Wie sicher ist die Einlagensicherung?

In einem aktuellen Urteil betont das Landgericht Berlin, dass bei einer Bankpleite die Anleger lediglich die gesetzliche Einlagensicherung einklagen können. Diese liegt weit unter dem von den Instituten freiwillig eingerichteten Einlagenschutz. Diese Rechtsauffassung sei allgemein anerkannt und gelte nicht nur für den Einlagensicherungsfonds der Privatbanken, sondern auch für die Institutssicherung der Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Die vermeintliche Rechtssicherheit, die Kreditinstitute den Kunden suggerieren, existiert nicht. (Quelle: Handelsblatt)

Gesetzlich vorgeschrieben und damit einklagbar sind zukünftig bis zu 100.000 Euro auf Giro- und Termingeldkonten sowie Inhaberschuldverschreibungen des Kreditinstituts.

Sparkassen und Genossenschaftsbanken mit gefährlicher Strategie?

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Das Handelsblatt berichtet in einem Artikel darüber, dass insbesondere Sparkassen und Genossenschaftsbanken ein gefährliches Spiel zu ihrer Refinanzierung betreiben. Aufgrund der Niedrigzinspolitik der EZB können die Kreditinstitute sehr günstig kurzfristige Einlagen annehmen, die sie dann mit einem Zinsaufschlag als langfristige Kredite weitergeben.

Das Handelsblatt schreibt: „Das Prinzip: Die Banken leihen sich von ihren Kunden per Tages- oder Festgeld kurzfristig Geld, das sie langfristig zu höheren Zinssätzen an Häuslebauer oder Mittelständler verleihen. Diese Strategie wird Fristentransformation genannt. Sie ist der Haupttreiber für die derzeitigen Gewinne der kleinen Institute – und sie funktioniert nur, solange die kurzfristigen Zinsen so viel niedriger wie die langfristigen Zinsen bleiben“. (Liebes Handelsblatt, sollte es nicht heissen: „viel niedriger als die langfristigen Zinsen“?)

Fristentransformation ist keine „Strategie“, sondern eine der Hauptaufgaben von Banken. Dieses Geschäft betreiben insbesondere Sparkassen und Genossenschaftsbanken seit ihrer Gründung. Lediglich Privatbankiers haben anfangs ihr eigenes Geld verliehen. Und nur durch Ausübung ihrer Transformationsaufgaben haben Finanzintermediäre überhaupt eine Existenzberechtigung.

Das vom Handelsblatt beschriebene Geschäft funktioniert nicht nur bei großen Zinsdifferenzen, sondern immer dann, wenn der Sollzins über dem Habenzins (aus Kundensicht) liegt. Es ist allerdings richtig, dass bei größeren Zinsdifferenzen die Marge für die Banken größer ausfällt und damit ggf. der Gewinn.

Die der Fristentransformation immanente Gefahr ist jedoch korrekt beschrieben und man muss nicht weit in die Vergangenheit zurückgehen, um die entsprechende Krise zu finden. In den 1980er Jahren gingen viele Savings & Loan Associations in den USA Pleite, weil sie langfristige Kredite kurzfristig refinanziert hatten und dann die Zinsen stiegen. Die Institute sollten also gewarnt sein.

In der Praxis ist der Ablauf wie folgt: Kreditinstitute nehmen kurzfristige Einlagen ihrer Kunden an und zahlen dafür z.B. 1,5% Zinsen p.a. Aus diesen vielen, betragsmäßig kleinen Anlagen vergeben sie langfristige, große Kredite, die z.B. 3,5% Zinsen für die Bank erwirtschaften (damit ist auch die zweite Transformationsaufgabe der Banken erklärt: Losgrößentransformation bedeutet, dass aus vielen kleinen Einlagen große Kredite vergeben werden). Die Zinsmarge des Instituts liegt in diesem Beispiel (c.p.) bei 2%. Steigen nun die Zinsen, müssen die Banken ihren Kunden einen höheren Zinssatz zahlen, um Gelder zu attrahieren. Gleichzeitig können aber die langfristigen Kreditzinsen nicht nach oben angepasst werden. Im schlimmsten Fall steigen die Zinssätze über die im Beispiel genannten 3,5%, was die Banken in die Verlustzone treibt.

Die am Schluss des Artikels genannten Liquiditätskennziffern und die dahinter stehenden Liquiditätstheorien sind einen eigenen Blogbeitrag wert, der bald folgt.

Müssen Ratingagenturen verramscht werden?

© www.standardandpoors.comDer Spiegel veröffentlichte heute in seiner Online-Ausgabe einen Gastkommentar von Thomas Straubhaar mit dem Titel „Warum Rating-Agenturen verramscht werden müssen„. (Der Link bei SpON führt zum Hamburgischen WeltWirtschaftsinstitut, Prof. Dr. Thomas Straubhaar ist Lehrstuhlinhaber im Arbeitsbereich Internationale Wirtschaftsbeziehungen des Fachbereiches Volkswirtschaftslehre an der Universität Hamburg).

Ohne den Kollegen jetzt übermäßig verärgern zu wollen: der Beitrag fängt unklar an, wird jedoch zum Ende hin besser.

Bereits der Eingangssatz ergibt ein falsches Bild. „Griechenland ist der Beweis: Rating-Agenturen verschärfen Krisen, statt sie zu verhindern.“ Seit wann wurden Ratingagenturen damit beauftragt, Krisen zu verhindern? Ihre einzige Aufgabe besteht in der möglichst korrekten Beurteilung der Bonität von Schuldnern bzw. deren Finanztiteln. Und diese Aufgabe haben sie, nicht nur in der jüngsten Vergangenheit, suboptimal gelöst. Korrekt ist auch, dass das Geschäftsmodell der Agenturen mit Interessenkonflikten belastet ist. Wenn der Auftraggeber des Ratings gleichzeitig der Emittent der Papiere ist und für die Bewertung zahlt (issuer-pays-model), kann dies zu Gefälligkeitsurteilen führen. Zusätzlich wird die oligopolistische Marktstruktur durch bankaufsichtsrechtliche Vorgaben (Basel II) verfestigt. Auch aus diesem Grunde gehören die Agenturen weiterhin zu den wichtigsten Akteuren der Finanzmärkte.

Straubhaar beschreibt, dass nach der Ratingherabstufung Griechenlands „auf Ramschniveau“ Panik an den Finanzmärkten ausbrach. Diese Wortwahl, die übrigens von vielen Medien getroffen wurde, ist leicht irreführend. Freundlicherweise führt der Spiegel eine Übersicht aller Ratingnoten in dem Artikel auf. Daraus geht hervor, dass bei S&P noch zehn (!) Ratingnoten unterhalb von BB+ existieren. Allerdings befindet sich Griechenland mit dem S&P-Rating BB+ im speculative-grade (im Gegensatz zum investment-grade). In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass die Anlagerichtlinien einiger US-amerikanischer Pensionsfonds nur die Anlage im investment-grade-Berecih erlauben. Daran tragen jedoch die Ratingagenturen keine Schuld.

Anschliessend schreibt Straubhaar: „Erneut haben die Rating-Agenturen also mit ihren Bewertungsänderungen zur Krisenverschärfung und nicht zur Krisenverhinderung beigetragen.
Nochmal: wie soll jemand, der lediglich die Bonität eines Schuldners ermittelt, Krisen verhindern? Und bislang wurden nicht die Bewertungsänderungen der Agenturen kritisiert, vielmehr das genaue Gegenteil. Bis kurz vor ihren Zusammenbrüchen wurden AIG, Fannie Mae und Freddie Mac noch mit der Bestnote AAA bewertet. Als Hauptproblem wurde das zu späte Erkennen bzw. die zu späte Änderung der Ratingnote durch die Agenturen kritisiert.
Im Ergebnis ist es nun unerheblich, ob und wann Ratingagenturen ihre Einschätzung ändern und veröffentlichen – falsch ist es scheinbar in jedem Fall. Im nächsten Absatz schreibt dann auch Straubhaar, dass die Agenturen nur im Nachhinein reagieren.

Besonders gelungen ist die Formulierung: „Sie [die Agenturen] sehen Krisen nicht im Voraus […]“. Wer würde das nicht gern können?!

Um kurz auf die im Artikel postulierten Forderungen einzugehen:
– eine Pflichtabgabe für die Nutzer von Ratings ist ein interessanter Ansatz
– der Forderung nach größerer Transparenz und strengerer Aufsicht wurde in der EU-Verordnung über Ratingagenturen bereits nachgekommen
–  die Agenturen für ihre Bewertungen in die Haftung zu nehmen erscheint nur schwer umsetzbar. Dies würde einer uferlosen Haftung gleichkommen, mit der Folge, dass niemand mehr Bonitätsurteile veröffentlichen würde
– „die Rating-Agenturen endlich von ihrem nahezu hochrichterlichen Ross der Unfehlbarkeit herunterzuholen“ wurde auch in der neuen EU-Verordnung versucht, indem darauf hingewiesen wird, dass Ratings nicht die eigene Einschätzung ersetzen können. Und auch die Agenturen selbst weisen explizit auf einen hohen Subjektivitätsgrad ihrer Urteile hin.

Im Folgenden beschreibt dann Straubhaar selbst, dass seine vorherigen Forderungen kaum realisierbar sind.

Letztlich ist nur eine Entmachtung der Rating-Agenturen zielführend. Die Rating-Agenturen dürfen für die Entscheidungsbildung auf den Kapitalmärkten nicht mehr die herausragende Rolle spielen wie in der Vergangenheit. Ihre Urteile sollen nur noch zu einer Meinungsäußerung von mehreren werden, auf die hören mag, wer will.
Zur Entmachtung gehört auch eine Zerschlagung des bestehenden Oligopols. Ein Oligopol, das den drei großen Rating-Agenturen einen Marktanteil von rund 95 Prozent sichert und hohe Gewinnmargen garantiert, muss mit wettbewerblichen Maßnahmen zerschlagen werden. Ein intensiverer Wettbewerb ist die erfolgreichere Strategie, den Einfluss der Rating-Agenturen zu brechen, als mit immer größerem Kaliber der Regulierung am eigentlichen Ziel vorbeizuschießen.

Mit der Aussage, ihre Urteile seien eine reine Meinungsäusserung, begründen die Agenturen selbst ihre Nicht-Haftbarkeit. Allerdings wurden in den USA Klagen zugelassen, bei denen das Recht auf freie Meinungsäusserung ggf. nicht einschlägig ist.

Die Zerschlagung des Oligopols mit wettbewerblichen Massnahmen findet meine vollste Unterstützung – leider liefert Straubhaar keinen Hinweis darauf, wie er sich das vorstellt. Aber die treuen Leser dieses Blogs kennen ja das bislang einzige Modell für mehr Wettbewerb auf dem Ratingmarkt.

Kreditklemme verschärft sich?

© http://newstopaktuell.wordpress.com

Das an dieser Stelle bereits mehrfach angesprochene Thema Kreditklemme findet zur Zeit wieder besondere Beachtung. Dirk Elsner hat in seinem BlickLog einen sehr interessanten Beitrag veröffentlicht. So belegen aktuelle Zahlen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der Bundesbank einen Einbruch bei der Kreditvergabe um 17% bis 23%.  Und Elsner weist darauf hin, dass sich die Situation aufgrund verschiedener Punkte noch weiter verschlechtern könnte.

An dieser Stelle seien lediglich zwei Punkte genannt:
1. Die unter dem Stichwort Basel III diskutierte Verschärfung der Eigenkapitalanforderungen an Banken wird dazu führen, dass Kreditinstitute entweder mehr Eigenkapital attrahieren oder die Gesamtkreditvergabe verringern müssen. Generell ist mit einem enormen Kapitalbedarf aller Kreditinstitute weltweit zu rechen.
2. Sollte die Konjunktur anspringen, so benötigen Unternehmen mehr Kredite zur Finanzierung ihrer Aufträge. Sind die Banken nicht bereit – oder nicht in der Lage – diese Kreditnachfrage zu befriedigen, wird das die wirtschaftliche Entwicklung massiv negativ beeinflussen.

Dass es, wie Elsner schreibt, neue Ansätze schwer haben, von den beteiligten Institutionen (Politik, Bankenaufsicht, Banken, Ratingagenturen etc.) beachtet zu werden, kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Offensichtlich hat sich in der Politik die Meinung verfestigt, dass nur über einen stärkeren Eingriff des Staates diese Krise überwunden und eine neue Krise verhindert werden kann. So ist z.B. auch die neue EU-Verordnung für Ratingagenturen dieser unterstellten politischen Notwendigkeit geschuldet. Der ökonomische Nutzen ist noch fraglich.

Das Handelsblatt berichtet heute, dass sich die Bundesregierung auf einem „Kreditgipfel“ dazu entschlossen hat, Unternehmen mit weiteren Konjunkturstützen zu helfen. Insbesondere über eine stärkere Beteiligungsfinanzierung soll eine Kreditklemme verhindert werden.

Die einzelnen Unternehmen können – zu einem gewissen Grade – selbst dafür sorgen, dass sich ihre Aussicht auf eine Kreditvergabe verbessert. Bei Kenntnis der Ratingkriterien der Banken lassen sich Kreditgespräche gut vorbereiten. Eine kontinuierliche und professionelle Finanzkommunikation ist in der momentanen Situation unabdingbar, um die Fremdkapitalfinanzierung eines Unternehmens zu sichern.

In eigener Sache

Heute erhielt ich eine Mail von smava, in der mir mitgeteilt wurde, dass mein Blog für den Finance Blog of the Year Wettbewerb nominiert wurde.

Zunächst einmal herzlichen Dank an den/die Leser, die mein Blog für den Wettbewerb vorgeschlagen haben. Und mein Dank geht auch an die Jury, die aus den vorgeschlagenen Blogs 15 – darunter meines – nominiert haben.

Natürlich freue ich mich über jede Stimme für mein Blog. In der Zeit vom 22.02. bis 09.03.2010 können die Stimmen abgegeben werden. Über das Ergebnis wird an dieser Stelle berichtet.

Obamas Bankenreform – Back to Glass-Steagall

© directnews24.tv

Gastbeitrag von Michael Multhaupt:

Einen interessanten Artikel konnte man in der gestrigen Financial Times Deutschland (FTD) lesen.

US-Präsident Barack Obama hat in den vergangenen Tagen Reformpläne vorgestellt, die möglicherweise die Bankenlandschaft in den USA verändern werden. Aufgrund der Reformpläne bietet die Citigroup schon jetzt (!) Teilbereiche (Beteiligungen, Immobilien- sowie die Hedgefondssparte) zum Verkauf an.

Bedingt durch die Reformansätze Obamas soll zukünftig das Verbot des Eigenhandels und die Unterhaltung von Private-Equity- und Hedge-Fonds per Gesetz beschlossen werden. Desweiteren soll auch das Verbot der Investitionen in die Fonds gesetzlich normiert werden. Nach Ansicht Obamas ist diese „Art“ von Geschäften zu riskant. Sollte die Reform als Gesetz beschlossen werden, wird dies auf eine Neuauflage des Glass-Steagall-Acts hinauslaufen. Dieser wurde 1999 durch Präsident Bill Clinton aufgehoben. Somit könnte ab Mitte des Jahres wieder in den USA das Trennbankensystem Einzug halten.

Hintergrund:
Der Glass-Steagall-Act ist die Bezeichnung von zwei Bundesgesetzen der USA, die nach dem US-Senator Carter Glass und dem Abgeordneten des US-Repräsentantenhauses Henry B. Steagall benannt wurden. Das erste Gesetz von 1932 diente der Eindämmung der Deflation während der Großen Depression. Diese galt als Ursprung des schwarzen Freitages im Oktober 1929 und somit als Auslöser der damaligen Weltwirtschaftskrise.

Trennbankensystem:
Das zweite Gesetz wurde ein Jahr später (1933) erlassen. Inhalt des Gesetzes war die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken (Trennbankensystem). Das Gesetz sollte verhindern, dass die Banken zuerst als Geschäftsbank fungierten und eine Kreditvergabe in Unternehmen vornehmen und dann, bei unvorhergesehenen Risiken, nochmals Kredite  investieren, um die eigene Kreditvergabe zu schützen. Diese Kredite wurden aus den Einlagen von Privatpersonen und kleineren Unternehmen finanziert. Dieses Vorgehen barg die Gefahr, dass bei Totalausfall des Schuldners (Unternehmen), die Einlagen der Privatpersonen und kleineren Unternehmen von den Banken nicht mehr zurückgezahlt werden konnten. Folglich konnten  Liquiditätsprobleme bei der kreditgebenden Bank, den kleineren Unternehmen und auch den Privatpersonen auftreten.

Einlagensicherung:
Zudem wurde erreicht, dass eine Einlagenversicherung abschlossen wurde. Analog dazu gibt es in Deutschland z.B. den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken. Dadurch sind die Guthaben jedes einzelnen Kunden bei den privaten Banken prozentual in Abhängigkeit vom haftenden Eigenkapital des jeweiligen Institutes gesichert. Geschützt werden dabei u.a. Sicht-, Termin- und Spareinlagen. Nicht geschützt sind u.a. Inhaberschuldverschreibungen (Bundesanleihen) sowie Inhabereinlagenzertifikate. Entsprechende Einlagensicherungssysteme existieren auch für den Sparkassen- und Genossenschaftssektor.

Kritik:
Es ist fraglich, ob durch die Wiedereinführung des Trennbankensystems Bankinsolvenzen verhindert werden können. Denn die Insolvenz von z.B. Lehman Brothers (reine Investmentbank) wurde nicht verhindert. Viele Experten sind der Meinung, dass eine  bessere Überwachung und striktere Kapitalanforderungen bei den Universalbanken die bessere Lösung sind.

Ein kurzer Beitrag mit Kritik an dem Vorschlag wurde vor einigen Tagen von Andreas Buschmeier veröffentlicht.

Anlegerschutz

© Kladu bei http://www.pixelio.de

In der WirtschaftsWoche Nr. 3 vom 18.01.2010 findet sich unter dem Titel „Achtung, Anlegerschutz!“ ein sehr interessanter Beitrag (online leider nur als Premium-Content). Der Artikel behandelt die seit 01.01.2010 vorgeschriebene detaillierte Protokollierung der Beratungsgespräche im Anlagegeschäft der Banken. Mit dem Gesetz soll erreicht werden, dass Bankkunden besser vor Falschberatung geschützt sind. Verschiedene Kritikpunkte werden von den Wiwo-Autoren zu Recht vorgebracht, so z.B. die Tatsache, dass dieses Gesetz nur für die vom Gesetzgeber als „Wertpapiere“ eingestuften Anlageprodukte gilt. Riskante Schiffs- oder US-Immobilienfonds fallen nicht in diese Kategorie. Und als besonderes Bonbon: für freie Vermittler von Finanzvertrieben gilt die Protokollpflicht nicht. Die Strukturvertriebe werden sich freuen.

Hauptgrund für diesen Blogpost ist jedoch die Aussage eines Rechtsanwalts. Er wird zitiert mit den Worten:

Viele Berater werden äußerst zurückhaltend agieren und im Zweifel lieber risikolose Standardprodukte empfehlen, statt offen zu reden und auch mal einen Geheimtipp anzupreisen.

Mal einen Geheimtipp anpreisen?

Hoffen wir für seine Mandaten, dass er kein Fachanwalt für den Finanzbereich ist. Ansonsten empfehle ich nochmals die Lektüre des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG). Sofern dieser „Geheimtipp“ auf Insiderwissen beruht, sollte der Handel damit bzw. die Weitergabe dieses Wissens vermieden werden. Aber vielleicht ist er Anwalt für Strafrecht.

Möglicherweise beruhen die „Geheimtipps“ nicht auf Insiderwissen. Dann hat der Bankberater aber sehr großes Vertrauen in seine Glaskugel. Und altruistisch ist er auch, wenn er lieber weiter bei der Bank oder Sparkasse Geheimtipps empfiehlt – statt selbst damit zu handeln und sich von dem Gewinn eine kleine Insel zu kaufen, z.B. Australien.

Glaubt – außer dem zitierten Anwalt – tatsächlich jemand, dass der freundliche junge Mann mit der Mickey-Maus-Krawatte ernsthaft über gewinnbringendes Geheimwissen verfügt? Und dieses dann völlig uneigennützig an seine Kunden weitergibt?

Schwere Zeiten für Ökonomen und Anleger

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Vor einigen Tagen hatte ich bereits auf die Selbstkritik führender Ökonomen hingewiesen. Insbesondere die realitätsfernen Annahmen der neoklassischen Makroökonomie stehen hier in der Kritik.

Aber es kommt noch schlimmer!

Auch die Portfolio Selection Theory von Markowitz (und damit ebenso das Capital Asset Pricing Model/CAPM) steht in der Kritik. Die extrem verkürzte Kernaussage das Modells: durch Diversifikation lässt sich das Risiko eines Portfolios verringern, sofern die Papiere nicht positiv korreliert sind. Die persönliche Risikoeinstellung des Anlegers drückt sich nicht in der Zusammenstellung des Portfolios aus, sondern im Mischungsverhältnis mit einer sicheren Anlage (Tobins Separationstheorem).

Nach Ausbruch der Finanzkrise haben allerdings alle Assetklassen an Wert verloren, somit konnte eine Diversifikation die Verluste nicht verringern.

Und eine aktuelle empirische Untersuchung stellt eine weitere ökonomische Grundüberzeugung in Frage. Das Handelsblatt berichtet, dass im Zeitraum von 1968 bis heute Aktien nur geringe Überrenditen im Vergleich zu Rentenpapiere aufweisen, die mit relativ hohen Risiken erkauft werden müssen. Da Eigenkapital aufgrund der Erfolgsbeteiligung per se mit einem höheren Risiko als Fremdkapital belastet ist, stellt diese Untersuchung die Sinnhaftigkeit einer Aktienanlage in Frage. Warum sollte ein Anleger für einen minimalen Renditevorsprung das höhere Risiko und größere Schwankungen seines Vermögenswertes in Kauf nehmen?

Die Ökonomenzunft steht also vor gewaltigen Aufgaben.

Rating und Mittelstand

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Und wieder ein Hinweis auf das Handelsblatt: unter dem Titel „Banken lassen Mittelständler abblitzen“ behandelt ein Beitrag die Ratingproblematik im Hinblick auf mittelständische Unternehmen und wirbt implizit für meine Beratungsleistung.

Kurz und prägnant leitet der Autor die Zusammenhänge von Eigenkapitalvorschriften, Kreditrating und deren mögliche Auswirkungen auf Mittelständler her.

Viele Unternehmen widmen dem Rating zu wenig Aufmerksamkeit und kennen weder ihr Rating noch die einzelnen Ratingfaktoren.

Aufgrund gesetzlicher Forderungen sind die Banken gezwungen, anhand der Ratingeinstufung ihrer Kreditkunden Konditionen und Kreditlinien festzulegen. Daher können in der momentanen Krise die Liquiditäts- und Handlungsspielräume der Unternehmen dramatisch eingeschränkt werden. Auch für mittelständische Unternehmen ist die aktive Steuerung des Kreditratings ein wesentliches Instrument der strategischen Führung.

Der Artikel endet mit dieser Problembeschreibung und Lösungshinweisen. Explizit will ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass Mittelständler durchaus externe Beratung als Hilfe in Anspruch nehmen sollten. Aufgrund der aktuell krisenbedingten, laufenden Anpassungen des Bankrisikomanagements wird es schwer, neben dem Kerngeschäft des Unternehmens auch diese Anforderungen ständig im Auge zu behalten. Die Kosten für eine externe Beratung werden ggf. durch geringere Zinslasten kompensiert. Möglicherweise führt eine Optimierung der Finanzkommunikation auch zu alternativen Finanzierungsquellen.

Macht der Ratingagenturen

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Im Handelsblatt findet sich ein guter Artikel über die von den Aufsehern zementierte Macht der Ratingagenturen. In den Kommentaren entwickelt sich eine Diskussion, an der ich mich beteiligt habe.

Die Autorin Osman kommentiert die Macht und Regulierung der Ratingagenturen. Ihrer Ansicht nach hat sich trotz Finanzkrise daran nichts geändert, obwohl Ratingagenturen eine wesentliche Mitschuld an der Finanzkrise tragen.