Offener Brief an den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank

Lieber Herr Dr. Ackermann,

zunächst möchte ich mich bei Ihnen bedanken, dass Sie in einem dpa-Interview zu meinem Modell für den Ratingmarkt Stellung beziehen (Quelle: n24). Damit bestätigen Sie die in meinem letzten Blogbeitrag vertretene Auffassung, dass nur zwei Ansätze tatsächlich erwähnenswert sind: Roland Bergers europäische Ratingagentur und meine kreditinstitutsgruppen-eigenen Agenturen. Sie werden wie folgt zitiert:

Aber einige wenige Banken in Europa können eine solche Agentur nicht gründen, da sie unabhängig sein muss.

Dazu möchte ich gern kurz an dieser Stelle antworten, auf Wunsch erläutere ich Ihnen meinen Ansatz in einem persönlichen Gespräch detaillierter. Auch für die Deutsche Bank würde mein Modell ein neues, lukratives Geschäftsmodell darstellen.

In meinem Ansatz beschreibe ich, wie und warum (zunächst) die drei Säulen des deutschen Banksystems – Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Großbanken – jeweils eine eigene, zentralisierte Ratingagentur gründen sollten. Neben des verbesserten Wettbewerbs auf dem Ratingmarkt sind auch die Anreizstrukturen dieser Agenturen denen der großen drei, S&P, Moody’s und Fitch, überlegen.

Während die Bonitätseinschätzungen dieser drei lediglich eine Meinung ohne jegliche Haftung darstellen, haften in meinem Modell die Kreditinstitute über die Kreditvergabe und die Pflicht zur Eigenkapitalunterlegung durch Basel II für ihre Ratingnote. Selbst bei einem Verkauf der Kreditforderungen am Kapitalmarkt lässt sich über einen Selbstbehalt – wie er z.B. bei Derivaten neuerdings verlangt wird – die Haftung für Ratingaussagen regeln. Damit ist der Anreiz, korrekte Bonitätseinschätzungen abzugeben, m.E. sogar der von Ihnen geforderten Unabhängigkeit überlegen.

Roland Bergers Europäische Ratingagentur – Keine Schadenfreude

Heute berichtet die Financial Times Deutschland darüber, dass die Finanzierung des Berger-Projekts „Europäische Ratingagentur“ stockt. Im Artikel wird die Summe von 300 Mio. Euro genannt, die eigentlich bis Ende 2011 aufgetrieben werden sollte. Der Initiator und Berger-Partner Markus Krall verschiebt den Start nun um „drei bis vier Monate“. Nach meinen Informationen waren 300 bis 500 Mio. Euro als Startfinanzierung für die ersten drei Jahre eingeplant.

Auf persönlicher Ebene könnte ich mich nun aus zwei Gründen freuen: einerseits hat sich meine – auch an dieser Stelle geäußerte – Kritik bestätigt. Andererseits hat einer meiner Mitbewerber Schwierigkeiten mit seinem Modell, was gut für meinen Ansatz sein sollte.

Ich freue mich jedoch nicht. Meine feste Überzeugung ist weiterhin, dass nur zusätzlicher, qualifizierter Wettbewerb das Oligopol auf dem Ratingmarkt durchbrechen kann und so die suboptimale Situation bereinigt wird. Auf professioneller Ebene finde ich es schade, dass dieses Ziel nun erst später erreicht werden kann.

Es existieren einige Ideen und Modelle zum Ratingmarkt, in der Politik und bei den europäischen Aufsichtsbehörden werden jedoch nur zwei Ansätze tatsächlich ernst genommen: mein Modell der institutsgruppeneigenen Ratingagenturen und das Berger-Modell einer Europäischen Agentur. Meiner Ansicht nach schliessen sich diese beiden Ideen nicht aus, sondern ergänzen sich sehr gut. Je mehr Wettbewerb herrscht, desto eher können sich die Marktteilnehmer für die (ex-post) guten Agenturen entscheiden. Die schlechten müssen aus dem Markt austreten – der normale Marktmechanismus.

Da ich aber weder völlig altruistisch bin noch von Roland Berger bezahlt werde (zumindest noch nicht!), möchte kurz die Probleme des Berger-Modells skizzieren und die Vorteile meines Ansatzes herausstellen.

Das erste Problem der Europäischen Ratingagentur scheint die Finanzierung zu sein, wie es im FTD-Artikel beschrieben wird. Ein weiteres Problem sind die Anforderungen des Berger-Modells an die europäische Politik und Aufsichtsbehörden. Zur Umsetzung sind einige Gesetzesänderungen nötig und auch datenschutzrechtlich gibt es wohl noch offene Fragen. Von der im FTD-Beitrag erwähnten öffentlichen Anschubfinanzierung will ich erst gar nicht sprechen. All dies führt zu Wettbewerbsverzerrungen, die ich ablehne.

Mit meinem Modell der institutsgruppeneigenen Ratingagenturen sind weder gesetzgeberische noch finanzielle Anforderungen verbunden. Die aktuelle Regulierung ist völlig ausreichend und eine Startfinanzierung obsolet. Ganz im Gegenteil führt mein Modell sogar zu finanziellen Einsparungen auf Seiten der Banken. Und auch mittelständische Firmen hätten den Vorteil, kostengünstiger ein anerkanntes Rating zu erhalten.

Abschliessend möchte ich noch einen weiteren Grund nennen, warum bei mir keine Schadenfreude aufkommen will. Durch den hohen Bekanntheitsgrad von Roland Berger, der sehr guten politischen und wirtschaftlichen Vernetzung und der guten Ressourcenausstattung – insbesondere im Vergleich zu buschmeier-consulting – ist das Thema Ratingmarkt häufig medial präsent. Und genau so, wie ich bei meinen Vorträgen oft nach der Europäischen Ratingagentur gefragt werde, ist mein Modell als einzige Alternative bei Roland Berger präsent. Dies ist ein wenig vergleichbar mit Apple, die zwar nicht an der Consumer Electronics Show (CES) teilnehmen, aber trotzdem (oder gerade deswegen?) auch im Fokus stehen.

Also wünsche ich Roland Berger und Herrn Krall viel Erfolg – allerdings bitte ich um Verständnis, wenn ich mich am Stiftungskapital nicht beteilige.

Monopolistische Ratingagentur

Nachdem meine Erwähnung des Papers von Bolton/Freixas/Shapiro zu einem Monopol auf dem Ratingmarkt so große Resonanz erfahren durfte, stelle ich heute einmal ein Gedankenexperiment an.

Die Forscher haben in dem o.g. Paper hergeleitet, dass eine monopolistische Ratingagentur dazu beitragen kann, die existierenden Interessenkonflikte abzubauen. Sie argumentieren, dass bei einer einzigen Agentur nicht die Gefahr besteht, dass Emittenten ihre Auftragsvergabe an gute Ratingnoten koppeln und ggf. den Ratinganbieter wechseln.

Führt man diesen Gedanken weiter, kommt man zu einer einzigen, weltweiten Monopolagentur. Diese ist dann tatsächlich völlig unabhängig von den Wünschen der Emittenten und könnte ohne Rücksicht auf Mandatsverlust Noten vergeben – es existieren ja keine Alternativen.

Nun ist aber leider das Rating – also die Einschätzung der zukünftigen Zahlungsfähigkeit eines Schuldners – mit hoher Unsicherheit verbunden. Weder in der Theorie noch in der Praxis existieren Modelle zur sicheren Vorhersagbarkeit der Zukunft (sieht man einmal von der neoklassischen Theorie ab, die in den letzten Jahren sehr in die Kritik gekommen ist).

Wir hätten dann also eine einzige Ratingagentur, die mit ihrer Methode Bonitätseinschätzungen weltweit abgibt. Damit ist diese Methode das einzig verfügbare System. In einer de facto unsicheren Welt. Es wäre dann völlig unerheblich, ob und in welchem Maße die Methode transparent gemacht wird. Schliesslich steht sie nicht im Wettbewerb mit anderen Methoden, die möglicherweise besser sind. Sicherlich könnte man die Aufsicht über diese eine Agentur so gestalten, dass Missbrauch oder offensichtliches Fehlverhalten verringert wird. Dies wird jedoch nicht dazu führen, eine perfekte Ratingmethode implementieren zu können. Und für die Agentur besteht auch kein Bedarf, ihre Ratingmethode im Zeitablauf zu verbessern – dies wäre ja mit Kosten verbunden. In einem solchen Szenario ist es irrelevant, ob die Agentur staatlich oder privatwirtschaftlich geführt wird. Und auch der Preis für Ratings könnte (und müsste) hoheitlich vorgegeben werden. Ich sehe schon die Lobbyisten zu Hochform auflaufen.

Sollte eine einzelne Institution so viel Macht in sich vereinen?

Meines Erachtens ist die einzig vernünftige Möglichkeit ein Wettstreit unterschiedlicher Ratingmethoden, da keine für sich in Anspruch nehmen kann, die einzig richtige zu sein. Und unter fairen Wettbewerbsbedingungen müssen sich die besten Methoden herausstellen – ex post. Dann können die Nutzer der Ratings entscheiden, welche Agentur sich in der Vergangenheit bewährt hat. Die Emittenten werden sich diejenigen Agenturen aussuchen, deren Ratings die höchste Akzeptanz auf den Märkten erfahren, da sie ihre Wertpapiere möglichst gut platzieren wollen.

Und übrigens: faire Wettbewerbsbedingungen heisst für mich nicht drei Agenturen + eine „Europäische Ratingagentur“.

Alle wollen Europäische Ratingagentur

© http://ec.europa.eu

Um es mit einer bekannten Werbung zu sagen: die Geschichte der Europäischen Ratingagentur ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Dennoch hindert dies verschiedene Interessengruppen und die Politik nicht daran, diese unterstellte Notwendigkeit mit aller Macht zu verfolgen. Seit kurzem sind einige weitere Institutionen hinzu gekommen, die sich den Rufen der Politiker nicht verwehren wollen. Kein Wunder – es ist schliesslich Geld damit zu verdienen.

Die jüngste Entwicklung ist eine Initiative zu einer Europäischen Ratingagentur, der ein Konzept der Unternehmensberatung Roland Berger zu Grunde liegt. Beteiligt sind zusätzlich die Hessische Landesregierung, die Deutsche Börse und die Finanzplatzinitiative Frankfurt. Laut Süddeutscher Zeitung unterstütze die Bundesregierung diese Pläne.

Wie sieht nun das Konzept von Roland Berger aus? Einige Informationen finden sich in dem verlinkten SZ-Beitrag. Dort wird ein Senior Partner von Roland Berger mit den Worten zitiert, dass der Markt für Ratingagenturen grundlegend verändert werden müsse. So weit, so richtig – den Lesern dieses Blogs ist das seit langem bekannt. Weil ich nicht müde werde, darauf hinzuweisen. Auch die folgende Einschätzung von Berger-Partner Krall ist korrekt, wenn auch nicht neu: Grundprobleme seien der mangelhafte Wettbewerb und die Interessenkonflikte im bestehenden Ratingsystem. Die weiterhin von Krall vorgebrachte Kritik an gleichzeitiger Beratung und Bewertung durch die Agenturen ist jedoch seit der EU-Verordnung über Ratingagenturen haltlos, da dies mittlerweile verboten ist. Auch der Hinweis, die Kritik an den Agenturen gehe bis zum Jahr 2002 und dem Platzen der Internetblase zurück, ist ein wenig zu kurz gegriffen. In der über 100-jährigen Geschichte der Ratings gab es immer wieder Fehleinschätzungen. Neben Russlandkrise, Mexikokrise und Ölkrise ist insbesondere die Fehleinschätzung von Penn Central Ende der 60er Jahre zu erwähnen. Diese Pleite hatte eine Pflicht zur Anerkennung der Agenturen durch die amerikanische Börsenaufsicht SEC zur Folge. (Nota Bene: der Zulassungsprozess war extrem schwierig – es wurden einfach alle am Markt existenten Agenturen anerkannt)

Gut, die Systematisierung der Probleme durch Berger ist also einigermassen korrekt. Wie wollen sie nun die Probleme lösen?

Erster Hinweis ist die Kritik am issuer pays model. Also daran, dass die bewerteten Unternehmen und Banken ihr Rating selbst zahlen. Stattdessen möchte Roland Berger, dass die Investoren für die Bonitätsurteile zahlen – also das investor pays model. Wie man die Investoren dazu bekommt, für die Ratings zu zahlen, geht aus dem SZ-Artikel leider nicht hervor. Ausserdem möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass ich das investor pays model für haftungsrechtlich problematisch halte.

Als zweite Schwäche darf natürlich der Hinweis auf mangelhafte Transparenz nicht fehlen. Roland Berger will im Hinblick auf die dem Rating zu Grunde liegenden Daten, die Modelle, das Ratingverfahren und die Organisation der Agenturen die Transparenz erhöhen. Einiges davon wurde jedoch mit der EU-Ratingverordnung bereits eingeführt.

Als Rechtsform dieser neuen Europäischen Ratingagentur schlägt die Initiative eine private Stiftung vor, die von Investoren und Börsen getragen werden solle. Dass auch Investoren durchaus ein Interesse an der Beeinflussung eines Ratings haben können, wurde von mir bereits dargestellt.

Der SZ-Artikel schliesst mit der Aussage des Berger-Partners Krall: mit der notwendigen politischen und regulatorischen Unterstützung könne der Aufbau dieser Ratingagentur in sechs bis 12 Monaten beginnen und nach zwei bis drei Jahren soll sie sich am Markt etabliert haben. Mich würde sehr interessieren, was mit dieser notwendigen politischen und regulatorischen Unterstützung gemeint ist. Sollte diese, von der Politik geforderte, Europäische Ratingagentur regulatorisch bevorzugt werden, führt dies wieder zu Marktverzerrungen. Und das kann ja eigentlich nicht gewünscht sein. Die Umsetzung wäre sehr einfach: Politik und Aufsicht beschliessen einfach, dass ein Rating dieser neuen Agentur – die über noch keinerlei Expertise verfügt – für Emissionen in Europa verpflichtend ist. Die Lizenz zum Gelddrucken. Da Roland Berger in seiner Pressemitteilung explizit um Teilnahme an der Initiative bittet, habe ich bereits per Mail die Modalitäten angefragt – ich werde berichten.

Politisch korrekt sagt Krall: „Es geht nicht um Europa gegen Amerika, sondern darum, mehr Wettbewerb und mehr Transparenz im Ratingbereich zu schaffen“ – erinnert mich an einen Buchtitel….

Aber bitte: wenn auf dem Ratingmarkt neben den drei dominierenden Anbietern mit 95% Marktanteil EINE weitere Agentur hinzukommt, ist das für mich noch immer weit entfernt von (polypolistischem) Wettbewerb. Dazu müssten mehr Anbieter in den Markt eintreten – wie das funktionieren kann, habe ich in meinem Buch dargestellt.

Europäische Ratingagentur Part 5

Gerne und häufig verlinke ich an dieser Stelle auf das Handelsblatt. Auch in diesem Beitrag.
Der Titel: „Angriffe auf Ratingagenturen – ‚Sie treiben Volkswirtschaften in die Krise‘

Das Titelzitat ist von Brüderle, dafür kann das Handelsblatt nichts. Ein Minister sollte jedoch wissen, dass Ratingagenturen die Volkswirtschaften nicht in die Krise treiben. Das schaffen die Länder schon ganz alleine. Ratingagenturen können lediglich auf Länderkrisen aufmerksam machen. Das allerdings so prominent, dass vorliegende Probleme verschärft werden. Und an dieser Machtposition der Agenturen ist die Politik nicht ganz unschuldig.

Nun fordert die FDP-Bundestagsfraktion eine neue europäische Ratingagentur. Am 17.06.2011. Kennt die FDP-Fraktion den Koalitionsvertrag der aktuellen Regierung, der sie angehört? Da steht das auch schon drin. Leider bleibt die konkrete Ausgestaltung dieser geforderten Agentur wieder einmal unklar.

Im nächsten Absatz geht es dann durcheinander – ich nehme an, das Handelsblatt gibt Minister Brüderle wieder, daher kurzes ökonomisches Durchzählen für Politiker:
Monopol = 1
Duopol = 2
Oligopol = wenige.
„Monopolstellung der angelsächsischen Institute“ geht also nicht. Im folgenden Satz ist dann auch von einem „engen Oligopol“ die Rede. Und dies sei – wegen der sich verschärfenden Griechenland-Krise – marktwirtschaftlich nicht mehr länger vertretbar. Ach so, wegen Griechenland jetzt nicht mehr? Ökonomisch ist ein Oligopol eigentlich immer suboptimal, dazu benötigt man keine Krise. Und mit einer einzigen europäischen Ratingagentur zusätzlich wird dann aus dem „engen Oligopol“ – ja was denn? Sicher kein – äh – breites (?) Oligopol. Und schon gar keine vollkommene Konkurrenz.

Anschliessend kritisiert Brüderle „scharf“ die aktuelle Abstufung Griechenlands durch die Agenturen. Ist die Ratingagentur Brüderle eigentlich bei der BaFin registriert?

„Auch wenn das Land nicht hinreichend wettbewerbsfähig sei, dürfe es jetzt nicht verramscht werden.“
Heisst das jetzt übersetzt: das Rating ist zwar richtig, aber es passt uns gerade nicht?
Liebe Ratingagenturen, bitte macht es bei europäischen Ländern wie bis 2008 und bewertet erstmal zu gut. Später, wenn die Pleite völlig offensichtlich ist, könnt ihr ja downgraden. Und wir Politiker können dann wieder meckern, dass die Agenturen nicht auf die Gefahren hingewiesen haben.
Ach und wenn das so nicht klappt, dann gründen wir unsere eigene Ratingagentur. Die bewertet dann so wie wir wollen.

Anschliessend weist der Handelsblatt-Artikel darauf hin, dass die SEC (US-Börsenaufsicht) zivilrechtliche Betrugsklagen gegen die Agenturen erwägt.
In amerikanischem Zivilrecht kenne ich mich nicht aus, aber ich befürchte, dass der Nachweis eines Betrugs schwierig werden könnte.

Wenn man unterstellt, dass Betrug vorliegt und dieser auch bewiesen werden kann: wie bitteschön kann denn dann ein Urteil lauten?
Wie viele Milliarden Strafe können es denn werden? Lag der Betrug durch die Agenturen nur bei den Derivaten vor, oder auch beim aktuellen Griechenland-Rating? Können Moody’s und S&P alleine die EU retten?
Gehen wir mal vom Extremfall aus: die Agenturen werden mit ihrem gesamten Vermögen haftbar gemacht und damit zerschlagen. Aufgelöst.
Was kommt danach? Niemand wird bei einer potentiell uferlosen Haftung dann zukünftig eine Bonitätseinschätzung veröffentlichen – keine Ratingagentur, keine Presse.
Wer sorgt dann für einen Abbau der Informationsasymmetrie? Wie sollen Anleger das Risiko ihrer Anlagen einschätzen?

Europäische Ratingagentur Part 4?

Heute ein kurzer Hinweis und Link zum weissgarnix-Blog.

Unter dem Titel „Wir haben schon eine europäische Ratingagentur“ wurde ein interessanter Vergleich von Ratings und Literaturkritikern gezogen.

In den Kommentaren entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, an der ich mich natürlich auch beteiligen musste. Dabei kam vom Autor des Beitrags, F. Luebberding, ein interessanter Link zur Berner Zeitung.

Hier äussert sich der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) Thomas Straubhaar zur Macht der Ratingagenturen. Er fordert einen Wettbewerb vieler gleichgestellter Ratingagenturen. Ob er mein Buch gelesen hat?

Literaturempfehlung

Endlich ist es soweit – ich kann mein eigenes Buch empfehlen. Auf mein Modell zum Ratingmarkt habe ich an verschiedenen Stellen hingewiesen. Ab Mai wird die gesamte wissenschaftliche Herleitung im Buchhandel zu erwerben sein. Der Titel lautet: „Ratingagenturen – Wettbewerb und Transparenz auf dem Ratingmarkt“.

>> Hier der Link zum Gabler-Verlag, der das Buch veröffentlicht.

Auch bei Amazon ist es schon zu finden, allerdings noch mit dem wissenschaftlichen Titel.

Inhaltlich habe ich einen weiten Bogen über alle m.E. relevanten Bereiche gespannt. Von den theoretischen Grundlagen des Kreditgeschäfts und einer Kurzübersicht der Bankbetriebslehre über die Aufsicht und Regulierung von Banken und Ratingagenturen bis hin zu Basel II. Den Abschluss bildet mein Modell eines zentralisierten bankinternen Ratings der Kreditinstitutsgruppen.

Klingt spannend – ist es auch ;)

Konsultation über Ratingagenturen

© http://ec.europa.eu

Die EU-Kommission hat im November 2010 ein Konsultationspapier veröffentlicht, mit dem sie die Diskussion über eine Regulierung der Ratingagenturen voranbringen will. Es handelte sich um eine öffentliche Konsultation und die Kommission bat um Stellungnahmen bis zum 07. Januar 2011. Die eingegangenen Antworten wurde nun auf der Internetseite der EU-Kommission veröffentlicht.

>> Hier finden sich sowohl das Konsultationspapier als auch die Antworten darauf.

Bei den „Contributions authorised for publication“ / „Individuals“ findet sich auch mein Diskussionspapier zur Förderung des Wettbewerbs und der Transparenz auf dem Ratingmarkt.

Insgesamt sind der Kommission 93 Antworten zugegangen. Neben den „public authorities“ und „registered organisations“ haben 28 „individuals/other contributers“ an der Konsultation teilgenommen.

Nach Auswertung der Konsultation werden der Politik konkrete Handlungsvorschläge präsentiert, die bis 2012 umgesetzt werden sollen.

Können bankinterne Ratings die externen Ratings ersetzen?

© handelsblatt.com

In einem Blogbeitrag fasst Oliver Everling heute die Aussagen vom Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Jörg Asmussen, zusammen. Asmussen hat auf der Handelsblatt-Konferenz „Kapitalmarktforum 2011“ zu Fragen der Regulierung der Finanzmärkte Stellung genommen. Interessant finde ich insbesondere den letzten Absatz, den ich zitieren möchte:

Die Funktionen der Ratingagenturen im Finanzsystem zurückzudrängen, diesre Forderung erteilt Asmussen eine klare Absage. Zwar sei schnell ein Konsens bei der Schelte der Ratingagenturen zu erzielen, nicht nur in Europa, sondern auch weltweit, die entscheidende Frage stelle sich aber: “Was kommt dann?” Bankinterne Ratingsysteme könnten externe Ratings nicht ersetzen. Asmussen ist sich daher sicher, dass es bei den Ratingagenturen bleiben werde, wenn auch mit Reformbedarf.

Fast scheint es, als sei Asmussen mein Modell bekannt (dies ist durchaus möglich, meiner Mail an ihn mangelt es seit 2008 an einer Antwort). Die Interpretation ist jedoch falsch: ich will mit bankinternen Ratings nicht die externen Ratings der großen Agenturen ersetzen, sondern lediglich Wettbewerb induzieren, damit auch auf dem Ratingmarkt der normale Marktmechanismus greifen kann.

Warum bankinterne Ratingsysteme externe Ratings nicht ersetzen können, bleibt in Everlings Beitrag leider offen. Auch in dem entsprechenden Handelsblatt-Artikel wird diese Frage nicht geklärt.

Hat einer meiner Leser eine passende Quelle bzw. Argumente, die für diese Annahme sprechen? Ich freue mich über Kommentare!