Europäische Ratingagentur gescheitert

Die Gründung einer Europäischen Ratingagentur (ERA) ist leider gescheitert. Ende April 2013 hat der Projektleiter und Gründungs-CEO Dr. Markus Krall erklärt, dass trotz intensiver Bemühungen die kritische Finanzierungsgrenze zum Start der ERA nicht erreicht wurde.

Ursprünglich war ein Stiftungsmodell auf Investor Pays Basis geplant. Das anfänglich geplante Stiftungsvolumen von 300 – 500 Mio. Euro, das im letzten Jahr nochmals deutlich reduziert wurde, konnte nicht eingesammelt werden.

Zur Umsetzung des investorenbasierten Bezahlmodells hätte es zusätzlich einer Gesetzesänderung auf europäischer Ebene bedurft, was zur Zeit nicht realisierbar sei.

Obwohl ich an dieser Stelle mehrfach meine Bedenken gegenüber dem grundlegenden Geschäftsmodell der ERA geäussert  habe, finde ich es sehr schade, dass wieder einmal eine Chance auf die Verbesserung des Wettbewerbs auf dem Ratingmarkt vertan wurde.

Gerade erst gestern habe ich an dieser Stelle meine Ideen zur Kombination des Investor Pays Modells mit der Tobin Tax ausgeführt. Und natürlich bin ich auch weiterhin davon überzeugt, dass mein Modell der institutsgruppen-eigenen Ratingagenturen eine sehr gute Alternative zu den Big Three – S&P, Moody’s und Fitch Ratings – darstellt.

5 Gedanken zu “Europäische Ratingagentur gescheitert

  1. Grundproblem ist doch von vorneherein die Finanzmarktregulierung, die Ratings vorschreibt, die wiederum nur von lizenzierten Agenturen vergeben werden dürfen. Die Staaten schaffen damit selbst ein Oligopol, dass sie durch den Druck zur weiteren Regulierung nicht aufbrechen werden. Einzige Lösung wäre eine Liberalisierung der Finanzmarktregulierung.

  2. Die Einschätzung der Bonität von Kreditnehmern ist durchaus eine wichtige Aufgabe zum Abbau von Informationsasymmetrien. Und wenn aufgrund des so gemessenen Risikos die Eigenkapitalunterlegung der Banken stattfindet, muss das schon staatlich überwacht werden.
    Was wir brauchen ist mehr Wettbewerb auf dem Ratingmarkt, um dieses Oligopol zu durchbrechen. Und mit den neu akkreditierten Agenturen sind wir auf dem richtigen Weg. Nur die Marktteilnehmer interessiert eben nur das Rating der Big 3 und nicht, was Dagong oder Creditreform sagen.

  3. @Dr. Andreas Buschmeier
    Entsprechend könnte man konkrete Anforderungen an Rating-Agenturen formulieren und sie demnach zulassen. Faktisch sorgt die staatlcihe Regulierung jedoch für das bestehende Oligopol. In den USA werden die Lizenzen durch die „Nationally Recognized Statistical Rating Organization“ bestimmt, in Europa nutzt man ebenfalls externe Ratingagenturen, ich meine sogar auf der selben Basis.
    Folglich müsste eine europäische Bankenaufsicht selbst Ratings erstellen oder die lizenzvergabe nach qualitativen Maßstäben ausrichten.

    Dazu auch ein klein wenig Werbung in eigener Sache: http://politkundwerte.wordpress.com/2013/02/12/einen-sundenbock-furs-volk/

  4. Diese Anforderungen gibt es seit Einführung von Basel II für bankinterne Ratings und seit der EU-Verordnung über Ratingagenturen auch für externe Ratings. Ausserdem müssen die internen von der BaFin und die externen von der ESMA registriert werden.
    Und: es kann nicht der Job der Bankenaufsicht sein, Ratings zu erstellen.

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