, Banken und Kunden sind nicht zu unterschätzen und werden als allgemeine Erfahrungs- und Umweltfaktoren mit in das Rating einbezogen.

buschmeier-consulting hat sich zur Aufgabe gemacht Unternehmen in finanzwirtschaftlichen- und bankrechtlichen Fragen zu beraten und somit auf das Bankrating vorzubereiten.