The Third Wave

Die Gründerszene berichtet am 29.07.16, dass die französiche Großbank BPCE die Münchner Digitalbank Fidor übernommen hat.

Während Fidor mit dem frischen Kapital das Wachstum vorantreiben will, erhofft sich die Großbank, bei der Digitalisierung dabei zu sein. Damit scheint sich die Theorie der „Third Wave“ zu bestätigen. Der AOL Co-Gründer Steve Case ist der Auffassung, dass in der dritten Welle der Digitalisierung Partnerschaften zwischen alteingesessenen Unternehmen und disruptiven Start Ups immer wichtiger werden.

Während meiner Beratungen von Banken habe ich auch immer wieder dafür plädiert, junge FinTechs zu übernehmen, auch, weil ich befürchte, dass aus den eigenen Reihen der Banken wirkliche Innovationen nur schwer entstehen können. Die Franzosen haben es jetzt also vorgemacht – wir werden sehen, ob sich Fidor gegenüber der besonderen Dynamik alter, großer Institutionen behaupten kann.

N.B.: die erste Welle der DIgitalisierung war die Einführung des Internets samt Aufbau der Infrastruktur. Die zweite Welle stellen Apps und Services dar, die auf die vorhandene Internet-Infrastruktur aufsetzen.

EU Rating Downgrade

Die Ratinagentur Standard & Poor’s (S&P) hat nach dem Brexit die EU von AA+ auf AA heruntergestuft. (Quelle: Reuters)

Interessant ist, dass bei Unternehmensratings ein Konzept existiert, das „Sovereign Ceiling“ gennant wird. Danach wird häufig das Rating eines Staates (Sovereign) als Obergrenze für alle in diesem Staat ansässigen Emittenten betrachtet. Damit können bei einer veränderten Einschätzung der Finanzkraft eines Staates Spill-Over-Effekte auf dessen Unternehmen eintreten.

Ist vor diesem Hintergrund das AAA-Rating Deutschlands, als (wesentlicher) Teil der EU, noch gerechtfertigt? 

N.B.: das Sovereign Ceiling-Prinzip wurde seit 1997 gelockert, aber nicht vollständig aufgegeben.

Werden Banken überflüssig sein

Heute ist mein Gastbeitrag auf der-bank-blog erschienen. Darin beschäftige ich mich mit der Zukunft der Banken und dem Einfluss der Digitalisierung und FinTechs.

Werden Banken überflüssig sein?

Sparkassen: too little, too late?

Auf der Bilanzpressekonferenz stimmte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) Fahrenschon Kunden, Sparkassen und deren Mitarbeiter auf harte Zeiten ein.

In 2015 erwirtschafteten die Sparkassen mit 4,6 Mrd. Euro vor Steuern einen leicht schlechteren Gewinn als im Jahr 2014, nach Steuern blieben 2 Mrd. Euro übrig. Gleichzeitig erhöhten sich Kundeneinlagen und vergebene Kredite. (Quelle: Handelsblatt)

Allerdings rechnet Fahrenschon nicht damit, dass sich dieses gute Ergebnis in den kommenden Jahren wiederholen läßt. Schuld trage die aus seiner Sicht falsche Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank EZB.

Um die betriebswirtschaftlich schwierige Situation zu meistern, müssten „neue Ertragsquellen“ erschlossen werden. Das klingt zunächst gut – nicht zuletzt, weil ich in meinen Beratungen genau das auch sage. Allerdings definiere ich neue Ertragsquellen anders als der DSGV-Chef. Fahrenschon fordert entschlossenes Handeln, um Kosten zu begrenzen, z.B. mittels Personalabbau. Ausserdem werde es keine kostenlosen Girokonten mehr geben. Immerhin wollen die Sparkassen von Negativzinsen für Kunden absehen. N.B.: „wollen“, nicht „werden“ – was, wenn die ersten Sparkassen nicht mehr „wollen“?

Das ist m.E. keine „Erschliessung neuer Ertragsquellen“, sondern es sind genau die Vorschläge, wenn einem sonst nichts einfällt: Kostensenkung über Personalabbau und die Wiedereinführung alter Ertragsquellen. Neu ist daran wenig. Und ob diese Massnahmen ausreichen werden, um die Sparkassen aus der Krise zu führen, ist leider sehr fraglich. Die nahe Zukunft wird zeigen, ob sich die Hoffnung der Sparkassen erfüllt, dass Kunden wegen der vermeintlich höheren Opportunitätskosten eines Institutswechsels im Vergleich zu den Gebühren bei ihrer Sparkasse bleiben. Ich persönlich glaube das nicht – gibt es dafür nicht eine App?

Nötig sind für die Sparkassen – neben Kostensenkungen – tatsächlich neue Ertragsquellen. Einige Vorschläge dazu habe ich bereits vor längerer Zeit entwickelt und bei verschiedenen Gelegenheiten auch kundgetan. Denn neben den Niedrigzinsen werden auch die jungen FinTechs Banken und Sparkassen Umsatz und Erträge wegnehmen. Die etablierten Kreditinstitute benötigen dringend neue Ideen, mit denen sie zukunftsfähig werden. Dazu zählt auch das Überdenken ihrer Geschäftsmodelle.

Sparkassenkrise

Nachdem ich an dieser Stelle bereits mehrfach über die Probleme von Sparkassen und Landesbanken berichtet habe, hat sich nun auch das ZDF diesem Thema angenommen. In der ZDF Mediathek läßt sich der Beitrag „Sparkassen in der Krise“ abrufen.

Besonders interessant finde ich, dass der Bürgermeister des Ortes über die Sparkasse im Allgemeinen und die Schliessung einer Filiale im Besonderen wettert. Üblicherweise sind Bürgermeister und Landräte Mitglieder oder sogar Vorsitzende der Verwaltungsräte der Sparkassen. Dort hätte vor der Schliessung interveniert werden können. Gern nehmen die Kommunalpolitiker die Ausschüttungen, das Sponsoring und die Spenden der regionalen Sparkassen entgegen. Nun hat jedoch die Sparkassenorganisation massive Probleme – nicht nur aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase – und kämpft um ihr Überleben.

Das kommt jetzt für Politiker völlig überraschend, aber: damit Unternehmen Wohltaten verteilen können, müssen sie vorher Gewinne erwirtschaftet haben. Die Gewinne der Sparkassen brechen ein und eine mögliche Reaktion sind Kostensenkungen, z.B. mittels Filialschliessungen.

Ich bin mal gespannt auf die Reaktion der Politiker, sobald die erste Sparkasse nicht nur keine Gewinne ausschüttet, sondern dem Gewährträger Stadt/Kommune klarmacht, dass er Geld nachschiessen muss.

Die Reaktion des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) auf den ZDF Beitrag hat der FOCUS veröffentlicht.

Und immer wieder die Landesbanken

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Die völlig marode HSH Nordbank muss auf Druck der EU bis 2018 verkauft oder abgewickelt werden. Und obwohl weder Name noch Mehrheitseigner der HSH – die Länder Schleswig-Holstein und Hamburg – darauf hindeuten, handelt es sich um eine Landesbank. Die Mitglied im Haftungsverbund der öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute ist. Offiziell kann der Präsident des Sparkassenverbands Georg Fahrenschon keinen Fall für die Einlagensicherung erkennen, dennoch hat die HSH als Mitglied im Haftungsverbund Anspruch auf vermutlich milliardenschwere Rettungsmaßnahmen. Ein Vertreter der Ratingagentur Moody’s hält eine Rettung durch die anderen Sparkassen und Landesbanken für sehr wahrscheinlich. Sollte der Haftungverbund nicht einspringen, müssten die Ratingnoten für alle anderen Landesbanken herabgesetzt werden.

Zusätzlich kämpfen momentan die deutschen Kreditinstitute in Brüssel für einen Erhalt des Haftungsverbunds und gegen eine EU-weite Einlagensicherung. Da käme eine Verweigerung der Spakassen bei der HSH-Rettung sicher nicht gut an. Ausserdem haben öffentlich-rechtliche Kreditinstitute ein weiteres Privileg: Kredite an Mitglieder der Gruppe müssen nicht mit Eigenkapital unterlegt werden. Sollte die Ausnahmeregelung entfallen, stiege der Kapitalbedarf der Institute um mehrere Milliarden Euro.

Eine vergleichsweise günstige Abwicklung der HSH Nordbank, analog zur Aufspaltung der WestLB, ist nach den heutigen EU-Regeln nicht mehr möglich. In 2012 wurden die „guten“ Teile der WestLB verkauft, die „schlechten“ in eine staatliche Bad Bank gesteckt. Jetzt müssen bei Bank-Pleiten Eigentümer und Gläubiger die Verluste tragen. Bei einer Pleite der HSH müsste auf die Garantie der Bundesländer i.H.v. zehn Milliarden Euro und auf das Eigenkapital zurückgegriffen werden.

Dies soll vermieden werden, indem ein Käufer für die Landesbank gesucht wird. Die potenziellen Kandidaten – NordLB oder Helaba – finden die Idee zur Zeit nicht überzeugend. Aber vielleicht ändern sie ihre Meinung noch. Für den Erhalt des Spakassenverbundes.

(Quelle: Handelsblatt)

Basel IV ?

Der Bundesverband deutscher Banken hat auf seinen Internetseiten einige Folien zur bisherigen Umsetzung der Basel III-Richtlinien der Banken online gestellt. Er kommt zu der Überzeugung, dass die deutschen Banken in den letzten Jahren ihre Widerstandsfähigkeit durch Verbesserung ihrer Kapitalausstattung massiv verbessert hätten. Eine Untersuchung von McKinsey zeige, dass die harte Kernkapitalquote von 9,4% in 2009 auf nun 13% gestiegen sei. Nun wolle jedoch der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht die Berechnungsmethoden zur Kapitalunterlegung nochmals umfassend überarbeiten, obwohl Basel III eigentlich als abgeschlossen gelte und bis 2019 vollständig umgesetzt werde. Die Überarbeitung führe zu einer nochmaligen Erhöhung der Kapitalanforderungen für die Banken um mehr als 50%. Damit, so der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes Kemmer, schieße der Ausschuss über das Ziel hinaus und man müsse das bereits Basel IV nennen.

Der Baseler Ausschuss hat in den letzten 15 Jahren sowohl die Definition der Eigenmittel als auch die Berechnung der gewichteten Risikoaktiva sowie den Solvabilitätskoeffizienten verschärft. Die neu geplanten Änderungen betreffen den Kreditrisiko-Standardansatz, Mindestgrenzen für interne Risikomodelle (Floors), die Verfahren für Marktpreisrisiken, operationelle Risiken und Zinsänderungsrisiken.
Diese erneute Verschärfung der Anforderungen könne die Banken überfordern. Davon seien insbesondere die in Deutschland risikoarmen Unternehmensfinanzierungen und Privatkunden betroffen, so der Bankenverband.

Der letzte Punkt kann den deutschen Kreditinstituten überhaupt nicht gefallen. In verschiedenen Blogposts im letzten Jahr habe ich beschrieben, wie insbesondere die Sparkassenorganisation förmlich um eine höhere Kreditnachfrage seitens deutscher Unternehmen bettelt. Im andauernden Niedrigzinsumfeld ist dies der einzige Geschäftsbereich, der wenigstens kleine Gewinne bei relativ geringem Risiko abwirft. Bei Erhöhung der aufsichtsrechtlichen Anforderungen würden die Kosten steigen und die Gewinne weiter sinken. Dies würde die ohnehin prekäre Situation der deutschen Kreditwirtschaft weiter verschlimmern.

Die wichtigste Frage – ist die Kapitalausstattung der Banken ausreichend? – bleibt bis zur nächsten großen Finanzkrise unbeantwortet. Hoffen wir, dass die Anstrengungen von Aufsicht und Banken einem solchen ultimativen Stresstest standhalten.