Banken bauen Arbeitsplätze ab

Das behauptet zumindest Bain & Company (via Reuters). Die Managementberatung sieht deutsche Banken vor einem radikalen Ausleseprozess. Langfristig könnten sich nur drei Geschäftsmodelle durchsetzen: globale Universalbanken wie die Deutsche Bank, Regionalinstitute wie Sparkassen, Genossenschaftsbanken und die Commerzbank (sic!) sowie spezialisierte Häuser, z.B. reine Vermögensverwalter. Der Bain-Deutschlandchef Sinn sieht am Ende des Prozesses weniger Banken, die jedoch fokussierter und renditestärker seien.

Um zu dieser Aussage zu kommen, hat Bain die Geschäftsabschlüsse von knapp 2.000 Banken in Deutschland seit dem Jahre 1970 einem Langzeitcheck unterzogen.

Nachdem wir jetzt fertig gelacht haben, schauen wir uns die Aussagen nochmal an:

Bain prognostiziert drei zukunftsfähige Geschäftsmodelle.
Welcher Zeithorizont ist denn bei Bain „langfristig“?
Und gibt es denn neben den genannten Modellen noch erwähnenswerte andere? Die kleineren Privatbanken spielen doch ohnehin keine nennenswerte Rolle mehr, oder sind unter das Dach einer großen Mutterbank geschlüpft.

Gute Arbeit, Bain. Wir werden also zukünftig große Universalbanken, Sparkassen, Genossenschaften und „spezialisierte Häuser“ haben. Schon dafür hat sich der Langzeitcheck gelohnt. Und dass die Commerzbank als Regionalinstitut nach Sparkassen und Genossen genannt wird.
So wird das aber nichts mit einem Beratungsauftrag dort.

Als Haupttreiber für diese Entwicklung sieht Bain den zunehmenden Kostendruck in der Branche. Auch eine komplett neue und überraschende Erkenntnis. Nichts mit Apple Pay, Crowdfunding, internetbasierten neuen Geschäftsmodellen. Die werden nicht erwähnt. Nein. Der gute alte Kostendruck treibt die Banken um. Die Eigenkapitalrendite liege durchschnittlich bei 1,6%, daher sagt der Berater, was der Berater sagen muss: Kostenreduzierung. Bain sieht die Schließung von 11.000 Bankfilialen und den Abbau von knapp 130.000 Arbeitsplätzen voraus.
Ich bin sicher, dazu gibt es viele schöne PowerPoint Seiten.

Und zu guter Letzt will der Bain-Chef die seit einigen Jahren laufenden Spar- und Umbauprogramme nicht konkret bewerten. Ich vermute, Bain war nicht daran beteiligt (sonst wären die Maßnahmen natürlich zukunftsweisend), will aber noch den ein oder anderen Auftrag ziehen.

Ach ja, die Beraterzunft.

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