Mein Interview mit Geldbildung.de

Für die Internetseite Geldbildung.de hat mich Herr Obersteller zu den Themen Rating und Anleihen interviewt.

Der Podcast ist nun online.

Ziel der Seite ist die Förderung der finanziellen Bildung der Bevölkerung. Da mich dieses Thema ebenfalls umtreibt, habe ich gern der Interviewanfrage zugestimmt.

Reaktion des DSGV

Vor einigen Tagen habe ich meinen Gastbeitrag in Capital hier verlinkt. Daraufhin hat sich der Pressesprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) in einem Kommentar geäussert. Diese offizielle Stellungnahme will ich natürlich den Leserinnen und Lesern meines Blogs nicht vorenthalten. Daher zitiere ich Herrn von Schmettow – unkommentiert und natürlich mit Genehmigung von Capital.

“Herr Prof. Buschmeier behauptet, die deutschen Sparkassen hätten staatliche Hilfen gefordert, um die Niedrigzinsphase zu überstehen. Er tritt einer solchen angeblichen Forderung entgegen.

Hierzu stelle ich fest: Die Behauptung von Herrn Prof. Buschmeier ist nicht nachvollziehbar. Zu keinem Zeitpunkt haben die Sparkassen für sich staatliche Hilfen gefordert, um die Niedrigzinsphase zu überstehen. Auch wenn die Auswirkungen spürbar sein werden, bewältigen die Sparkassen die außergewöhnliche und durch die EZB verantwortete Zinssituation aus eigener Kraft.

Tatsächlich setzen sich die die deutschen Sparkassen seit über 200 Jahren dafür ein, auch Geringverdienern eine eigenständige Vermögensvorsorge zu ermöglichen. Wir verstehen uns als Anwalt der Sparer. Deshalb plädieren wir dafür, Anreize für die eigene Sparvorsorge zu setzen. Der wichtigste Anreiz ist ein angemessenes Zinsniveau. Angesichts seit vielen Jahren nicht erhöhter Einkommens- und Fördergrenzen für die Vermögensbildung sollte allerdings auch die Politik ihren Beitrag leisten. Darauf hat der baden-württembergische Sparkassenpräsident hingewiesen.

Es bleibt das Geheimnis von Herrn Buschmeier, wie er das als staatliche Hilfen für die Sparkassen missverstehen kann. Aus unserer Sicht verlangt das Thema mehr Genauigkeit in der Analyse und in der Kritik.

Alexander von Schmettow

Pressesprecher Deutscher Sparkassen- und Giroverband e.V.”

 

“Tschüs, gute alte Sparkasse”

Die FAZ beschäftigt sich momentan aber wirklich sehr intensiv mit der Sparkassenorganisation. Heute, am heiligen Sonntag, schreibt sie einen Beitrag mit dem Titel “Tschüs, gute alte Sparkasse

In dem Longread werden ausführlich viele Schwierigkeiten der Sparkassen dargestellt. Insbesondere die Kostenstruktur, die ich auch in meinem Capital-Beitrag erwähnt habe, wird genau beleuchtet. Die FAZ benennt das Problem des überbordenden – und damit teuren – Overhead der Organisation:

Die Sparkassen leisten sich viele kostspielige Zentralinstitute mit Vorständen und Verwaltung. Sieben Landesbanken, neun Landesbausparkassen, elf Versicherungsgruppen und elf regionale Sparkassenverbände wirken wie aus der Zeit gefallen.

In einem Blogpost von Anfang 2009 (“Staatliche Kreditwirtschaft?”) hatte ich bereits meine Hoffnung geäussert, dass sich auch in der Sparkassenorganisation die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass maximal drei Landesbanken ausreichen. Leider hat sich diese Hoffnung während der letzten sechs Jahre nicht erfüllt. Möglicherweise muss die Situation erst weiter eskalieren, bis sich diese Einsicht bei Sparkassen – und Politik – durchsetzt. Denn man darf nicht vergessen, dass Sparkassen und Landesbanken öffentlich-rechtliche Institute sind, deren Positionen auch gerne mal politisch besetzt werden. Bei Reduzierung des Overheads würden einige Posten, die (Ex-)Politiker versorgen, obsolet.

Und abschliessend noch einen kurzer Hinweis zur Refinanzierungssituation, die die FAZ recht emotionslos beschreibt, obwohl sie in der Vergangenheit bereits zum Zusammenbruch einer sparkassen-ähnlichen Organisation geführt hat. Sparkassen vergeben zur Zeit langfristige Kredite mit niedrigem Zinssatz, z.B. 10-jährige Kredite zu 2%. Das Geld, um diese Kredite vergeben zu können, erhalten sie von ihren Einlegern. Die Anleger parken ihre Gelder auf Girokonten, Tagesgeldern, Festgeldern oder Sparbüchern (ja, immer noch!). Dies sind kurzfristige Anlagen, die z.Zt. mit 0,1 – 0,5% sehr niedrig verzinst werden.

Die geringe Marge wurde bereits thematisiert. Was noch nicht erwähnt wurde, ist die verheerende Situation für die Sparkassen, sobald die Zinsen wieder steigen sollten. Dann haben sie langfristige Kredite zu 2% vergeben und müssen sich zu höheren Zinsen refinanzieren. Genau diese Situation führte in den 80er Jahren zum Zusammenbruch der Savings & Loan Associations in den USA.

Ich hoffe wirklich, dass die Sparkassenorganisation nun endlich anfängt, ihre Kosten zu reduzieren und neue Ertragsquellen zu generieren, bevor es zu einer Situation wie damals in den USA kommt. Die Sparkassen sind eine wichtige Säule des deutschen Banksystems, wenn nicht die wichtigste. Daher erschreckt es mich, wenn nicht die aktuellen Herausforderungen angegangen werden, sondern das bisherige Vorgehen weitergeführt werden soll – zur Not mit staatlicher Unterstützung.

 

Winter is coming – eine Parabel

Unterstellen wir, ich sei Besitzer mehrerer Eisdielen.

Momentan läuft mein Geschäft nicht so richtig gut. Vielleicht, weil es gerade Winter ist und die Leute wenig Eis kaufen. Vielleicht, weil ich in meiner Stadt viele Eisdielen mit vielen Mitarbeitern besitze, die gelangweilt aus dem Fenster schauen, aber bezahlt werden müssen, auch wenn sie kein Eis verkaufen.

Da kommt mir eine Idee: ich führe eine Studie zum Eiskonsum durch.

Als Ergebnis kommt heraus, dass weniger Eis nachgefragt wird. Dieses Ergebnis veröffentliche ich und bringe meine Sorge zum Ausdruck, dass in der Bevölkerung eine Eisunterversorgung besteht. Zusätzlich behaupte ich, dass keine weiteren Glühweinstände genehmigt werden sollten, da die Zielgruppe diese gar nicht nachfrage.

Einer meiner besten Mitarbeiter hat beinahe zeitgleich auch eine gute Idee. Er fordert, dass beim Kauf von zwei Kugeln Eis der Staat eine dritte Kugel bezahlt. Selbstverständlich dient dies dem Wohl der Konsumenten, die aufgrund hoher Preise für Eiskugeln doch sehr benachteiligt werden. Und weil der Staat ja wegen der hohen Preise überdurchschnittlich am Eisverkauf über die Mehrwertsteuer profitiert, könnte er davon einen Teil den Bürgern zurückgeben.

Kurz danach beschließe ich zusätzlich, die Toilettennutzungsgebühr für Kunden, denen aufgrund von zu hohem Eiskonsum schlecht wurde, abzuschaffen.

Könnte funktionieren.

Ratingagentur einigt sich aussergerichtlich

Die US-Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hat sich in einem Rechtsstreit mit der US-Regierung und dem Pensionsfonds Calpers geeinigt. Laut CNN zahlt S&P knapp 1,4 Milliarden US-Dollar wegen falscher Ratings für Mortgage Backed Securities. Diese fehlerhaft bewerteten Hypotheken-Kredite waren Auslöser der Finanzkrise in 2008. Die Hälfte der 1,4 Mrd. Dollar erhalten 19 US-Bundesstaaten, die andere Hälfte die US-Regierung. Zusätzlich erhält der kalifornische Pensionsfonds 125 Millionen Dollar, da er bei weiteren Transaktionen durch fehlerhafte Ratings getäuscht wurde.

Sprecher von S&P behaupten, die Einigung sei im Interesse des Unternehmens und seiner Eigentümer getroffen worden. Es seien keine Gesetzesverstöße durch die Ratingagentur nachgewiesen worden.

Bereits im Januar hatte S&P 58 Mio. US-Dollar an die Börsenaufsicht SEC und 19 Mio. Dollar an die Staatsanwaltschaften von New York und Massachusetts gezahlt.

Berichten zufolge blicken die staatlichen Ermittlungsbehörden nun genauer auf Moody’s, die weltweit zweitgrößte Ratingagentur.

Vor diesem Hintergrund ist es fast schon ärgerlich, dass die immer wieder geforderte europäische Ratingagentur nie gegründet wurde. Ratingagenturen scheinen ein gutes Instrument zur Staatsfinanzierung zu sein.

Investitionsstau oder EK-Finanzierung?

Gerade habe ich an dieser Stelle über eine Studie des Deutschen Sparkassen-und Giroverbands (DSGV) berichtet, in der Sparkassenpräsident Fahrenschon zu den Ergebnis kommt, dass im deutschen Mittelstand – aufgrund geringerer Kreditnachfrage bei den Sparkassen – ein Investitionsstau herrsche und die KMU “ins Hintertreffen” geraten könnten.

Heute berichtet Springer Professional über die gleiche DSGV-Studie. Die Autorin kommt jedoch zu einem deutlich anderen Ergebnis als der Sparkassenpräsident. Aufgrund der Finanzkrise setzten mittelständische Unternehmen seit 2009 stark auf Finanzierung durch Eigenmittel. Bei Fremdkapitalfinanzierungen entscheiden sie sich in erster Linie für Bankkredite und nicht für Finanzierungen über den Kapitalmarkt. Und wieder wird DSGV-Präsident Fahrenschon zitiert. Dieses Mal mit der Aussage, dass der klassische Hausbankkredit für KMU ein bewährtes Finanzierungsinstrument sei.

Kann er sich mal entscheiden? Investitionsstau oder nicht?

Völlig unverdächtig ist das folgende Zitat von Fahrenschon: “Eine Öffnung der Kapitalmärkte geht bei diesen Unternehmen am Bedarf vorbei.”

Logisch.
Die Kapitalmärkte – mit ihren günstigeren Finanzierungsalternativen – müssen nicht für KMU geöffnet werden. Das wollen die doch gar nicht. Die wollen einen schönen Bankkredit von ihrer Hausbank. Und die Anleger bekommen ein Sparbuch.

Ich hoffe, dass zumindest intern bei den Kreditinstituten ein Umdenken stattfindet. Allerdings freue ich mich auch auf Fintechs, die den verkrusteten Markt hoffentlich bald aufmischen. Die Banken wollen wohl ihr altes Geschäftsmodell verteidigen und nicht innovativ werden.